Aktualisiert 12.03.2015 16:25

Swatch-Chef

Nick Hayek spottet über Smartwatches der Rivalen

Swatch hat die Antwort auf die Smartwatches von Apple und Co präsentiert: Uhren mit Bezahlfunktion. Man wolle kein Telefon ans Handgelenk bringen.

von
S. Spaeth, Corgémont
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«Wir bauen nützliche Funktionen in schöne Uhren ein. Und sie sollen ihren Trägern für mehr als einen Tag Unabhängigkeit geben», sagte Swatch-Group-Chef Nick Hayek.

«Wir bauen nützliche Funktionen in schöne Uhren ein. Und sie sollen ihren Trägern für mehr als einen Tag Unabhängigkeit geben», sagte Swatch-Group-Chef Nick Hayek.

Keystone/Laurent Gillieron
Swatch-Patron Nick Hayek hat im Jahr 2014 Vergütungen von insgesamt 7,46 Millionen Franken erhalten. Das sind 40'000 Fr. weniger als im Jahr zuvor.

Swatch-Patron Nick Hayek hat im Jahr 2014 Vergütungen von insgesamt 7,46 Millionen Franken erhalten. Das sind 40'000 Fr. weniger als im Jahr zuvor.

Keystone/Laurent Gillieron
Die Swatch-Topmanager bei der Präsentation in Corgémont im Berner Jura.

Die Swatch-Topmanager bei der Präsentation in Corgémont im Berner Jura.

Keystone/Laurent Gillieron

«Wir sind keine Firma für Consumer Electronic, wir sind eine Uhrenfirma», stellte Swatch-Group-CEO Nick Hayek gleich zu Beginn der Medienkonferenz klar. Anders als viele Beobachter erwartet hatten, präsentierte Hayek am Donnerstagvormittag keine Smartwatch mit unzähligen Funktionen, die man als Konkurrenz zur Apple Watch bezeichnen könnte: Vielmehr war Hayek darauf bedacht, vor Analysten und Journalisten die gute Position seines Unternehmens darzulegen. Man sei gut aufgestellt, so Hayek über sein Reich mit zwanzig Marken sowie Uhrwerk- und Elektronikherstellern: «Die Schweiz ist das Silicon Valley.» Auch wegen der Smartwatch-Hysterie waren die Swatch-Group-Aktien zuletzt aber unter Druck gekommen.

Die bisher auf dem Markt erhältlichen Wareables scheint Hayek zu belächeln. So platzierte er Seitenhiebe wegen ihrer kurzen Akkulaufzeiten – und meinte damit auch die Apple Watch, deren Batterie bei durchschnittlicher Nutzung nicht einmal einen Tag hält. Bei der Swatch Group hingegen wisse man, wie wichtig das Thema Stromverbrauch sei, so Hayek, der gleich die nächste Bereitseite abfeuerte: «Wir bauen nützliche Funktionen in schöne Uhren ein. Und sie sollen ihren Trägern für mehr als einen Tag Unabhängigkeit geben.»

Uhr zum Bezahlen und als Zimmerschlüssel

Trotz diese Kritikpunkte gratulierte Hayek Apple, als er auf deren Uhr angesprochen wurde. Die Firma habe von allen Anbietern die schönste Smartwatch geschaffen. «Aus der Warte des Uhren-Designs ist es aber kein Meilenstein. Die Uhrenindustrie hat andere Schönheiten.» Hayeks Antwort auf den Smartwatch-Hype ist die Kombination von traditionellem Uhrendesign mit zukunftsträchtiger Technologie. So baut Swatch künftig einen NFC-Chip (Near Field Communication) in einen Teil der Uhren ein – und zwar sowohl in jene von Swatch und Tissot als auch in teure, mechanische Modelle von Omega.

Dank NFC wird es beispielsweise möglich sein, mit der Uhr zu bezahlen, sie als Zimmerschüssel oder fürs Treueprogramm bei einem Detailhändler einzusetzen. Die Swatch Group ist deswegen bereits eine Kooperation mit einer Schweizer Bank sowie mit dem Kreditkartenanbieter Visa eingegangen. Laut Hayek geht es um wirklich nützliche Funktionen: «Die Swatch Group will nicht Champion werden beim Integrieren des Telefons in eine Uhr.»

Grosse Chancen in China

Punkten will die Swatch Group mit den NFC-Uhren, deren Chip nur etwa zwei Franken kostet, auch in China, dem 2014 grössten Absatzmarkt für Produkte des Swatch-Konzerns. Bereits ist die Firma eine Kooperation mit dem chinesischen Kreditkartenanbieter Union Pay eingegangen. Die ersten NFC-fähigen Swatch-Modelle dürften noch in diesem Sommer auf den Markt kommen. «Bei den Swatch-Uhren könnten wir schon in fünf Wochen bereit sein», so Hayek. Hier rechnet er damit, dass künftig 10 bis 15 Prozent der verkauften Uhren NFC-fähig sind.

An der Medienkonferenz präsentierte Hayek der Öffentlichkeit ausserdem die im Februar angekündigte Swatch Touch Zero One. Diese Sportuhr kostet weniger als 150 Franken und gleicht am ehesten einer Smartwatch im Stil der Apple Watch. Sie verfügt über einen berührungsempfindlichen Bildschirm und bietet einen Fitness-Tracker. Ausgerichtet ist sie speziell auf Beachvolleyballer. So misst sie beispielsweise die Intensität des Trainings oder die Schlagkraft bei einem Smash. Weitere Ausführungen der Touch Zero für die Bereiche Freeride, Surfen und Kochen werden laut Hayek folgen.

7,46 Millionen Franken Lohn

Swatch-Patron Nick Hayek hat im Jahr 2014 Vergütungen von insgesamt 7,46 Mio.

Franken erhalten. Das sind 40'000 Fr. weniger als im Jahr zuvor. Gemäss dem Jahresbericht betrug der Basislohn von Hayek 1,5 Millionen. Der Rest der Vergütung setzt sich aus Boni und Aktienoptionen zusammen. (sda)

Börse zeigt sich über Swatch-Pläne erfreut

An der Börse kamen die Neuerungen bei Swatch gut an, die Aktie notierte zwischenzeitlich mit über 3 Prozent im Plus. Auch die Aussagen von Hayek zum Geschäftsgang im laufenden Jahr stimmten die Anleger zuversichtlich. «Wir sehen exzellente Umsätze und sehr gute Ergebnisse überall auf der Welt», sagte der Swatch-Chef. Insbesondere die Wechselkursentwicklung dürfte die Erträge von Swatch begünstigen. So haben sich sowohl der amerikanische Dollar, wie auch der chinesische Renmimbi nach dem Frankenschock wieder stark aufgewertet. Im letzten Jahr kletterte der Umsatz des Konzerns auf 9,2 Milliarden Franken. Der Konzerngewinn lag bei 1,46 Milliarden. (sda/sas)

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