Missglücktes Trainerdebüt: Niederlage, Versprecher und Krawattenknopf
Aktualisiert

Missglücktes TrainerdebütNiederlage, Versprecher und Krawattenknopf

Dem neuen FCB-Coach Heiko Vogel gelang die Premiere auf internationalem Parkett nicht nach Wunsch. Auch betreffend Geographie und modischem Accessoire besteht noch Nachholbedarf.

von
Eva Tedesco

Heiko Vogel nach seiner Trainer-Premiere in der Champions League. (Video: 20 Minuten Online)

Es war ein ungewohnter Anblick. Für einmal musste Heiko Vogel seine kurzen Sport-Hosen, die er als Assistent von Fink immer getragen hat, wenn er auf der FCB-Bank Platz genommen hat, gegen graue Hosen, einen dunkelblauen Sakko, Hemd und Krawatte tauschen. Sogar ein rotes Einstecktuch guckte aus der Brusttasche. «Uefa-Vorschrift», murmelte der Deutsche nur. Gewechselt hat Vogel auch seine Position beim FCB. Der ehemalige Assistent stand erstmals als Chefcoach ad interim auf der europäischen Fussballbühne in der Verantwortung.

Aber Vogel machte trotz Sonntagsstaat nicht auf Fink. Denn an den Erfolg seines ehemaligen Chefs, an das sensationelle 3:3-Remis in Manchester, konnte der neue Trainer am Dienstagabend nicht anknüpfen. Obwohl sein FCB gut gespielt hatte und gegen Benfica nicht chancenlos gewesen war, musste Vogel die erste Niederlage der Bebbi in der Gruppenphase hinnehmen. «Mit dem Spiel meiner Mannschaft bin ich sehr zufrieden – mit dem Ergebnis nicht», fasste Vogel seine Premiere in der Königsklasse zusammen.

Benfica Grenzen aufgezeigt

Den Unterschied hat die Effizienz ausgemacht. Während die Rotblauen auf diesem Niveau fast fahrlässig Chancen ausliessen, schlug Benfica zu und machte aus seinen wenigen Möglichkeiten zwei Tore. «Benfica hat ein tolles Tor zur 1:0-Führung herausgespielt. Das 2:0 kam für sie zum richtigen Zeitpunkt, denn wir hätten sie sonst in die Bredouille gebracht.» Lobende Worte fand Vogel vor allem für die hohe Pace, die sein Team über die komplette Spielzeit gehen konnte. «Diesen Rhythmus muss man erst einmal über 90 Minuten – es waren diesmal sogar fast 97 Minuten – mitgehen können. Wir haben sie vor allem in der Schlussviertelstunde physisch und auch spielerisch an die Grenzen gebracht», so Vogel nicht ohne Stolz.

Die Grenzen wurden aber auch dem FCB aufgezeigt – zumindest was die Tabellenposition anbelangt. Bei Halbzeit der Gruppenphase steht Rotblau mit vier Punkten auf Platz 3, hinter dem neuen Leader Benfica und Manchester United, das gegen Galati 2:0 gewonnen hat. Der Traum vom europäischen Exploit mit dem Einzug in die CL-Achtelfinals ist der Ernüchterung gewichen. «Das Ziel wurde nach dem 3:3 in Manchester nicht von uns nach oben korrigiert», stellt Vogel richtig, «unser Ziel war immer, dass wir europäisch überwintern wollen. Wenn es dann in der Champions League sein sollte, wäre das ein absolut überragendes Ereignis. Aber in unserem Fokus ist und bleibt die Europa League.»

Weiterer Exploit à la Manchester vonnöten

Für das «absolut überragende Ereignis», wie es der Basler Interims-Coach formulierte, braucht es neben einem Pflichtsieg auswärts gegen Galati noch einen weiteren Exploit à la Manchester. Die Chance dazu bietet sich den Rotblauen entweder in zwei Wochen im Rückspiel in Lissabon oder im letzten Gruppenspiel zu Hause gegen die «Roten Teufel» von Sir Alex Ferguson. «Wir fahren bestimmt nicht nach Bonn ...», sagt Vogel und bricht ob seinem Versprecher an der Medienkonferenz selbst in Gelächter aus und korrigiert seine Abkürzung sofort. «Wir fahren bestimmt nicht nach Lissabon», setzt er langsam noch einmal an, «um Punkte dort zu lassen. Unser Ziel wird sich nicht ändern: Wir wollen jedes Spiel gewinnen, das liegt nun mal im Naturell der Spieler und in der Natur von jedem Sportler. Deshalb ist unser Ziel mit Sicherheit, auch in Lissabon zu punkten.»

Und bis dahin wird Vogel wohl auch den Krawattenknopf beherrschen. Denn der etwas zu kurz geratene Binder sei nicht auf seinem Mist gewachsen, gab Vogel lachend zu, der sich in Sportklamotten sichtlich wohler fühlt. Wer den Schlips «verbrochen» hat, verriet der FCB-Trainer indes nicht.

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