21.09.2020 03:04

(K)ein Goalie-ProblemNikolic floppt schon wieder – wie lange schaut Sforza zu?

Der FCB hat kein Goalie-Problem, aber vielleicht hat Djordje Nikolic ein Problem, die Nummer 1 zu sein. Der Serbe scheint dem Druck nicht gewachsen. Wie lange schaut Sforza noch zu?

von
Eva Tedesco

Trainer Ciriaco Sforza sagt, dass der FCB kein Goalie-Problem hat.

(Video: 20 Minuten/ete)

Fussball ist ein schnelllebiges Geschäft. Aber es gibt Momente, die gehen nicht vergessen. Zu diesen gehören Flops von Torhütern. Über Fehler der Angreifer wird beim nächsten Angriff oder spätestens dem nächsten Treffer nicht mehr gesprochen. Nicht so bei einem Goalie-Bock. Wenn sich gravierende Fehler wie bei Djordje Nikolic innert kurzer Zeit wiederholen, verfolgen sie den Schlussmann manchmal auch ein Leben lang.

Wieder ein Lapsus. Wieder musste Djordje Nikolic ein Gegentor auf seine Kappe nehmen. Wie im Europa-League-Viertelfinal gegen Schachtjor Donezk, als der Serbe schon in der Startphase des Spiels daneben griff und seine Mannschaft früh in Rücklage brachte. Oder wie im Cupfinal gegen YB, als kurz vor Schluss an einem Weitschuss von Marvin Spielmann vorbeisegelte. Sein Bock führte die Berner zum ersten Double-Gewinn seit 1958. Zwei kapitale Spiele. Zwei kapitale Böcke.

Ein Riesen-Talent, aber umstritten

Trotzdem bestätigte Ciriaco Sforza den Serben als seine Nummer 1. Der 23-Jährige sei ein «Riesen-Talent», der, wenn er ruhig und fokussiert bliebe, dem Club noch viel Freude bereiten werde, sagte der Koller-Nachfolger kurz nach Amtsantritt. «Die weitere Entwicklung werden wir anschauen», schob Sforza vor rund drei Wochen nach. Am Sonntag, gerade mal zwei Spiele später, gibt Nikolic schon wieder Grund zur Goalie-Diskussion. Ein ungenauer Pass des FCB-Keepers wurde zum Geschenk für Vaduz. Die Folgen sind mit einem 2:2 im ersten Meisterschaftsspiel überschaubar, aber Nikolic als Nummer 1 im Basler Tor bleibt umstritten.

Valentin Stocker mit einem Erklärungsversuch, warum es gegen einen vermeintlich schwächeren Gegner wieder nicht zum Sieg gereicht hat.

(Video: 20 Minuten/ete)

«Ich kann mich noch gut daran erinnern, als Jonas Omlin die ersten Testspiele gemacht hat», sagt Captain Valentin Stocker, «ein, zwei Partien sind auch da nicht so gut rausgekommen. Es ist nicht so einfach, beim FC Basel zwischen den Pfosten zu stehen.» Und nicht alle hatten einen tollen Start. Auch Franco Costanzo zum Beispiel griff in St. Gallen bös daneben und musste durchs Stahlbad der Kritik. «Wir hatten genug Chancen, um das Spiel trotzdem zu gewinnen. Von dem her ist der Fehler nicht der Rede wert.» Aber wie gesagt: Fehler der Stürmer sind spätestens nach Schlusspfiff vergessen. Der des Torhüters nicht.

Wir haben kein Goalie-Problem, wir werden Nikolic unterstützen.

Ciriaco Sforza, FCB-Trainer

Der Lapsus von Nikolic dürfte die Goalie-Diskussion in Basel erneut befeuern, auch wenn Ciriaco Sforza direkt nach dem Remis gegen den Aufsteiger davon nichts wissen will: «Am Donnerstag hat er gegen Osijek noch eine gute Leistung gezeigt, aber das heute war ein unnötiges Tor. Ich werde das mit ihm diskutieren. Wir haben kein Goalie-Problem, wir werden Nikolic unterstützen.» Dass der FCB-Trainer seinen Torhüter nach dessen erneutem Flop schützen möchte, ist nachvollziehbar. Aber der braucht dringend Selbstvertrauen und der FCB einen starken Schlussmann, auch, weil es der Spielplan so will.

Ob das nächste kapitale Spiel wie das anstehende Qualifikationsspiel in der Europa League gegen Famagusta für einen verunsicherten Torhüter geeignet ist, Selbstvertrauen zu tanken? Viele Böcke wird sich Nikolic nicht mehr leisten können. Schon der nächste Fehlgriff könnte fatal sein und gröbere Folgen wie ein 2:2 im ersten Meisterschaftsspiel gegen Vaduz haben – für den Club, für Sforza und seine Aufgabe beim FCB, aber auch für die Karriere von Nikolic.

Darüber wird sich Sforza in den nächsten Tagen sehr genau Gedanken machen müssen, zumal der FCB mit Heinz Lindner eine gute Nummer 2 auf der Bank hat. Der Österreicher ist ein Routinier und hat bei GC bewiesen, dass er Super League kann – was Nikolic selbst bei Thun nicht gelungen ist und er den Kasten wieder für Guillaume Faivre räumen musste. Lindner hat als österreichischer Nati-Goalie aber auch internationale Erfahrung und davon kann der FCB am Donnerstag in der Europa-League-Quali gut gebrauchen.

Seit 2000

Goalie-Hochburg Basel

Über 70 Torhüter zählt der FCB seit seiner ersten Saison, in der er Meisterschaftsspiele austrug. Basler Rekordmann mit fast 300 Partien (zwischen 1942 und 1956) ist der vor zehn Jahren verstorbene Walter Müller. Nicht alle Torhüter waren absolute Topklasse, aber es gab keine Epoche in den 126 Jahren, in denen sich die Basler während längerer Zeit über ein Torhüterproblem hätte beklagen müssen. Der FCB hatte seit dem Jahr 2000 mit Pascal Zuberbühler, Miroslav König, Franco Costanzo, Yann Sommer, Tomas Vaclik und zuletzt auch mit Jonas Omlin immer herausragende Torhüter. Von den vier letztgenannten Stammtorhütern hat keiner in seinen FCB-Spielen mehr als 1,1 Gegentore kassiert. Und alle vier spielten im Schnitt ungefähr jedes dritte Mal zu null. (Quelle: Rotblau Magazin)

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6 Kommentare
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Vojvoda

22.09.2020, 12:53

Welcher Šiptarčić hat nun das wieder geschrieben?

nino bosch

22.09.2020, 10:51

Entweder der FCB steht hinter Nikolic oder nicht, andernfalls geht das ans Selbstvertrauen. Er ist noch jung, er ist ein guter Torhüter, er braucht die volle Unterstützung aller im Club vor allem wenn er mal einen Fehler macht (Fehler machen ja alle Torhüter). Ich würde ihn spielen lassen.

l w

21.09.2020, 06:54

Ihr habt kein goalieproblem, das stimmt.. Es ist ein goalie UND ein trainer problem!!