«Nigger, Scheiss-Nigger...»: Mordversuch auf Mailbox aufgezeichnet
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«Nigger, Scheiss-Nigger...»: Mordversuch auf Mailbox aufgezeichnet

Ostermontagmorgen in Potsdam: Ein Deutschafrikaner will gerade seine Frau anrufen, als er von mutmasslich Rechtsextremen angepöbelt und so brutal zusammengeschlagen wird, dass er schwerste Hirnverletzungen erleidet. Die Stimmen der Täter wurden auf der Handy-Mailbox aufgezeichnet und von der Polizei veröffentlicht.

Inzwischen ermittelt die deutsche Generalbundesanwaltschaft, weil die Tat geeignet erscheine, die innere Sicherheit zu gefährden.

Dies sagte ein Sprecher von Generalbundesanwalt Kai Nehm am Dienstag. Das Opfer schwebte weiterhin wegen schwerer Hirnverletzungen in Lebensgefahr. Unbekannte hatten den afrikanischstämmigen Deutschen am frühen Ostersonntag überfallen und brutal zusammengeschlagen.

Die Potsdamer Staatsanwaltschaft hatte daraufhin Ermittlungen wegen versuchten Mordes und Raubes aufgenommen. Die laut Bundesanwaltschaft weiterhin mit der Fahndung in dem Fall beauftragte Potsdamer Polizei hatte bis Dienstagnachmittag keine konkreten Hinweise auf die Täter. Bisher gebe es nur drei vage Spuren, sagte ein Sprecher.

Ärzte bezeichneten den Zustand des in Äthiopien geborenen Ingenieurs auch mehr als zwei Tage nach dem Angriff als lebensbedrohend. Der 37-Jährige lag nach einer Schädeloperation am Vortag weiter im künstlichen Koma. Der in Potsdam lebende zweifache Vater hatte bei dem Überfall ein Schädel-Hirn-Trauma und Knochenbrüche erlitten. Der Zustand des Mannes habe sich aber stabilisiert, sagte der ärztliche Direktor des Ernst-von-Bergmann-Klinikums, Hubertus Wenisch.

Hoffnungen setzen die Ermittler vor allem auf die Stimmen der vermutlich zwei Schläger. Sie waren von einer Handy-Mailbox aufgezeichnet worden, weil der Überfallene gerade seine Ehefrau anrufen wollte. Das Brandenburger Landeskriminalamt hat die Stimmen von Nebengeräuschen isoliert und noch am Dienstag im Internet veröffentlicht. Auf der Mailbox ist zu hören, wie die Täter ihr Opfer als «Nigger» und «blödes Schwein» beschimpft hatten.

Die Staatsanwaltschaft geht deshalb von einem fremdenfeindlichen Hintergrund aus. Die Schläger sollen auch 200 Euro und einen Schlüsselbund gestohlen haben. Sie waren vom Tatort, einer Strassenbahn-Haltestelle in der Innenstadt, geflüchtet, als ein Taxifahrer dem Überfallenen zu Hilfe kam. Die Staatsanwaltschaft setzte 5000 Euro für Hinweise auf die Täter aus.

OB sieht neue Qualität rechter Gewalt

Der Potsdamer Oberbürgermeister Jann Jakobs sprach von «einer neuen Qualität der rechtsextremistischen Gewalt» in seiner Stadt. «Dass jemand so brutal an einer Haltestelle zusammengeschlagen wird, dass er um sein Leben fürchten muss, das hatten wir so bislang nicht», sagte der SPD-Politiker. Er kündigte eine gemeinsame Erklärung mit den Potsdamer Stadtverordneten gegen Fremdenhass an. Bereits am Montagabend hatten spontan etwa 400 Menschen in Potsdam gegen Fremdenfeindlichkeit und Gewalt demonstriert.

Die Aussteigerinitiative für Rechtsradikale «Exit» warnte vor wachsendem Alltagsterror von Neonazis. Angriffe auf Menschen, die nicht in das Weltbild Rechtsextremer passten, gehörten zum Alltag in Deutschland, sagte der Gründer der Organisation, Bernd Wagner. Er kritisierte, dass sich die Politik in Beschwichtigungsrhetorik erschöpfe. Der «brutale Alltag, die permanenten Straftaten gegen Ausländer und alles Fremde», werde nicht mehr zur Kenntnis genommen. (dapd)

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