Militärputsch in Myanmar: «Niemand wird kontrollieren können, was als Nächstes kommt»
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Militärputsch in Myanmar«Niemand wird kontrollieren können, was als Nächstes kommt»

Die internationale Gemeinschaft reagiert mit Bestürzung auf den Putsch in Myanmar. Grosse Sorgen macht Experten, dass es im Land tiefe ideologische Gräben gibt — und eine bis an die Zähne bewaffnete Bevölkerung.

von
Lucas Orellano
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Am Montag in Myanmar: Militärblockaden auf einer Strasse.

Am Montag in Myanmar: Militärblockaden auf einer Strasse.

AFP
Zahlreiche nationale und internationale Stimmen kritisieren den Militärputsch in Myanmar.

Zahlreiche nationale und internationale Stimmen kritisieren den Militärputsch in Myanmar.

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UN-Generalsekretär Antonio Guterres appellierte an die Armee, den Wahlausgang zu akzeptieren.

UN-Generalsekretär Antonio Guterres appellierte an die Armee, den Wahlausgang zu akzeptieren.

Michael Sohn/AP POOL/dpa

Darum gehts

  • Internationale Stimmen kritisieren den Militärputsch in Myanmar am Montag.

  • Die USA fordern die Einhaltung von demokratischen Prozessen, Australien ruft auf, das Gesetz zu respektieren.

  • Die Vereinten Nationen sprechen von einem schweren Schlag gegen die Demokratie.

Nach dem Militärputsch in Myanmar ist die internationale Bestürzung gross. US-Präsident Joe Biden sei bereits über die Situation ins Bild gesetzt worden, heisst es in einem offiziellen Statement seiner Sprecherin Jen Psaki. Die USA seien «alarmiert» über die Berichte aus Myanmar, schreibt das Weisse Haus.

«Die USA verurteilen jeden Versuch, das Resultat der kürzlichen Wahlen oder die demokratischen Prozesse zu untergraben.» Das Land werde Massnahmen gegen die Verantwortlichen einleiten, sollten diese Schritte nicht zurückgenommen werden. «Wir beobachten die Situation genau und stehen auf der Seite des burmesischen Volkes, das in seinem Kampf für Demokratie schon so viel hat durchmachen müssen.»

«Ein schwerer Schlag für die demokratischen Reformen»

Auch das australische Aussenministerium meldet sich in einem Statement. «Die australische Regierung ist tief besorgt über die Berichte, dass das Militär Myanmars erneut versucht, die Kontrolle im Land zu ergreifen. Wir rufen das Militär auf, das Gesetzt zu respektieren.» Alle unrechtmässig Verhafteten seien umgehend wieder freizulassen.

UN-Generalsekretär António Guterres verurteilt nach dem Militärputsch in Myanmar die Festsetzung von De-Facto-Regierungschefin Aung San Suu Kyi und anderen zivilen Führungspersönlichkeiten. Es beunruhige ihn, dass die Kontrolle der drei Staatsgewalten auf das Militär übergegangen sei. Diese Entwicklungen seien ein schwerer Schlag für die demokratischen Reformen in Myanmar, sagte UN-Sprecher Stéphane Dujarric.

Der Historiker und Autor Thant Myint-U schreibt auf Twitter: «Die Türen zu einer ganz anderen Zukunft haben sich gerade geöffnet. Ich habe das bange Gefühl, dass niemand wird kontrollieren kommen, was als Nächstes kommt. Und denkt daran, Myanmar ist ein von Waffen überschwemmtes Land mit tiefen Gräben entlang ethnischen und religiösen Ländern, wo sich Millionen kaum ernähren können.»

«Niederschmetternde Neuigkeiten über einen Putsch in Myanmar», schreibt die Menschenrechtsorganisation Burma Campaign UK. «Dem muss mit der härtesten internationalen Antwort begegnet werden. Dem Militär muss klargemacht werden, dass es sich grob verrechnet hat, wenn es denkt, dass es damit davonkommt.»

Tagelange Spannungen in Myanmar

Die Machtergreifung des Militärs kam für Experten indes nicht überraschend. Seit Tagen hatte es Gerüchte über einen bevorstehenden Militärputsch in dem südostasiatischen Land gegeben. In der Nacht zu Montag liess die Armeeführung schliesslich die frühere Freiheitsikone Aung San Suu Kyi sowie Staatspräsident Win Myint und weitere ranghohe Politiker auch kleinerer Parteien festsetzen. Das bestätigte Myo Nyunt, ein Sprecher von Suu Kyis Regierungspartei Nationale Liga für Demokratie (NLD), der Deutschen Presse-Agentur. Ob die Politiker festgenommen oder unter Hausarrest gestellt wurden, war zunächst unklar.

Zwischen der zivilen Regierung und dem mächtigen Militär hatte es seit längerem Spannungen gegeben wegen – bislang unbelegten – Vorwürfen des Wahlbetrugs bei der Parlamentswahl vom November. Die NLD hatte die Abstimmung klar gewonnen, das Militär weigerte sich jedoch, das Ergebnis anzuerkennen. Nach den ursprünglichen Planungen hätte das neue Parlament am Montag erstmals zusammenkommen sollen.

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(DPA)

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