Handystrahlung: Mobilfunkgegner kritisieren mangelnde Kontrolle

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MobilfunkRisiko Handystrahlung – niemand schaut hin

Mobilfunkgegner kritisieren, dass es keine Schweizer Aufsichtsstelle gibt, die Handystrahlungen kontrolliert. Inzwischen wurde eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen. 

von
Dominik Fischer
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Viele Smartphones strahlen stärker als vom Hersteller angegeben. 

Viele Smartphones strahlen stärker als vom Hersteller angegeben. 

20min/Celia Nogler
Doch in der Schweiz gibt es für die nicht ionisierende Strahlung (NIS) von Smartphones bislang keine Aufsichtsstelle.

Doch in der Schweiz gibt es für die nicht ionisierende Strahlung (NIS) von Smartphones bislang keine Aufsichtsstelle.

20min/Michael Scherrer
Mobilfunkgegner richten nun Forderungen an die Schweizer Regierung. 

Mobilfunkgegner richten nun Forderungen an die Schweizer Regierung. 

20min/Simon Glauser

Darum gehts

  • In Frankreich strahlen neun von zehn Smartphones stärker als vom Hersteller angegeben.  

  • In der Schweiz wird die Smartphone-Strahlung bislang nicht unabhängig überprüft. 

  • Das könnte sich nun ändern: Der Bund hat eine Arbeitsgruppe zum Thema ins Leben gerufen. 

In der Schweiz gibt es keine Aufsichtsstelle, die kontrolliert, ob die Hersteller die gesetzlichen Normen für Handystrahlung einhalten. Dagegen richtet sich nun der Widerstand der Mobilfunkgegner, wie der «Tages-Anzeiger» berichtet. Diese kritisieren, dass in der Schweiz ausschliesslich die Handy-Produzenten für die Sicherheit der Geräte zuständig sind.

Samsung und Xiaomi verstiessen gegen Grenzwerte

Viel konsequenter agiert der Staat laut dem Bericht hingegen beispielsweise in Frankreich. Hier kontrolliert die Agence Nationale des Fréquences (ANFR), ob Smartphones innerhalb der vorgeschriebenen Grenzwerte für Strahlung liegen, und kann bei Verstössen Strafen verhängen. So hätten unter anderem Geräte von Samsung und Xiaomi gegen die Vorlagen verstossen.

Die französische Organisation Alerte Phonegate war es auch, die bereits im Jahr 2019 beim Eidgenössischen Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) diesbezüglich anfragte. Der Verein will europaweit auf «die Gefahren des Mobiltelefons und von 5G» aufmerksam machen.

Eine Reaktion des UVEK kam gemäss der Organisation jedoch erst nach drei Jahren im Dezember 2022. Die Antwort: Es gebe keine zuständige Marktüberwachungsbehörde für die nicht ionisierende Strahlung (NIS). Diese Strahlung geht von Smartphones aus, aber auch von UV-Licht-Lampen und kosmetischen Lasern.

Sorgst du dich wegen Handystrahlung?

Gesundheitliche Auswirkungen der Strahlung sind unklar

Der Verein Alerte Phonegate wurde im Jahr 2015 vom französischen Arzt und Unternehmer Marc Arazi gegründet, nachdem öffentlich geworden war, dass in Frankreich neun von zehn Smartphones stärker strahlten als von den Herstellern angegeben. Nun richtet er seine Forderungen auch an die Schweizer Regierung. Gemäss Informationen des «Tages-Anzeigers» wurde inzwischen unter Leitung des Bundesamts für Gesundheit (BAG) eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen.

Auslöser dafür sei jedoch nicht die Anfrage aus Frankreich gewesen, sondern zwei Interpellationen der SP-Nationalrätinnen Silvia Semadeni und Martina Munz aus dem Jahr 2019, in denen sie fragten, inwiefern der Staat die Bevölkerung über die Risiken von Handystrahlung aufkläre. In einem Faktenblatt zur Handystrahlung schrieb das BAG: «Bezüglich gesundheitlicher Auswirkungen bei langfristiger Belastung durch hochfrequente Strahlung von Mobiltelefonen bestehen noch Unsicherheiten, kurzfristige negative gesundheitliche Auswirkungen sind keine zu erwarten.» 

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