Nieren-Spende als TV-Show: Kein Verbot
Aktualisiert

Nieren-Spende als TV-Show: Kein Verbot

Die umstrittene TV-Show des niederländischen Senders BNN, in der sich drei kranke Kandidaten um die Spenderniere einer unheilbar kranken Patientin balgen, darf wie geplant gesendet werden.

Die niederländische Regierung hat heute Stellung zur «Grote Donorshow» («Grosse Spendershow») des TV-Senders BNN genommen, die am kommenden Freitag erstmals ausgestrahlt werden soll.

Die TV-Show, die von dem niederländischen Medienunternehmen Endemol («Big Brother», «Wer wird Millionär») produziert wird, ist auf empörte Kritik gestossen. Ein Parlamentsabgeordneter der Regierungspartei CDA, Joop Atsma, forderte ein Verbot der Sendung (20minuten.ch berichtete).

Unethisch, aber nicht illegal

Medien-Minister Ronald Plasterk (PvdA) bezeichnete die Show als «unangebracht» («niet gepast») und äusserte Bedenken wegen des «Wettbewerbscharakters» der Sendung, wie die niederländische Online-Zeitung Volkskrant.nl berichtet. Der Minister sieht aber keine Handhabe für ein Verbot; das Gesetz erlaube einen präventiven Eingriff in das Programm nicht. Plasterk will auch den Sender BNN nicht dazu aufrufen, freiwillig auf die Ausstrahlung der Spendershow zu verzichten, da er «Ansätze zur Selbstzensur als unerwünscht erachte».

Gesundheits-Minister Ab Klink (CDA) wies darauf hin, dass das Organspende-Gesetz eine Sendung wie die Grosse Spendershow nicht verbiete.

Allerdings könne, so liess Klink weiter verlauten, nur ein Organspender den Empfänger bestimmen, der zur Zeit der Organspende noch am Leben sei. Bei verstorbenen Spendern erhalte die Person das Organ, die zuoberst auf der Liste stehe.

Der PvdA-Abgeordnete Van Dam bezeichnete die Spendershow als «nicht ethisch», wies aber darauf hin, dass BNN bisher seriöse Sendungen über heikle Themen ausgestrahlt habe.

EU-Kommission: «Geschmacklos»

Die EU-Kommission hat den geplanten TV- Wettbewerb scharf kritisiert. «Es wirkt geschmacklos, über ein so ernstes Thema eine Reality-Show zu machen», sagte ein Sprecher.

EU-Gesundheitskommissar Markos Kyprianou werde am Mittwoch Vorschläge unterbreiten, wie Anzahl und Sicherheit von Organspenden in Europa erhöht werden könnten, erklärte der Sprecher heute.

Daniel Huber 20minuten.ch /SDA

«Grosse Spendershow»

In der TV-Show soll die 37-jährige, unheilbar kranke Lisa darüber entscheiden, welcher der drei Kandidaten ihre Nieren erhalten soll. Unterstützt in ihrer Entscheidung wird sie dabei von den Zuschauern, die ihr per SMS einen Kandidaten empfehlen können.

Der Sender BNN erklärt, er wolle mit der Show auf das Problem hinweisen, dass die Anzahl der Organspender stetig abnehme.

Bart de Graaff, der Gründer von BNN, war 2002 35-jährig an einem Nierenleiden gestorben.

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