So oft solltest du ein Kleidungsstück tragen, damit es sich rentiert
Weniger Fehlkäufe machen nicht nur dich, sondern auch die Umwelt glücklich.

Weniger Fehlkäufe machen nicht nur dich, sondern auch die Umwelt glücklich.

Pexels/Jeric Delos Angeles
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NachhaltigkeitNie mehr Fehlkäufe – dank diesen zwei einfachen Fragen

In einem Tiktok-Video erklärt Unternehmerin und Bloggerin Dariadaria die goldene Regel für neue Kleidungsstücke. Wir erklären dir, wie sie funktioniert.

von
Johanna Senn

So schnell ist es passiert: Du shoppst in einem Kleiderladen und – zack – wandert ein Teil in den Einkaufskorb und deinen Besitz, das sich später als Fehlkauf entpuppt. Diese Angewohnheit kann nicht nur teuer werden, sie ist auch für die Umwelt schädlich. Die Wiener Unternehmerin und Bloggerin Dariadaria hat auf Tiktok einen Trick vorgestellt, wie du diesem Dilemma vorbeugen kannst.

5/30-Regel

Damit sich der Kauf eines Kleidungsstücks lohnt, solltest du die Zahl fünf im Hinterkopf behalten: «Wenn du etwas Neues kaufst, denk darüber nach, wie viele Outfits du mit diesem neuen Stück zusammenstellen könntest. Wenn dir fünf Kombinationen einfallen, ist es vermutlich ein guter Kauf», erklärt Madeleine Alizadeh, wie Dariadaria mit bürgerlichem Namen heisst, auf der Plattform.

«Die zweite Nummer, an die du dich erinnern solltest, ist 30. Hast du ein Stück mindestens 30 Mal getragen? Nur dann ist es nachhaltig», weiss die 32-Jährige, die ihr eigenes Modelabel Dariadéh gegründet hat. Mit Dariadéh hat Alizadeh sich auf nachhaltige und fair produzierte Mode spezialisiert, die auch grösseninklusiv ist. Das Label der Wienerin wurde kürzlich auch von der deutschen «Vogue» gelobt.

Das steckt hinter der 5er-Regel

Die fünf verschiedenen Outfits sollten dir in den Sinn kommen ohne, dass du dir dabei schier den Kopf zerbrichst. «Meiner Meinung nach sollten es ausserdem fünf unterschiedliche Arten von Outfits sein, also nicht fünf Mal eine Jeans in unterschiedlichen Farben», sagt Tanja Erskine. Sie ist nachhaltige Stylistin in Zürich und weiss genau, wie man seinen Kleidereinkauf nachhaltiger gestaltet.

Die Stylistin erklärt die 5er-Regel am Beispiel von chunky Loafers: «Diese kannst du zu Plisseejupe mit Rollkragen und Socken, Maxikleid mit Socken sowie Anzugshose mit Sweater tragen.» Stehst du also zum Beispiel vor einem Glitzerkleid, das du höchstwahrscheinlich nur zu Heels (und wenn wir ehrlich sind meist nur zu Silvester) tragen wirst, solltest du vielleicht eher vom Kauf absehen.

«Es geht darum sicherzustellen, dass du das Stück dann auch oft tragen kannst und es nicht abhängig ist von einer einzigen Kombination», so die Stylistin. «Im schlimmsten Fall musst du sogar extra etwas Neues kaufen, das dann mit dem Stück kombinierbar wäre.»

Nachhaltiger shoppen – Stylistin Tanja Erskine erklärt wie

Tanja Erskine

Tanja Erskine ist nachhaltige Stylistin bei Ethics meet Aesthetics und Gründerin des Secondhand-Shops Orb-it. Sie verrät dir, welche Fragen du dir vor dem Kauf eines neuen Kleidungsstücks stellen solltest.

1. Wie lässt sich das Stück in den verschiedenen Saisons stylen? Also: Kann ich unter dem Shirt einen Rollkragen tragen oder eine Strickweste drüber kombinieren? Kann ich das Kleid mit Strümpfen und Lederjacke in den Winter mitnehmen? Ein Blazer funktioniert zum Beispiel im Sommer zu T-Shirt, weiten Jeans und Sneakers und kann im Winter mit Rollkragen, Jeans und Doc Martens kombiniert werden.

2. Kann das Stück klassisch wie auch casual genutzt werden? Am Beispiel der hochgeschnittenen Wollhose, beziehungsweise der Anzughose könnte das so aussehen: Klassisch funktioniert der Look mit Strickpulli und Loafers. Casual wird das Outfit mit Sweatshirt, Sneakers und Bucket Hat.

3. Kann ich das Stück über oder unter anderen Kleidungsstücken stylen? Wie wärs beispielsweise mal mit dem Korsett über dem Rollkragen? Kann ich über dem Maxikleid noch eine dicke Strickweste tragen? Oder über den Trenchcoat eine dicke Daunenweste? Auch hier gilt: Layering ist der Schlüssel! Oft vergessen wir Kombinationsmöglichkeiten, da für uns traditionellerweise gewisse Kleidungsstücke unter oder über die Schichten gehören – wenn wir diese «Regeln» mal vergessen und anfangen zu experimentieren, öffnen sich ganz viele neue Türen für spannende Kombis.

So rentiert sich dein Kleidungsstück

Die Idee, ein Kleidungsstück 30 Mal zu tragen, ist nicht neu. Sie wurde unter anderem auch schon einmal von Liva Firth in der Doku «The True Cost» thematisiert. Dabei geht es darum, dass man sich vor jedem Kauf die Frage stellt, ob man das Stück 30 Mal tragen wird oder in gewissen Fällen auch, ob es 30 Mal einen Waschgang überleben wird. Stylistin Tanja Erskine sagt dazu: «Die Hauptidee dahinter ist zu erkennen, ob es sich bei dem Stück um ein Trendstück handelt, das einem relativ schnell wieder verleiden wird oder ob es eine langfristige Anschaffung ist.»

Du willst deiner Garderobe neues Leben einhauchen? Tanja Erskines Schrank-Check gibts hier als Video.

Diese Technik ist eine gute Möglichkeit, seine Garderobe nachhaltiger zu gestalten, ohne dabei grosse Lebensveränderungen zu machen. Du musst einfach eine simple Frage ehrlich beantworten. Es gehe nicht nur darum, ob ein Kleidungsstück in Farbe und Form zu einem passt. «Gerade in der Nachhaltigkeitsbranche finde ich das eine wichtige Regel. Viele Konsumenten haben den Eindruck, dass nachhaltigere Kleider zu teuer sind», sagt Tanja Erskine. Sie erklärt: «Man muss sich immer die Cost-per-Wear anschauen, also die Kosteneffizienz eines Stücks. Wenn du ein Kleid eines Fast Fashion Anbieters für 50 Franken nur fünf Mal trägst, bevor du ein neues kaufst, dann kostet das Kleid durchschnittlich zehn Franken pro Tragen. Kaufst du aber ein Kleid von einem nachhaltigen Label für 240 Franken und trägst es 30 Mal, dann kostet das Kleid durchschnittlich nur acht Franken pro Tragen.» Ein solches Stück rentiert sich also mehr.

Für Stücke, die du nur einmal trägst, da sie für einen speziellen Anlass gedacht sind, rät unsere Expertin zu Secondhand. «Oder Ausleihen – da in solchen Fällen die Cost-per-Wear Rechnung nie aufgeht.»

Wie oft trägst du ein Kleidungsstück, bevor es in den Kleidersack wandert?

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