Aktualisiert 14.02.2015 19:20

Kampf um Gombe

Nigerias Militär wehrt Boko-Haram-Angriff ab

Hunderte Kämpfer der nigerianischen Islamistenmiliz Boko Haram haben die Stadt Gombe im Nordosten des Landes angegriffen. Die Armee leistet keinen Widerstand.

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Bilder von Mitgliedern der Terrorsekte Boko Haram sind selten: Die Terroristen töten gezielt Journalisten und Fotografen.

Bilder von Mitgliedern der Terrorsekte Boko Haram sind selten: Die Terroristen töten gezielt Journalisten und Fotografen.

Dafür umso häufiger: Bilder von Dörfern, die Boko Haram abbrannte.

Dafür umso häufiger: Bilder von Dörfern, die Boko Haram abbrannte.

Keystone/AP/Haruna Umar
So sah Baga aus, als Boko Haram die Kleinstadt 2013 das letzte Mal angriff. Wie Baga heute aussieht, kann man sich nur vorstellen - der erneute Angriff soll noch brutaler abgelaufen sein.

So sah Baga aus, als Boko Haram die Kleinstadt 2013 das letzte Mal angriff. Wie Baga heute aussieht, kann man sich nur vorstellen - der erneute Angriff soll noch brutaler abgelaufen sein.

Keystone/AP/Haruna Umar

Die nigerianischen Streitkräfte haben nach eigenen Angaben einen Angriff der islamistischen Terrororganisation Boko Haram auf eine Grossstadt im Nordosten des Landes erfolgreich abgewehrt. Hunderte der militanten sunnitischen Fundamentalisten hatten laut Augenzeugen seit Samstagmorgen versucht, die Stadt Gombe einzunehmen.

Es kam zu heftigen Feuergefechten in den Vororten der Stadt, auch Kampfflugzeuge waren im Einsatz. Die Regierung verhängte daher am Samstag eine 24-stündige Ausgangssperre über Gombe.

Boko Haram-Geiseln schildern ihr Schicksal

Zu möglichen Opfern der Kämpfe gab es zunächst keine Angaben. «Der Angriff der Terroristen auf Gombe wurde abgewehrt», teilte die Militärführung lediglich auf Twitter mit. Soldaten verfolgten nun die fliehenden Angreifer, hiess es weiter.

Die Kämpfer der Boko Haram hinterliessen Flugblätter, die die Einwohner zum Boykott der Präsidentenwahl Ende nächsten Monats aufriefen, wie die Zeitung «Premium Times» berichtete. Gombe hat Schätzungen zufolge mehr als 200'000 Einwohner. Boko Haram hat auch bereits mehrfach vergeblich versucht, die wichtige nordöstliche Stadt Maiduguri einzunehmen.

In den Vororten Gombes lieferten sich Armee und Boko Haram Berichten schwere Kämpfe. «Das Geräusch von Gewehrfeuer ist überall», sagte Anwohner Mustapha Ibrahim telefonisch der Deutschen Presse-Agentur.

Luftwaffe eingesetzt

Auch die Luftwaffe sei eingesetzt worden und habe Stellungen der Angreifer rund um Gombe bombardiert. Im gleichnamigen Bundesstaat Gombe leben rund drei Millionen Menschen.

Seit einiger Zeit verstärkt Boko Haram seine Angriffe im Norden Nigerias und auch in den angrenzenden Ländern. Auch Gombe, die Hauptstadt des gleichnamigen Bundesstaats, war mehrfach Ziel von Attacken und Anschlägen der Islamisten. Zuletzt entging Präsident Goodluck Jonathan dort vor rund zwei Wochen bei einer Wahlkampfveranstaltung nur knapp einem Attentat.

Die Wahl sollte ursprünglich diesen Samstag stattfinden, wurde aber um sechs Wochen verschoben. Die Wahlkommission nannte als Grund vor allem die anhaltenden Kämpfe gegen Boko Haram. Eine weitere Verschiebung wurde ausgeschlossen.

UNO fordert Nigerias Armee zum Handeln auf

Die UNO hatte Nigerias Armee aufgefordert, ihren Kampf gegen die Islamistengruppe Boko Haram zu verstärken. Das Militär müsse bei der Bekämpfung dieses «ernstzunehmenden Feindes» eine «grössere Entschlossenheit» zeigen als bisher, sagte der UNO-Sondergesandte für Westafrika, Mohamed Ibn Chambas, am Freitag.

Der nigerianischen Armee ist es bisher nicht gelungen, den Vormarsch von Boko Haram im Norden und Nordosten des Landes zu stoppen. Nachdem die Islamisten wiederholt ins benachbarte Kamerun eingedrungen waren, formierte sich eine internationale Koalition gegen die Extremistengruppe. Neben Nigeria entsandten Kamerun, Niger und Tschad Truppen für den Kampf gegen die Islamisten.

Boko Haram kämpft mit Gewalt für einen islamischen Staat im mehrheitlich muslimischen Norden Nigerias. Seit dem Jahr 2009 tötete die Gruppe bei Angriffen auf Polizei, Armee, Kirchen und Schulen mehr als 13'000 Menschen. (sda)

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