Tokio: «Nichtstuer-Typ zum Mieten» – Japaner lässt sich fürs Rumstehen bezahlen

Publiziert

Tokio«Nichtstuer-Typ zum Mieten» – Japaner lässt sich fürs Rumstehen bezahlen

Die Nachfrage nach den Diensten von Shoji Morimoto ist gross, in Japan ist er längst bekannt geworden. Dabei macht er nichts anderes als «essen, trinken, und einfache Fragen beantworten».

von
Dominik Fischer
1 / 2
«Ich kann nichts anderes tun, als zu essen und zu trinken und ganz einfache Fragen zu beantworten» – so bewirbt sich Shoji Morimoto auf Twitter.

«Ich kann nichts anderes tun, als zu essen und zu trinken und ganz einfache Fragen zu beantworten» – so bewirbt sich Shoji Morimoto auf Twitter.

Twitter/Morimotoshoji
Morimoto lebt in Tokio und bietet dort seine Dienste an.

Morimoto lebt in Tokio und bietet dort seine Dienste an.

REUTERS

Darum gehts

«Ich werde Ihnen eine Person (mich) ausleihen, die nichts tut»: So bewirbt sich Shoji Morimoto auf Twitter und bezeichnet sich selbst als «Rental Nanmo Shinai Hito», was übersetzt «Nichtstuer-Typ zum Mieten» bedeutet. 10’000 Yen kosten die Dienste des in Tokio lebenden Morimoto – was umgerechnet etwa 70 Franken entspricht. Dabei betont er: «Ich kann nichts anderes tun, als zu essen und zu trinken und ganz einfache Fragen zu beantworten.» Dennoch sind seine Dienste beliebt und haben ihn in Japan berühmt gemacht.

«Macht keinen Unterschied, ob du da bist oder nicht»

Die Idee zu seinem Geschäftsmodell bekam Morimoto, als er von seinem früheren Chef kritisiert wurde, berichtet der «Tages-Anzeiger». «Es macht für die Firma keinen Unterschied, ob du da bist oder nicht», habe sein ehemaliger Chef einmal zu ihm gesagt. Morimoto hat diese Schwäche in eine Stärke umgewandelt und die Kritik des Chefs zu seinem Markenzeichen gemacht. 

Für Morimotos Dienste soll es eine grosse Nachfrage geben: Eine Frau engagierte ihn für ihr neu eröffnetes Café, damit es nicht so leer aussieht, einem Mann beschert er vor dessen Umzug eine «hochemotionale Bahnhofsszene, wie man sie aus zahlreichen japanischen Filmen kennt». Ein- bis dreimal pro Tag werde er engagiert, schreibt der «Tages-Anzeiger». Auch seine Frau habe jedoch einen Job. Nur so kämen die beiden mit ihrem kleinen Sohn über die Runden.

«Ich selber starte nie eine Konversation»

Gegenüber BBC erzählt er: «Wenn mich jemand engagiert, bin ich einfach nur da. Ich selber starte nie eine Konversation und möchte auch nie mehr über meine Klienten wissen, als sie mir von sich aus erzählen.» So schweige er während seiner Arbeit meistens oder starre in sein Smartphone.

Würdest du die Dienste des «Nichtstuer-Typs in Anspruch nehmen?

Auch eine frisch geschiedene Frau mietete Morimoto, damit dieser sie in ihr Lieblingsrestaurant begleitete, wie die «Washington Post» berichtete. «Ich fühlte mich nicht unbehaglich oder unter Druck gesetzt, zu sprechen. Es war vielleicht das erste Mal, dass ich in völliger Stille gegessen habe», sagte sie gegenüber der US-Zeitung. Der US-Sender CBS titelte einen Beitrag über Morimoto: «Nichtstuer-Typ bietet japanischen Frauen einen Safe Space.»

In Japan ist Morimoto mit seiner Geschäftsidee längst bekannt geworden, 240’000 Personen folgen seinem Twitter-Account.

Keine News mehr verpassen

Mit dem täglichen Update bleibst du über deine Lieblingsthemen informiert und verpasst keine News über das aktuelle Weltgeschehen mehr.
Erhalte das Wichtigste kurz und knapp täglich direkt in dein Postfach.

Deine Meinung

47 Kommentare