Texas im Kälteschock: «Niemand schuldet euch irgendwas» – sagt US-Bürgermeister zu Kälteopfern
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Texas im Kälteschock«Niemand schuldet euch irgendwas» – sagt US-Bürgermeister zu Kälteopfern

Die Lage nach dem Wintersturm Uri bleibt in Texas dramatisch. Schnee und Eis bringen die Energieversorger an ihre Grenzen, mittlerweile sind auch etliche Wasseranlagen betroffen. Beim Versuch, sich vor der klirrenden Kälte zu schützen, starben mindestens 37 Menschen.

In Fort Worth, Texas, war es seit 72 Jahren nicht mehr so kalt.

In Fort Worth, Texas, war es seit 72 Jahren nicht mehr so kalt.

AFP
Wintersturm Uri wütet in Texas, das kaum auf Temperaturen um den Gefrierpunkt ausgelegt ist. Auch für den heutigen Donnerstag sind eisige Temperaturen vorausgesagt.

Wintersturm Uri wütet in Texas, das kaum auf Temperaturen um den Gefrierpunkt ausgelegt ist. Auch für den heutigen Donnerstag sind eisige Temperaturen vorausgesagt.

AFP

Nach den schweren Winterstürmen in den USA sind immer noch hunderttausende Menschen von der Stromversorgung abgeschnitten: Allein in Texas waren am Donnerstagvormittag (MEZ) noch über 600’000 Haushalte ohne Strom, so «poweroutage.us». Demnach sind auch die Nachbarstaaten Mississippi und Louisiana im Süden sowie Oregon im Nordwesten des Landes von Stromausfällen betroffen.

In Pflugerville, Texas, versucht Brett Archibad seine Familie warm zu halten. 

In Pflugerville, Texas, versucht Brett Archibad seine Familie warm zu halten.

via REUTERS

Am Mittwoch hatten in Texas noch gut drei Millionen Haushalte im Dunkeln gesessen. In Houston warnte die Polizei am Donnerstagmorgen vor Ampelausfällen.

Karla Perez und Esperanza Gonzalez harren ohne Heizung in ihrer Wohnung in Houston, Texas aus.  

Karla Perez und Esperanza Gonzalez harren ohne Heizung in ihrer Wohnung in Houston, Texas aus.

AFP

Nach einem Bericht des Senders CNN sind in den USA bereits mindestens 37 Menschen infolge des Winterwetters ums Leben gekommen, andere Medien nannten niedrigere Zahlen. Wetterwarnungen reichten von Texas bis nach Neuengland im Nordosten der USA. In den betroffenen Gebieten leben mehr als 100 Millionen Menschen.

Dabei gilt der Bundesstaat als das Öl- und Gaszentrum  des Landes (Hilfestellung in Round Rock, Texas). 

Dabei gilt der Bundesstaat als das Öl- und Gaszentrum des Landes (Hilfestellung in Round Rock, Texas).

AFP

In etwa 560’000 Haushalten und Geschäften blieb am Donnerstag das Licht aus, und sieben Millionen Einwohner wurden angewiesen, Leitungswasser vor dem Trinken abzukochen. Heftige Kritik regte sich in Texas auch am Netzwerkbetreiber ERCOT. Gouverneur Greg Abbott forderte laut «Washington Post» den Rücktritt von dessen Führungsmannschaft.

Der Stromausfall tangierte auch die Wasserversorgung: Rund 260’000 Bewohner des Bundesstaates hatten gar kein fliessendes Wasser mehr. In Abilene, Texas, hamsterten die Menschen Wasser im Supermarkt, nachdem die Stadt bekannt gegeben hatte, Wasser fliesse nur noch zwei bis drei Stunden.  

Der Stromausfall tangierte auch die Wasserversorgung: Rund 260’000 Bewohner des Bundesstaates hatten gar kein fliessendes Wasser mehr. In Abilene, Texas, hamsterten die Menschen Wasser im Supermarkt, nachdem die Stadt bekannt gegeben hatte, Wasser fliesse nur noch zwei bis drei Stunden.

via REUTERS
Die Supermärkte waren vielerorts leergekauft, wie etwa hier in Austin. Wegen des Wetters konnten mancherorts keine Waren nachgeliefert werden.

Die Supermärkte waren vielerorts leergekauft, wie etwa hier in Austin. Wegen des Wetters konnten mancherorts keine Waren nachgeliefert werden.

via REUTERS
Nena Mamu wirft gekühlte und gefrorene Esswaren weg,  nachdem auch bei ihr daheim  in Hutto, Texas, der Strom ausgefallen war.

Nena Mamu wirft gekühlte und gefrorene Esswaren weg, nachdem auch bei ihr daheim in Hutto, Texas, der Strom ausgefallen war.

via REUTERS
Die Nachfrage nach Take-away-Essen stieg, wie sich an der Schlange vor einem Burger King in Houston zeigte.

Die Nachfrage nach Take-away-Essen stieg, wie sich an der Schlange vor einem Burger King in Houston zeigte.

REUTERS

Insgesamt 300 «Aufwärmzentren» wurden in dem Bundesstaat eingerichtet. In Houston zeigte sich ein Möbelladen solidarisch und liess Menschen, die von den Stromausfällen betroffen waren, in seinen Verkaufsräumen unterkommen:

Tiffany Woodley ruht sich auf einem der Betten von «Gallery Furniture» aus.

Tiffany Woodley ruht sich auf einem der Betten von «Gallery Furniture» aus.

REUTERS

Die ungewohnte Kälte macht nicht nur den Menschen, sondern auch den Tieren zu schaffen. So kam es an der texanischen Küste zu einer ungewöhnlichen Rettungsaktion: Wohl wegen der kalten Wassertemperaturen waren hier tausende Schildkröten angespült worden. Die 4700 Tiere wärmen sich jetzt in einer Auffangstation South Padre Island, bis die Temperaturen wieder steigen.

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Für mindestens zwölf Affen von «Primarily Primates» – ein Gnadenhof für Tiere, die zu Forschungs- oder Unterhaltungszwecken benutzt und ausgebeutet werden – gab es hingegen kein Happy End. Nachdem der Strom in San Antonio ausgefallen war, versuchten die Mitarbeiter des rund 280 Quadratmeter grossen Gnadenhofs zunächst, die Tiere mithilfe von Generatoren, Heizungen und Decken warm zu halten. Als die Temperaturen mit Einbruch der Nacht erneut sanken, begannen die Helfer, einige der hunderten von Tieren andernorts in Sicherheit zu bringen, darunter im Zoo der Millionenstadt. Als die Mitarbeiter begannen, die Tiere für den Transport vorzubereiten, fanden sie auf dem Gelände einige, die bereits verendet waren.

Bevor sie etwa in den Zoo von San Antonio gebracht werden konnten, erfroren ein Schimpanse, Lemuren und verschiedene andere Affenarten aus dem Gnadenhof «Primarily Primates»» (Symbolbild)

Bevor sie etwa in den Zoo von San Antonio gebracht werden konnten, erfroren ein Schimpanse, Lemuren und verschiedene andere Affenarten aus dem Gnadenhof «Primarily Primates»» (Symbolbild)

REUTERS

«Ich habe noch nie vor einer solchen Entscheidung gestanden», sagte Geschäftsführerin Brooke Chavez der Zeitung «San Antonio Express-News». Die Auswahl der Tiere sei davon abhängig gewesen, welche Aussicht bestand, sie einzufangen. «Ich hätte nie gedacht, dass sich mein Büro in eine Leichenkammer verwandeln würde, aber das ist nun passiert.» Die genaue Zahl der toten Tiere könne vermutlich erst dann ermittelt werden, wenn es wärmer werde und der Schnee schmelze.

Angesichts des grossen Leids und der harten Entbehrungen kamen die Worte eines Bürgermeisters aus der Ortschaft Colorado City ganz und gar nicht gut an: «Niemand schuldet deiner Familie irgendwas; es ist auch nicht die Aufgabe deiner Lokalregierung, dich in diesen Zeiten zu unterstützen!», hatte Tom Boyd auf Facebook geschrieben. Mittlerweile ist er von seinem Amt zurückgetreten.

Screenshot FB
(AFP/gux)

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