18.06.2020 02:59

Sexpartner umgebrachtNiederländer sticht sieben Mal auf Opfer ein und zieht ihm Sack über Kopf

Einem heute 42-jährigen Niederländer wird vorgeworfen, seinen Sexpartner in Lichtensteig SG brutal ermordet zu haben. Der Angeklagte soll das Opfer niedergestochen und mit einem Plastiksack erstickt haben. Nach der Tat flog er nach Thailand.

von
Michel Eggimann
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Der 62-jährige Fredy K. wurde Anfang Mai 2016 in Lichtensteig SG tot aufgefunden.

Der 62-jährige Fredy K. wurde Anfang Mai 2016 in Lichtensteig SG tot aufgefunden.

Archivbild
Er betrieb dort ein Museum für mechanische Musikgeräte und galt als Dorforiginal.

Er betrieb dort ein Museum für mechanische Musikgeräte und galt als Dorforiginal.

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Darum gehts

  • In Lichtensteig wurde 2016 ein Mann brutal ermordet.
  • Täter und Opfer lernten sich über eine Kontaktplattform kennen.
  • Die beiden hatten vor der Tat während Tagen täglich Sex.
  • Der 42-jährige Angeklagte ist Niederländer und wurde in Thailand verhaftet.
  • Am Donnerstag ist der Prozess vor dem Kreisgericht Toggenburg.

Laut Anklageschrift lernten sich Täter und Opfer einige Wochen vor der Tat über eine Internet-Kontaktplattform für homo-, bi- und transsexuelle Männer kennen. Im März 2016 weilte der Schweizer in Thailand und wohnte dort mit einem sogenannten Ladyboy zusammen. Er lud den Niederländer zu einem Besuch ein.

Der kam dieser Einladung nach und wohnte ein paar Tage bei den beiden. Dabei sei es «in unterschiedlichster Zusammensetzung zu sexuellen Begegnungen» gekommen, schreibt der Staatsanwalt. Sex sei überhaupt der Grund des Besuchs gewesen.

Täglich Sex gehabt

Auf erneute Einladung des Schweizers, der als Toggenburger Original bekannt war, kam der Niederländer laut Staatsanwalt im April 2016 nach Lichtensteig. Er habe mit dem Gastgeber in dessen kleiner Zweizimmerwohnung gewohnt. Sie hätten täglich Sex gehabt, so auch am Abend des 2. Mai.

Das Opfer habe den Niederländer dabei gebeten, «ihm die Achseln zu lecken, wie er das in diesen Tagen schon öfter gemacht habe, und danach noch seine Füsse abzulecken», steht in der Anklageschrift. Der Angeklagte sei daraufhin in die Küche gegangen, um einen Schluck Wasser zu trinken. Mit einem Küchenmesser kam er demnach ins Wohnzimmer zurück und stach auf den Schweizer ein. Dieser wehrte sich vergeblich. Schreien konnte der 62-Jährige nicht, weil ihm der Jüngere den Mund zuhielt.

Plastiksack über Kopf gezogen

Das Opfer erlitt sieben teils tödliche Stichverletzungen am Körper und mehrere Abwehrverletzungen an Händen und Armen. Nach der Attacke habe der Messerstecher das Gefühl gehabt, der andere atme noch, schreibt die Staatsanwaltschaft weiter. Er habe ihm deshalb einen Plastiksack über den Kopf gezogen.

Nachdem er sich ein Weilchen ausgeruht habe, habe er den Körper des 62-Jährigen am Boden entlang ins Schlafzimmer geschleift. Dabei habe er ein Körpergeräusch gehört und gedacht, dass der Mann immer noch lebe, und mit dem nächstbesten spitzen Gegenstand erneut auf ihn eingestochen. Dann versteckte er die Leiche unter dem Bett und stellte als Sichtschutz Tragtaschen davor.

Der Ankläger beschreibt ein umsichtiges Nachtatverhalten: Der Mann wischte – so gut es ging – die Blutspuren weg, duschte und zog sich um. Dann suchte er in Schränken und Schubladen nach Geld- und Wertgegenständen. Er steckte über 8000 Franken in verschiedenen Währungen, eine Halskette und zwei Armbanduhren ein. Im Notebook des Opfers löschte er Nachrichten, die auf ihn zurückführen konnten. Zudem wusch der Angeklagte das Küchenmesser und legte es in die Besteckschublade zurück. Ihm wird demnach Mord und Raub vorgeworfen. Der 42-Jährige muss sich am Donnerstag vor dem Kreisgericht Toggenburg verantworten.

Mord

In der Anklageschrift steht, der Beschuldigte habe sich mit seinem Verhalten des Mordes gemäss Art. 112 StGB strafbar gemacht, begangen dadurch, dass er wissentlich und willentlich einen Menschen getötet und dabei besonders skrupellos gehandelt habe, namentlich sein Beweggrund, der Zweck und/oder die Art der Ausführung besonders verwerflich gewesen sei.

Rückflug nach Thailand

Im Internet schaute er nach dem Wegwischen der Spuren nach Taxi- und Zugverbindungen. Dann fuhr er mit dem Mercedes des Opfers zum Bahnhof Lichtensteig. Er parkierte, warf den Autoschlüssel weg und stieg in den Zug Richtung St. Gallen - St. Margrethen. Wenige Stunden später kaufte der Niederländer am Flughafen in München ein Ticket nach Bangkok und flog um 14.25 Uhr ab. Der mutmassliche Täter lebte damals in Thailand und Kombodscha.

Nach Auffinden der Leiche fiel der Verdacht rasch auf den Niederländer. Er wurde international zur Fahndung ausgeschrieben. Am 2. Juni wurde er in Thailand festgenommen und am 26. Januar 2017 an die Schweiz ausgeliefert. Seit Mai 2017 befindet er sich im vorzeitigen Strafvollzug. Die Strafanträge werden erst in der Verhandlung bekannt gegeben.

(SDA)

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