A3 am Walensee: «Niemand wird als Geisterfahrer geboren»
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A3 am Walensee«Niemand wird als Geisterfahrer geboren»

Dank neuer Kameras auf der A3 am Walensee sollen Unfälle mit Geisterfahrern vermieden werden. Der Verkehr wird automatisch gewarnt und Fahrspuren werden gesperrt.

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taw
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Das neue Videosystem wird auf der A3 zwischen Murg SG und Walenstadt installiert.

Das neue Videosystem wird auf der A3 zwischen Murg SG und Walenstadt installiert.

Google Street View
Ihr wurde der Fahrausweis abgenommen.

Ihr wurde der Fahrausweis abgenommen.

Kapo SG
2016 hat die Kapo St. Gallen in dieser Region die meisten Geisterfahrer gemeldet. Wie hier eine 31-Jährige, die am 23. Mai vor dem Murgwaldtunnel von der Polizei angehalten wurde.

2016 hat die Kapo St. Gallen in dieser Region die meisten Geisterfahrer gemeldet. Wie hier eine 31-Jährige, die am 23. Mai vor dem Murgwaldtunnel von der Polizei angehalten wurde.

Kapo SG

Die Meldungen der Kantonspolizei St. Gallen bezüglich Geisterfahrern im Jahr 2016 stammen alle aus der Region Sarganserland. So wurde etwa am 15. Dezember 2016 in Walenstadt kurz nach 22.20 Uhr ein 33-jähriger Autofahrer auf der A3 angehalten, der in der falschen Fahrtrichtung unterwegs war. Ein Alkoholtest fiel positiv aus. Am 23. Mai hielt die Polizei eine 31-jährige Lenkerin auf der A3 vor dem Murgwaldtunnel an. Sie fuhr eine unbekannte Strecke als Geisterfahrerin auf dem Überholstreifen. Durch ihr Verhalten mussten mehrere unbeteiligte Autofahrer ausweichen oder stark abbremsen.

Wie Hanspeter Krüsi, Sprecher der Kapo St. Gallen, damals gegenüber 20 Minuten sagte, sind Meldungen von Geisterfahrern für die Polizei jedes Mal eine Herausforderung. Er betont jedoch: «Die Polizei fährt nie falsch. Wir versuchen, dem Geisterfahrer entgegen zu fahren, fahren ihm aber nie falsch nach.»

Verkehr warnen und Fahrspuren sperren

Die Autobahn zwischen Murg und Walenstadt führt durch mehrere Tunnels – im Fall eines Geisterfahrers besonders gefährlich, weil kaum eine Möglichkeit zum Ausweichen besteht. «Eine weitere Besonderheit ist die Tatsache, dass auf dieser Strecke, anders als im Durchschnitt auf Nationalstrassen, nicht alle fünf Kilometer eine Ausfahrt kommt», erklärt Thomas Rohrbach, Sprecher beim Bundesamt für Strassen (Astra).

Nun soll auf dieser Strecke ab Juli eine neue Videoüberwachung mit rund 110 Kameras in den Tunnels helfen, solche Geisterfahrer rasch zu erkennen, wie die «Schweiz am Sonntag» schreibt. Durch das System kann der Verkehr automatisch gewarnt und Fahrspuren gesperrt werden. Solche Kameras gibt es laut Rohrbach schon seit 20 Jahren – sie waren aber nicht in der Lage, Falschfahrer zweifelsfrei zu erkennen. «Die Kameras wurden durch äussere Einflüsse wie etwa Staub oder Nebel verwirrt.» Deshalb wurden auch nicht automatisch Massnahmen ausgelöst.

16 Tote in zehn Jahren

Laut Rohrbach gibt es jährlich rund 100 Meldungen in der ganzen Schweiz bezüglich Falschfahrern. «Egal aus welcher Quelle die Meldungen kommen, sie gehen direkt ungeprüft an Polizei und die Verkehrsinformation Viasuisse», so Rohrbach. Trotzdem kam es in den Jahren 2004 bis 2014 zu 161 Geisterfahrunfällen. Dabei wurden 64 Personen verletzt, 16 starben. «Geisterfahrunfälle sind eher selten, aber meist schwer», so Rohrbach.

Nur etwa die Hälfte der Falschfahrer fahre verkehrt auf die Autobahn ein, die andere Hälfte wende mitten auf der Fahrbahn. «Niemand wird als Geisterfahrer geboren», sagt Rohrbach. Ursache sei meist eine Ausnahmesituation wie eine momentane Verwirrung. Diese könne durch Alkohol, Medikamente oder Drogen ausgelöst worden sein, aber auch psychische Probleme könnten dafür verantwortlich sein.

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