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Gesundheitskosten weltweitNiemand zahlt privat mehr drauf als die Schweizer

Laut einer Comparis-Studie über Krankenzusatzversicherungen zahlen Schweizer in puncto Gesundheitskosten weltweit am meisten aus der eigenen Tasche.

von
jdr
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Von den total 80 Milliarden Franken Gesundheitsausgaben zahlten die Schweizer 2016 ganze 24 Milliarden Franken direkt aus dem eigenen Portemonnaie.

Von den total 80 Milliarden Franken Gesundheitsausgaben zahlten die Schweizer 2016 ganze 24 Milliarden Franken direkt aus dem eigenen Portemonnaie.

Keystone/Gaetan Bally
Davon entfielen knapp ein Fünftel, nämlich 5,4 Milliarden Franken, auf für die Versicherer hochprofitable Zusatzversicherungsleistungen.

Davon entfielen knapp ein Fünftel, nämlich 5,4 Milliarden Franken, auf für die Versicherer hochprofitable Zusatzversicherungsleistungen.

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Etwa 3 Milliarden entfallen auf selbst bezahlte Arztleistungen. Bemerkenswert ist: Die durch die Grundversicherung gedeckten Arztleistungen machen demnach nur rund zwei Drittel der gesamten Arztkosten aus.

Etwa 3 Milliarden entfallen auf selbst bezahlte Arztleistungen. Bemerkenswert ist: Die durch die Grundversicherung gedeckten Arztleistungen machen demnach nur rund zwei Drittel der gesamten Arztkosten aus.

Keystone/Gaetan Bally

Grundversicherungsprämien bieten alljährlich Stoff für hitzige Diskussionen. Doch tatsächlich zahlen Schweizer Bürger privat fast ebenso viel an Gesundheitskosten. Und die Zahlungsbereitschaft ist gross.

Eine Studie im Auftrag des Vergleichsdienstes Comparis zeigt: Von den total 80 Milliarden Franken Gesundheitsausgaben zahlten die Schweizer 2016 ganze 24 Milliarden Franken direkt aus dem eigenen Portemonnaie. Davon entfielen knapp 20 Prozent (5,4 Milliarden Franken) auf für die Versicherer hochprofitable Zusatzversicherungsleistungen. Rund 80 Prozent entfielen auf freiwillige Selbstzahlungen.

Nur zwei Drittel der Kosten entfallen auf Grundversicherungsleistungen

In absoluten Zahlen betrachtet, steht die Schweiz damit zusammen mit den USA bezüglich den privat finanzierten Gesundheitsausgaben pro Kopf weltweit an der Spitze.

Seit 2012 wachsen die privaten Gesundheitsausgaben in der Schweiz etwa so wie die der Grundversicherung. Einen wesentlichen Teil (5,5 Milliarden Franken) machen Pensions- und Betreuungskosten in Pflegeheimen aus.

Weitere 3 Milliarden entfallen auf selbst bezahlte Arztleistungen. Bemerkenswert ist: Die durch die Grundversicherung gedeckten Arztleistungen machen demnach nur rund zwei Drittel der gesamten Arztkosten aus. Weitere 2,8 Milliarden Franken geben die Schweizer beim Zahnarzt aus und 1,6 Milliarden Franken für Medikamente.

Lukrative Zusatzversicherungen

Mit einem Anteil von rund 5,4 Milliarden Franken machten die Zusatzversicherungen 2016 rund 20 Prozent der privat finanzierten Gesundheitskosten aus. Dabei waren die Produkte für die Versicherungen deutlich lukrativer als für deren Kunden: Zwischen 2008 und 2016 sind die Prämieneinnahmen um 865 Millionen Franken auf 6,6 Milliarden Franken angewachsen. Die Schadenzahlungen haben demgegenüber nur um 353 Millionen Franken zugenommen (auf 4,7 Milliarden Franken). Das ergibt für die Branche ein sattes Plus von 512 Millionen Franken.

Besonders Produkte für den stationären Spitalaufenthalt erwiesen sich für die Versicherer als lukrativ. Hier zeigt sich im Gegensatz zur Grundversicherung die schwache Marktmacht der Kunden: Ab 50 können Versicherte praktisch nicht mehr wechseln.

Versicherer müssen innovativer werden

Doch nach Ansicht von Comparis-Krankenkassenexperte Felix Schneuwly neigen sich die rosigen Zeiten bei den Versicherern rasch dem Ende zu: «Die Prämieneinnahmen aus stationären Zusatzversicherungen werden heute zu einem erheblichen Teil für die Finanzierung eigentlicher Pflichtleistungen der Grundversicherung und für staatlich finanzierungspflichtige Aufgaben wie Lehre und Forschung verwendet. Die Finma will das nun unterbinden», so Schneuwly.

Durch die Ambulantisierung der Akutmedizin gerieten die klassischen Spitalzusatzversicherungen zudem unter Druck. Denn mit günstigeren Flex-Versicherungen entschieden die Versicherten von Fall zu Fall für oder gegen ein Upgrade in die halbprivate oder private Abteilung und sparten über die Jahre mehrere Zehntausend Franken.

Methodik

Pius Gyger hat für die Studie öffentlich zugängliche Daten der Versicherer, des Bundesamtes für Gesundheit (BAG), der Finanzmarktaufsicht (Finma) des Bundesamtes für Statistik (BFS) und der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) analysiert.

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