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Digitale WährungNiemand will Bitcoins, aber Zug profitiert dennoch

Seit Sommer kann man im Zuger Stadthaus mit Bitcoins bezahlen: Ein Angebot, das kaum benutzt wird, aber für die Stadt Zug trotzdem Gold wert ist.

von
mme

Es war ein echter Coup, den die Stadt Zug im Sommer landen konnte: Die Ankündigung, dass ab 1. Juli an den Schaltern der Einwohnerkontrolle mit der digitalen Währung Bitcoins bezahlt werden kann. Nun zieht der Stadtrat Bilanz: Zwar haben seit Juli nur zwölf Kunden tatsächlich mit Bitcoins ihre Rechnungen beglichen.

Aber: «Für die Stadtverwaltung hat es sich trotzdem gelohnt», heisst es in einer Mitteilung vom Donnerstag. Stadtpräsident Dolfi Müller sagt: «Es war für uns eine wichtige Erfahrung, die Technologie für Bitcoin-Zahlungen zu installieren und zu testen. Wir konnten ein Zeichen setzen gegenüber den Fin-Tech-Unternehmen in Zug und zum Ausdruck bringen, dass sie hier willkommen sind. Damit haben wir ein unglaubliches internationales Medienecho ausgelöst, das bis letzte Woche anhielt.» Deshalb wurde am Mittwoch beschlossen, die Bezahlung mit Bitcoins nun dauerhaft anzubieten.

«Crypto Valley in den Alpen»

Tatsächlich war das Medienecho gewaltig: Die «New York Post» etwa berichtete darüber. «Die Schweizer Stadt, die sich als Hub für die digitale Währungsbranche einsetzt, wird Bitcoin akzeptieren», hiess es im Artikel. Damit sei Zug die weltweit erste Behörde, die dies anbiete. Auch die «Deutsche Welle» berichtete, man schickte sogar einen Reporter vor Ort, der für ein Video einige Zuger befragte, was sie von Bitcoins halten. Im Artikel wurde Zug als «Crypto Valley in den Alpen» bezeichnet. Bild.de berichtete ähnlich: «Mit Blick auf das Silicon Valley in Kalifornien wird Zug bereits Crypto Valley genannt – in Anlehnung an den Begriffs Kryptowährung für digitale Zahlungsmittel.» Etliche renommierte, internationale Nachrichtenportale berichteten ebenfalls, etwa die «Frankfurter Allgemeine», «Stern», «Financial Times», «New York Times», Forbes, n-tv oder CNN.

«In Zug denken die Leute über den Tellerrand hinaus»

Stadtpräsident Dolfi Müller freut sich über die weltweite Berichterstattung: «Wir konnten hier eine positive Botschaft in die Welt hinaus senden, nämlich die, dass die Leute in Zug über den Tellerrand hinausdenken.» Er räumt auch ein, dass es auch ein bisschen mit Glück verbunden war, «dass gerade wir die erste staatliche Institution waren, die Bitcoins akzeptiert hat».

«Angebot hat grossen symbolischen Wert»

Zum Umstand, dass die Nachfrage nach Bitcoin-Zahlungen auf der Behörde gleich null ist, sagt Müller: «Dieses Angebot hat einen grossen symbolischen Effekt. Der Bitcoin-Markt ist zwar noch sehr klein. In Zug kann man nur bei einem Zahnarzt, bei einem Treuhändler und bei uns mit Bitcoin zahlen. Das ist noch zu wenig, aber irgendwann wird dieses Thema sehr spannend.» Die Grundbotschaft sei, dass in Zug Zukunftsthemen offen und positiv angegangen würden.

Zug will digital durchstarten

Für Müller ist es wichtig, dass sich Zug in dieser Hinsicht weiterentwickelt, «das mit den Bitcoins darf kein Strohfeuer gewesen sein». Deshalb wurde beschlossen, dass man auf weitere elektronische Zahlungsmittel setzen will. In der Mitteilung vom Donnerstag stünden Twint und ApplePay zur Diskussion, aber auch Anwendungen der Blockchain-Technologie würden geprüft. Und: Auch E-Government werde im Jahr 2017 ein zentrales Thema für die Stadtverwaltung sein.

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