Prostitution: Nigerianerinnen verärgern Milieu mit Billig-Sex
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ProstitutionNigerianerinnen verärgern Milieu mit Billig-Sex

Weil sie von Schleppern unter Druck gesetzt werden, locken Sexarbeiterinnen aus Nigeria Freier mit Dumpingpreisen an. Politiker wollen dem Einhalt gebieten.

von
bz

Auf dem Berner Strassenstrich ist der Teufel los. Nigerianerinnen machen anderen Prostituierten mit Dumpingpreisen das Geschäft kaputt. «Seit ein paar Monaten gibt es immer mehr Nigerianerinnen, die sich in der Schweiz prostituieren», sagt Alexander Ott, Leiter der Berner Fremdenpolizei in der «Berner Zeitung». Geschlechtsverkehr im Auto zum Beispiel würden die nigerianischen Prostituierten zu Tiefstpreisen anbieten. «Die anderen Prostituierten beklagen sich, weil sie sich konkurrenziert fühlen.»

Das Phänomen ist nicht nur in Bern bekannt. «Es kommt in der ganzen Schweiz vor, dass afrikanische Frauen mit Dumpingpreisen arbeiten», sagt Milieuanwalt Valentin Landmann. Auch im Basler Milieu herrscht Aufregung. «Die Frauen auf dem Strassenstrich in der Stadt Basel sind nervös», sagt Viky Eberhard, Leiterin der Basler Beratungsstelle für Frauen im Sexgewerbe des Trägervereins Compagna Basel Stadt. Kundenmangel und Dumpingpreise machten ihnen in letzter Zeit zu schaffen. Ob Nigerianerinnen dabei eine Rolle spielten, sei ihr nicht bekannt.

Frauen stehen unter Druck

Laut Valentin Landmann geht der Billig-Sex in Hinterhöfen und Orten über die Bühne, an denen Prostitution verboten ist. Die Frauen lockten die Freier mit Diensten an, die bei seriösen Sexarbeiterinnen nicht im Angebot sind. «Dazu gehört zum Beispiel Sex ohne Präservativ.»

Die Nigerianerinnen stehen unter Druck. Wie Alexander Ott in der «Berner Zeitung» berichtet, lockten Schlepper sie mit falschen Versprechen in die Schweiz. Doch statt dass sie eine Arbeit als Kindermädchen oder Haushaltshilfe erhielten, landeten sie in der Prostitution. Damit wollten sie sich von ihren vermeintlichen Schulden für die Reise nach Europa freikaufen, sagt Ott. «Die Schlepper sagen den Frauen, ihre Reise habe bis zu 30'000 Franken gekostet.» Spurten sie nicht, würden sie eingeschüchtert.

Opfer erhalten temporäres Aufenthaltsrecht

Wird eine Prostituierte ohne Aufenthaltsbewilligung erwischt, klären die zuständigen Polizeibehörden laut Alexander Ott die Sachlage im Detail ab.

Lässt sich nachweisen, dass die Frauen Opfer oder Zeuginnen von Menschenhandel sind, haben sie auf Opferhilfemassnahmen Anspruch und erhalten in der Folge eine ausländerrechtliche vorübergehende Aufenthaltsbewilligung. Ist dies nicht der Fall und liegen auch keine humanitären Gründe vor, werden die Frauen in ihr Heimatland zurückgeführt.

«Auch Opfer sollen zurückgeführt werden»

Politiker wollen der Situation Einhalt gebieten. SVP-Nationalrat Erich Hess fordert scharfe und mehr Identitätskontrollen an den neuralgischen Punkten. Er plädiert dafür, dass Prostituierte, die keine Aufenthaltsbewilligung haben, selbst dann in ihr Heimatland zurückgeführt werden, wenn sie Opfer von Menschenhandel sind. «Das verhindert einen Nachahmereffekt.» Würden die Frauen in der Heimat anderen von den negativen Erfahrungen berichten, kämen diese schon gar nicht auf die Idee, in der Schweiz ihr Glück zu versuchen.

Linke sehen es anders. «Man kann nicht immer nach mehr Kontrolle schreien. Zuerst sollte man das Problem an der Wurzel packen», sagt SP-Nationalrätin Claudia Friedl. Die Politikerin fordert, dass die Schweiz mit Aufklärungsarbeit die Frauen in den Heimatländern über die Gefahren orientiert. «Einmal mehr werden Menschen in Notsituationen ausgenutzt.» Bei den nigerianischen Prostituierten handle es sich klar um Opfer. «Daher ist es nur richtig, wenn diese Frauen in der Schweiz ein vorläufiges Aufenthaltsrecht erhalten.»

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