Nigeria verbietet Werbung mit ausländischen Models

Ein Ausschnitt aus einer nigerianischen Guinness-Werbung.

Ein Ausschnitt aus einer nigerianischen Guinness-Werbung.

Instagram/guinnessngr
Publiziert

Werbebranche fördernNigeria verbietet Werbung mit ausländischen Models 

Als erstes Land weltweit hat Nigeria ein Werbeverbot mit ausländischen Models erlassen. Mit der Massnahme will das afrikanische Land einheimische Talente fördern und die Werbeindustrie stärken.

von
Johanna Senn

Jede Werbung, die auf nigerianischen Werbefläche gezeigt wird, soll ab dem Herbst nur noch mit lokalen Schauspielerinnen und Schauspielern, Models sowie Synchronsprecherinnen und Synchronsprechern auskommen. Diese Massnahme hat die nigerianische Werbeaufsichtsbehörde Ende August erlassen. 

Mit der neuen Regel will die Behörde das Wachstum der nigerianischen Werbeindustrie unterstützen.

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Nur lokale Talente

Das Verbot betrifft unter anderem nigerianische Marken, die ausländische Models für ihre Werbungen einsetzen, sowie globale Unternehmen, die ihre Werbung in Nigeria verbreiten.

Laut der nigerianischen Werbeaufsichtsbehörde sollen aktuelle Kampagnen bis zum Ende der Laufzeit weiterhin ausgestrahlt und gezeigt werden können. «Allerdings werden spätere Anträge auf erneute Genehmigung für weitere Ausstrahlungen dieser Materialien nicht genehmigt», heisst es in der Medienmitteilung der Behörde.

Bis Nigeria 1960 unabhängig wurde, war das Land eine britische Kolonie. «Wenn man sich die Werbespots vor zehn bis 20 Jahren ansah, würde ich sagen, dass sie fast zu 50 Prozent aus ausländischen Gesichtern bestanden und alle Sprecher einen britischen Akzent hatten», sagt Steve Babaeko, der Präsident der Association of Advertising Agencies of Nigeria, der britischen «Times»

Schon jetzt gibt es im afrikanischen Land eine Gebühr von 240 Dollar für jedes ausländische Model, das in einem Werbespot verwendet wird. Bereits dieser Schritt habe das Erscheinungsbild von Marketingkampagnen im Land verändert, wie die «Times» schreibt.

Gesetz spiegle Stimmung im Land wieder

Laut Steve Babaeko greift die Massnahme «einen neuen Stolz» unter jungen Nigerianerinnen und Nigerianern auf, die sich in den Medien repräsentiert sehen wollen. «Schon vor acht Jahren konnte man eine Art Renaissance in Nigeria feststellen», ergänzt er. «Ich denke, dass das Gesetz gerade die nationale Stimmung aufgreift.»

Auf Social Media gehen die Meinungen zu diesem Erlass auseinander. Steve Babaeko sagt: «Die Leute werden Ihnen sagen: ‹Wir sind etwa 200 Millionen Menschen. Wollt ihr mir sagen, dass ihr für diesen Werbespot keine einheimischen Models finden konntet?›»

Nigerias Werbeindustrie wächst

Die nigerianische Werbeindustrie wird Medienberichten zufolge für das Jahr 2021 auf einen Wert von ca. 450 Millionen Dollar geschätzt. Und die Branche soll weiter wachsen. Wie ein Bericht der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers zeigt, zählt die nigerianische Werbe- und Entertainmentbranche zu einer der am schnellsten wachsenden weltweit. 

Die britische Werbeagentur AMV BBDO hat bereits eine afrikanische Kampagne für Guinness mit dem Namen «Black Shines Brightest» mit einem nigerianischen Regisseur und einheimischen Models umgesetzt.

Die Hoffnung im Land ist, dass durch das Werbeverbot mehr kreative Projekte ins Rollen kommen und die Chancen für einheimische Talente verbessert werden.

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