Rüthi SG: «Niemand wusste, wie man Erste Hilfe leistet»

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Rüthi SG«Niemand wusste, wie man Erste Hilfe leistet»

Eine Frau reanimierte am Sonntagabend einen E-Bike-Fahrer. Der Mann stürzte in Rüthi SG in ein Bachbett. Seiner Retterin fiel auf, dass kaum ein Passant wusste, wie gehandelt werden muss.

von
Shannon Zangger
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Ein 64-jähriger Mann stürzte mit seinem E-Bike drei Meter in ein Bachbett. 

Ein 64-jähriger Mann stürzte mit seinem E-Bike drei Meter in ein Bachbett. 

Kantonspolizei St. Gallen
Als sie zu dem Mann rannte, spürte sie bei diesem keinen Puls mehr und das Gesicht des Mannes war blau angelaufen.

Als sie zu dem Mann rannte, spürte sie bei diesem keinen Puls mehr und das Gesicht des Mannes war blau angelaufen.

Google Maps
Die Samariter bieten diverse Aus- und Weiterbildungskurse für die erste Hilfeleistung an.

Die Samariter bieten diverse Aus- und Weiterbildungskurse für die erste Hilfeleistung an.

Samariter Schweiz

Darum gehts

  • Ein 64-jähriger Mann stürzte mit seinem E-Bike in ein drei Meter tiefes Bachbett.

  • Eine Frau reanimierte den Mann, bis die Rettungskräfte vor Ort waren und ihn mit der Rega ins Spital brachten.

  • Der Frau fiel auf, dass kaum eine Passantin oder ein Passant wusste, wie man sich zu verhalten hatte.

Ein 64-jähriger E-Bike-Lenker radelte vergangenen Sonntagabend im Zickzack einen kleinen Hang ins Bachbett an der Kanalstrasse in Rüthi SG herunter. «Ich rannte sofort zu ihm, um nachzusehen, was los war. Sein Gesicht lief blau an und ich wusste sofort, dass er keine Luft mehr bekam», so eine Frau zu 20 Minuten, die vor Ort war. Sie musste feststellen, dass kaum eine der Passantinnen und Passanten, die bereits um den Bewusstlosen herum standen, wussten, wie man helfen kann. «Ich begann sofort mit der Reanimation des Mannes.»

Die Frau koordinierte die Passantinnen und Passanten vor Ort. «Ich war die Einzige, die einen kühlen Kopf bewahren konnte. Ich wies eine Frau an, dass sie den Notruf wählen soll. Eine weitere Frau beatmete auf mein Kommando. Eine dritte Person hat die Rettung und die Rega zu uns hingewiesen. Nur so konnte der Mann schnell gerettet werden», sagt die Helferin zu 20 Minuten.

Schon drei Leben gerettet

Die Frau appelliert, dass man öfters an Nothelferkursen teilnehmen soll. «Wenn solche Kurse besucht werden, steigt das Selbstvertrauen, dass man in solchen Situationen helfen kann.» Der 64-jährige Mann war die dritte Person, der sie das Leben gerettet hat.

Die Kantonspolizei bestätigt gegenüber 20 Minuten, dass sich der Vorfall so zugetragen hat. «Ein 64-jähriger Mann stürzte vergangenen Sonntagabend circa drei Meter tief in ein Bachbett an der Kanalstrasse in Rüthi SG. Grund war ein medizinisches Problem. Beim Eintreffen der Rettungskräfte waren drei Passantinnen mit der Reanimation des Mannes beschäftigt», sagt Simon Anderhalden, Mediensprecher der Kantonspolizei St. Gallen.

«Vielen Personen fehlt das Know-how zur Ersten Hilfe»

«Leider hat es die Frau, die in diesem Fall Erste Hilfe geleistet hat, richtig erkannt», sagt Beat Brunner, Sprecher der Samariter Schweiz zu 20 Minuten: «Jede zweite Person in der Schweiz fühlt sich unsicher bei der Hilfeleistung in einem medizinischen Notfall.» Das habe eine Studie vom Schweizerischen Roten Kreuz aus dem Jahr 2020 festgestellt. «Um das Wissen aufzufrischen, empfehlen wir Samariter auch, sich in der Ersten Hilfe regelmässig aus- und weiterzubilden, um in einer Notfallsituation ruhig, bedacht und richtig helfen zu können», sagt Beat Brunner.

Wie leiste ich Erste Hilfe? Tipps vom Profi: 

Die Samariter Schweiz empfehlen, bevor man in einem Notfall konkret Erste Hilfe leistet, sollte man zuerst einen Schritt zurücktreten, durchatmen und Ruhe bewahren. Ganz nach dem Motto: Schauen, Denken, Handeln.

«Wenn Sie helfen, ist es wichtig, dass Sie sich nicht selbst in Gefahr bringen. Schauen Sie sich sowohl die grossräumige Umgebung des Unfalls wie auch die direkte Umgebung bei der verletzten Person genau an. Besteht zum Beispiel Gefahr durch nachfolgenden Verkehr oder könnte es beim Unfallopfer zu brennen beginnen? Erst wenn die Risiken minimiert und mögliche Gefahren entschärft wurden, sollte man sich der Person nähern und Erste Hilfe leisten», Beat Brunner, Sprecher der Samariter Schweiz.

«Ist die betroffene Person ansprechbar? Prüfe, ob die Person blutet oder Schmerzen hat und kontaktiere, wenn nötig, den Notruf 144», so Brunner. «Ist die betroffene Person bewusstlos, atmet aber erkennbar, sollte man die Person in eine stabile Seitenlage bringen und den Notruf 144 wählen.» Bis die Sanität eingetroffen ist, konstant die Atmung überprüfen. 

Ist die betroffene Person bewusstlos und atmet nicht, ist unverzüglich der Notruf 144 anzurufen. Anschliessend sollte man umgehend mit der Wiederbelebung beginnen. «Drücken Sie 30 Mal jeweils fünf bis sechs Zentimeter tief mit einer Frequenz von 100 bis 120 Mal pro Minute fest und schnell in die Brustkorbmitte, gefolgt von zwei Beatmungsstössen», sagt Brunner. Um den richtigen Rhythmus zu finden, hilft einem der Song «Stayin’ Alive» von den Bee Gees.

Man kann auch nur die Herzdruckmassage ohne Beatmung durchführen. Falls ein Defibrillator (AED) vorhanden ist, schaltet man das Gerät ein und befolgt die Sprachanweisungen. Auf den Klebeelektroden ist angegeben, wohin diese geklebt werden müssen.  

Hast du oder hat jemand, den du kennst, ein Trauma erlitten?

Hier findest du Hilfe:

Pro Mente Sana, Tel. 0848 800 858

Angehörige.ch, Beratung und Anlaufstellen

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

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