Le Petit Prince Zürich: Nickerchen im Club führt zu blutiger Schlägerei

Aktualisiert

Le Petit Prince ZürichNickerchen im Club führt zu blutiger Schlägerei

Im Club Le Petit Prince hat ein Chef einen betrunkenen, dösenden Gast geweckt und zurechtgewiesen. Der reagierte darauf mit «Schwanzlutscher» – dann flogen die Fäuste.

von
A. Szenogrady
Zur Prüglerei kam es im Januar 2013 im Le Petit Prince - hier eine Aufnahme von 2010.

Zur Prüglerei kam es im Januar 2013 im Le Petit Prince - hier eine Aufnahme von 2010.

Angefangen hat alles ganz harmlos. In der Nacht auf den 13. Januar 2013 ging im Club Le Petit Prince am Bleicherweg in Zürich eine fröhliche Geburtstagsparty über die Bühne. Mit dabei war auch ein heute 35-jähriger Mitarbeiter eines grossen Chemieunternehmens.

Der Teilzeitangestellte hatte als Student seine letzten Schulprüfungen abgeschlossen und feierte schon seit dem Mittag in feuchtfröhlicher Stimmung. Eine Stunde nach Mitternacht schlief er mit über drei Promille Alkohol im Blut an seinem Tisch ein. Zum Unwillen eines damaligen Geschäftsführers, der den eingenickten Gast als Penner empfand, aufweckte und zurechtwies.

Kniff in die Brustwarze

Der unsanft geweckte Gast reagierte darauf sehr gereizt und stellte sich dem Lokalbetreiber in den Weg. Dann beschimpfte er den Gastronomen als «Schwanzlutscher», kniff diesem in die linke Brustwarze und versetzte ihm mit der Faust einen heftigen Schlag gegen das Gesicht.

Der Geschäftsführer ging sogleich zum Gegenangriff über und brachte den renitenten Gast zu Boden. Dann griff der zweite damalige Clubbetreiber ein und schlug auf den betrunkenen Mann ein. Schon kurz darauf prügelten und traten mehrere Personen auf den Geschädigten ein. Dieser wachte kurz darauf mit einem erheblichen Schädel-Hirn-Trauma, Augenverletzungen und einem gebrochenen Nasenbein im Hinterhof des Lokals auf. Worauf er die Polizei einschaltete.

Freisprüche abgeschmettert

Am Mittwoch mussten sich die früheren Clubbetreiber sowie der Gast am Zürcher Obergericht verantworten. Alle drei Personen wollten Freisprüche erreichen. Vergebens. Aufgrund von diversen belastenden Zeugenaussagen folgten die Oberrichter im Wesentlichen einem erstinstanzlichen Urteil des Bezirksgerichts Zürich und verurteilten alle Beteiligten wegen Raufhandels.

Der ältere, 58-jährige Geschäftsführer kassierte eine bedingte Geldstrafe von 300 Tagessätzen zu 80 Franken, also 24'000 Franken bedingt. Sein jüngerer Berufskollege erhielt 240 Tagessätze zu 30 Franken bedingt.

Am mildesten kam der spitalreif geprügelte Gast davon. Der mittellose Student wurde zu 20 Tagessätzen zu zehn Franken verurteilt. Zudem wurden die beiden Gastronomen gemeinsam verpflichtet, dem Privatkläger ein ansehnliches Schmerzensgeld von 10'000 Franken zu entrichten. Über einen allfälligen Schadenersatz soll noch ein Zivilrichter entscheiden.

Nicht mehr die gleichen Betreiber

Le Petit Prince ging per April 2014 in neue Hände über. Dabei haben der Inhaber, der Geschäftsführer und die Belegschaft gewechselt. «Das neue Le-Petit-Prince-Team distanziert sich von diesem bedauerlichen Vorfall», betonen die heutigen Betreiber in einer Mitteilung.

Allerdings: Einer der verurteilten Ex-Chefs, der 58-Jährige, ist nach wie vor als Berater für den Club tätig – und erhält dafür ein Honorar. Das hat er während der Gerichtsverhandlung so ausgesagt.

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