Nach Wahlen: Nigerias Norden brennt
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Nach WahlenNigerias Norden brennt

Bei Unruhen im muslimischen Norden Nigerias sind mindestens zehn Menschen ums Leben gekommen, nachdem der Wahlsieg des christlichen Amtsinhabers Goodluck Jonathan bekannt wurde.

Zuvor war in den Bundesstaaten Gombe und Bauchi der als sicher geltende Wahlsieg des christlichen Amtsinhabers Goodluck Jonathan bekannt geworden. Mehrere Häuser von Funktionären der regierenden Demokratischen Volkspartei (PDP) Jonathans wurden niedergebrannt.

Auch aus dem Süden stammende Einwohner wurden angegriffen. «Sie haben unsere Autos und Häuser zerstört. Ich rannte um mein Leben», sagte die aus dem Süden stammende Dora Ogbebor aus der Stadt Zaria der Onlinezeitung «Next».

Vorsprung von über zehn Millionen Stimmen

Bereits in der Nacht hatte der aus dem Süden stammende Jonathan mehr als doppelt so viele Stimmen wie sein grösster Herausforderer, der ehemalige Militärmachthaber Muhammdadu Buhari, verzeichnet. Bei der Auszählung erreichte Jonathan einen Vorsprung von mehr als zehn Millionen Stimmen.

Buhari hat vor allem im Norden viele Anhänger. Zeugen berichteten von einer brennenden Baptistenkirche in Zaria, der Heimatstadt des muslimischen Vizepräsidenten Namadi Sambo, sowie von weiteren Bränden und Todesopfern in mehreren Regionen.

Befürchtungen bewahrheitet

In den nördlichen Bundesstaaten Kaduna, Sokoto, Bauchi und Gombe kam es zu Krawallen. Viele Schulen und Geschäfte blieben geschlossen. Auch in Jos, das von jahrelanger Gewalt zwischen Christen und Muslimen geprägt ist, gab es gewaltsame Proteste. Soldaten schossen in die Luft, Militärhelikopter kreisten über der Stadt.

Am Nachmittag breiteten sich die Unruhen bis in die Hauptstadt Abuja aus. Einwohner versuchten, sich in Sicherheit zu bringen, während es zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Anhängern Buharis und der Polizei kam. Vor allem junge Menschen gingen auf die Strassen, um gegen Jonathan zu protestieren.

Wahlbeobachter bezeichneten den Wahlgang im bevölkerungsreichsten Land Afrikas nach umfassenden Reformen als die korrektesten und ordentlichsten seit Jahrzehnten. Allerdings bewahrheitete sich die Befürchtung, dass die Wahl die ethnischen und religiösen Gräben in dem ölreichen Vielvölkerstaat vertiefen könnte.

Starke Sicherheitsmassnahmen

Rund 73 Millionen Wähler hatten am Samstag über ein neues Staatsoberhaupt abgestimmt. Ausser Buhari vom Kongress für fortschrittlichen Wandel galt Nuhu Ribadu vom Aktionskongress für Nigeria als aussichtsreicher Herausforderer Jonathans.

Beide Parteien hatten bei der Parlamentswahl eine Woche vor der Abstimmung über den neuen Präsidenten gute Ergebnisse erreicht und Jonathans PDP wohl um ihre Zwei-Drittel-Mehrheit gebracht. Das Endergebnis liegt noch nicht vor, weil in einem Teil des Landes noch am 26. April nachgewählt werden muss.

Die Wahlen wurden nach politischer Gewalt im Vorfeld von starken Sicherheitsmassnahmen begleitet. Mehr als 17'000 Polizisten und Soldaten waren im Einsatz, um Zwischenfälle zu verhindern. Neben radikalen Islamisten hatten Rebellen im ölreichen Nigerdelta mit Anschlägen gedroht. (sda)

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