Aktualisiert 05.04.2010 20:12

BefreiungsaktionNiederländer überfallen Piraten

Die niederländische Marine hat eine spektakuläre Kommandoaktion zur Befreiung eines deutschen Handelsschiffs unternommen.

Am Ostermontag gelang es der niederländischen Marine ein deutsches Schiff mitsamt 13 Mann Besatzung aus den Händen somalischer Piraten zu befreien. Die «MV Taipan» war kurz zuvor östlich der somalischen Küste auf dem Weg von Kenias Hafenstadt Mombasa nach Dschibuti von Piraten angegriffen worden.

Als klar war, dass das Schiff den Booten der Seeräuber nicht entkommen konnte und die Piraten die «Taipan» enterten, folgte die Besatzung den Ratschlägen der EU-Marinemission Atalanta und stellte alle Maschinen ab, um das Schiff manövrierunfähig zu machen. Gleichzeitig alarmierte sie die im Golf von Aden patrouillierenden Kriegsschiffe, ehe sie sich in einem Sicherheitsraum des Schiffes verschanzte.

Die Führung der niederländischen Fregatte «Tromp's Lynx», die sich in der Nähe des Überfallorts befand, versuchte zunächst, mit den Piraten zu verhandeln, teilte Atalanta mit. Da die Piraten aber Widerstand leisten wollten, entschloss sich die Einsatzleitung zur gewaltsamen Befreiung des Schiffes.

Kommando seilt sich auf Schiff ab

Zuerst beschoss ein Marinehelikopter die Brücke des entführten Schiffes. Danach seilte sich eine Kommandoeinheit auf das Schiff ab und brachte es unter Kontrolle. Bei Schusswechseln mit den Piraten wurde ein holländischer Marinesoldat verletzt. Zehn Piraten wurden festgenommen.

Trotz Schäden an der Brücke habe das deutsche Containerschiff seine Fahrt fortsetzen können, hiess es in einer Mitteilung des niederländischen Verteidigungsministeriums. Die Mannschaft der «Taipan» blieb unverletzt. Die Crew besteht aus zwei Deutschen, drei Russen und acht Sri Lankern. Das Containerschiff fährt unter deutscher Fahne und ist auf die in Hamburg ansässige Komrowski Gruppe registriert.

Öltanker gekapert

Erst am Osterwochenende hatten somalische Piraten im Indischen Ozean den südkoreanischen Öltanker «Samho Dream» gekapert (20 Minuten Online berichtete). Ein Kriegsschiff der südkoreanischen Marine hat Medienberichten zufolge die Verfolgung des Schiffes aufgenommen. (sda/dapd)

Lukratives Gewerbe für arme Somalier

Die Piraterie am Horn von Afrika ist eine Folge der Anarchie und Armut in Somalia. Ende 2009 hatten somalische Piraten dem International Maritime Bureau (IMB) zufolge mindestens zwölf Schiffe mit 263 Besatzungsmitgliedern in ihrer Gewalt.

Oft werden die Schiffe nach der Zahlung von Lösegeld wieder freigegeben. Anfang 2010 konnte der Öltanker «Maran Centaurus» mit seiner Besatzung nach der Zahlung einer Summe zwischen 5,5 und 7,0 Millionen Dollar wieder abfahren. Der unter griechischer Flagge fahrende Tanker war mit zwei Millionen Barrel Öl beladen und am 29. November 2009 entführt worden. (SDA)

EU-Mission Atalanta

Gegen die Piraten am Horn von Afrika ist seit Ende 2008 die EU-Mission «Atalanta» im Einsatz. Benannt ist sie nach der griechischen Sagengestalt Atalanta, einer Jägerin. Ihre wichtigste Aufgabe ist es, Lebensmittellieferungen des Welternährungsprogramms nach Somalia vor Piratenüberfällen zu schützen. Kommerzielle Frachter, die das gefährliche Seegebiet am Horn von Afrika durchqueren müssen, können «Atalanta» bei einem Angriff aber ebenfalls zu Hilfe rufen.

Die Zusammensetzung der Flotte wechselt ständig, weil viele Staaten nur für einige Monate dabei sind und danach von anderen Truppenstellern abgelöst werden. Die Kommandozentrale von «Atalanta» liegt im britischen Northwood, Oberbefehlshaber ist der britische Konteradmiral Peter Hudson. (AP)

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