Schmackhaft und gesund: Nigerias Gourmets lieben Riesenschnecken
Aktualisiert

Schmackhaft und gesundNigerias Gourmets lieben Riesenschnecken

Ihr Fleisch ist schwarz und klebrig und steckt in einem gestreiften, konischen Gehäuse, das grösser ist als die Faust eines Erwachsenen: Nigerianische Riesenschnecken gelten als gesund und sind eine beliebte Delikatesse in Westafrika. Doch beim Essen ist Vorsicht geboten.

von
Sophie Mongalvy
AFP

«Man bezeichnet die Schnecken als ‹weisses Fleisch›, sie sind schmackhaft und sehr gesund im Gegensatz zu rotem Fleisch», sagt Schneckenfan Yemisi Adedoyin Shyllon. Die meisten Nigerianer essen die teuren Weichtiere, die zehn Mal grösser sind als ihre europäischen Pendants, nur zu besonderen Gelegenheiten.

Normalerweise werden die Schnecken in Nigeria mit Zwiebeln, Kräutern und Paprika gedünstet. Auch in Scheiben geschnitten und in der Pfanne angeröstet findet man die «igbins», wie sie in der westafrikanischen Sprache Yoruba genannt werden. Traditionell werden sie dann mit grünen Blattgemüse und einer Beilage wie Reis oder Maniokbrei serviert.

«Gut gegen Bluthochdruck»

«Ärzte empfehlen den Verzehr dieser Tiere. Sie sind gut gegen Bluthochdruck», sagt Shyllon. Der Kunstsammler schwört auf die Weichtiere und isst sie nach eigenen Angaben täglich - ein Luxus, den sich viele Nigerianer nicht leisten können.

Dafür züchtet Shyllon die Schnecken eigens in seinem riesigen Garten, in dem Pfauen zwischen Bronzeskulpturen herumstolzieren. In einer Ecke steht ein fünf Quadratmeter grosser Käfig mit rund 50 Schnecken. «Sie sind meine Haupt-Eiweiss-Quelle», sagt er.

«Hart und elastisch»

Im Geschmack erinnern die Zwitter laut Shyllon irgendwie an Fleisch, die Konsistenz beim Reinbeissen sei wie Plastik: «Hart und elastisch» - je nach Grösse und Alter der Schnecken. Andere beschreiben sie als sehr weich und «schmelzend».

Vor allem in Zentral- und Südnigeria gelten die Riesenschnecken als fürstliches Essen, während sie im vorwiegend muslimisch geprägten Norden weniger verbreitet sind. Für umgerechnet rund 1,69 Franken pro Stück sind sie für mehr als zwei Drittel der Nigerianer, die von weniger als einem Franken pro Tag leben, unerschwinglich.

Sind die Schnecken nicht richtig gereinigt, kann die Flüssigkeit der Bauchfüssler allerdings tödlich sein. «Man muss sie mit Alaun putzen», sagt Yemi Ahmed, eine Frau Ende 30, die die Schnecken in einem kleinen Fischmarkt unter einer Brücke mitten in Lagos verkauft.

Schneckenwasser gegen Schnupfen

Gekonnt zieht sie das Tier mit einem Schraubenzieher aus seinem Haus, schneidet es mittendurch und säubert es gründlich mit weissen Alaun-Steinen. Neben drei Körben voll lebender Schnecken steht ein kleiner Plastikeimer mit bräunlicher Flüssigkeit.

«Das ist Schneckenwasser», erklärt Ahmed. «Es ist sehr gut. Mit Honig gemischt und erhitzt wirkt es hervorragend gegen Schnupfen.»

Alle 14 Tage reist Ahmed in die Bundesstaaten Edo und Ondo im Südwesten Nigerias, um von Schneckensammlern frische Ware zu kaufen. Diese sammeln die Tiere nachts in den Wäldern ein.

«Normalerweise verkaufe ich ein Stück für 250 Naira (1,72 Franken). Aber jetzt, wenn der heisse Harmattan-Wind weht, sind die Schnecken in ihren Verstecken und schwer zu finden. Deshalb muss ich sie für 300 Naira verkaufen», erklärt Ahmed.

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