Lost in Spam: «Nigerianischer Astronaut seit Jahren allein im All»
Aktualisiert

Lost in Spam«Nigerianischer Astronaut seit Jahren allein im All»

Seit Jahren harre ein Raumfahrer im All aus – die Russen seien ohne ihn zur Erde zurückgekehrt. Das will uns ein Spam-Mail glauben machen.

von
mlr
Gefangen im Weltraum: Mit einem dubiosen Spam-Mail versucht ein Dr. Bakare Tunde an Geld zu gelangen. (Symbolbild)

Gefangen im Weltraum: Mit einem dubiosen Spam-Mail versucht ein Dr. Bakare Tunde an Geld zu gelangen. (Symbolbild)

Keystone/Nasa tv / Handout

Dubiose Geschäftsangebote von «Prinzen aus Togo» oder südafrikanischen «Erben» hat fast jeder E-Mail-Nutzer schon einmal in seinem Postfach gehabt. Doch ein Spam-Mail, das jüngst auf dem britischen Online-Portal Anorak.co.uk veröffentlicht wurde, übertrifft alles bislang Dagewesene: Ein Doktor Bakare Tunde aus Nigeria bittet darin um drei Millionen US-Dollar für seinen Cousin. Der arme Mann sei Astronaut und warte seit 14 Jahren darauf, zur Erde zurückkehren zu können.

Bereits 1979 sei sein Cousin Abacha Tunde als erster Afrikaner im All gewesen, schreibt der selbsternannte «Raumfahrt-Projektmanager» von der nigerianischen Weltraum-Forschungsbehörde NASRDA. Diese Behörde existiert tatsächlich. Warum weiss die Welt dann nichts vom ersten afrikanischen Astronauten? Ganz einfach: Seine Mission war laut Doktor Tunde geheim. Auf seiner zweiten Reise ins All sei sein Cousin dann mit russischen Kollegen unterwegs gewesen. Doch wie es der Zufall so wollte, brach die Sowjetunion zusammen und die Crew liess den Nigerianer einfach allein im All zurück. Die Sowjets hatten nur noch Platz für Ladung, aber nicht mehr für ihr afrikanisches Crew-Mitglied. Nun fehle ihm das Geld, den Rückflug zur Erde zu bezahlen.

20 Prozent Belohnung

Moment mal. Zusammenbruch der Sowjetunion (1990/91) – und seit 14 Jahren im Weltraum? Da hat sich Herr Dr. Bakare Tunde aber gehörig verrechnet. Die Vermutung liegt nahe, dass er das Mail schon seit längerem verschickt. Doch es wird noch abstruser: Zwar stünden fast 15 Millionen US-Dollar zur Verfügung, um den Russen einen Drei-Millionen-Rückflug und sonstige entstandene Kosten zu bezahlen. Doch würde dieses Geld treuhänderisch verwaltet und man benötige für die Zahlung ein ausländisches Konto – ein Luxus, der nigerianischen Beamten nicht gewährt wird, wie Bittsteller Tunde schreibt.

Da kommt der europäische E-Mail-Empfänger ins Spiel: Möge er doch so gut sein, und seine Kontodaten zur Verfügung stellen – ihm winke eine Belohnung von 20 Prozent der Gesamtsumme, 600'000 US-Dollar. Die Moral von dieser und all den anderen Spam-Mail-Geschichten: Wer da nicht widerstehen kann, ist selbst schuld.

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