Aktualisiert 04.08.2004 16:27

«Nimm mich mit nach Hause»

Es war wie immer: Mary Kay Letourneau sorgte für einen gewaltigen Medienrummel. Doch diesmal schlich sich die wegen Vergewaltigung verurteilte frühere Grundschullehrerin unerkannt aus dem Gefängnis in Washington.

Letourneau befinde sich wieder auf freiem Fuss, bestätigte ein Sprecher der Justizbehörden am Mittwoch. Vor dem Gefängnis hielten einige Teenager Schilder in die Kameras: «Nimm mich mit nach Hause» und «Ich bin 18, Baby».

Die Frau dürfte nicht nur die Fantasie pubertierender Schüler anheizen, der Fall hatte vor Jahren landesweit Aufsehen erregt: Letourneau war 34, attraktiv und eine beliebte Lehrerin in einem Vorort von Seattle, als sie 1996 ihrem damals 12-jährigen Schüler Vili Fualaau näher kam. Das Verhältnis flog auf, als der Ehemann Steve Liebesbriefe fand, danach reichte er die Scheidung ein und zog mit den vier Kindern nach Alaska. Zunächst verurteilte das Gericht 1997 Mary Kay Letourneau zu sechs Monaten Haft und einer Therapie, ausserdem wurde ihr auch für die Zukunft der Kontakt mit dem Liebhaber untersagt. Doch einen Monat nach Ablauf der Strafe wurde Letourneau in flagranti beim Sex im Auto mit Fualaau erwischt. Die Frau wurde wegen Vergewaltigung hinter Gitter geworfen.

Der ehemalige Schüler betrachtete sich zu keiner Zeit als Opfer und veröffentlichte zusammen mit seiner Geliebten ein Buch über die Beziehung. Beide hätten damals Ringe getauscht; das Paar zeugte zwei Töchter, die mittlerweile sechs und sieben Jahre alt sind. Beide werden von der Mutter des jungen Mannes aufgezogen und besuchten ihre Mum zwei Mal im Monat im Gefängnis. Auch die vier anderen Kinder aus ihrer vorigen Ehe kamen einige Male im Jahr vorbei.

Eine der Auflagen für die Freilassung ist erneut, dass sich Letourneau, mittlerweile 42, nicht mit ihrem früheren Schüler, 21, treffen darf. Diesmal könnte Fualaau vor Gericht eine Aufhebung des Kontaktverbotes bewirken, bis Dienstag war allerdings im Gericht von King County noch keine Anfrage eingegangen. «Ich weiss nicht, was ich derzeit fühle,» sagte er am Dienstag dem Fernsehsender KING-TV, er sei recht nervös. «Aber ich weiss, dass ich sie liebe», ergänzte der junge Mann. Jüngst hatte Fualaau dem Magazin «People» gesagt, dass er Letourneau gerne wiedersehen wolle, die Dinge aber langsam angehen werde. Derzeit ist er arbeitslos und lernt für einen Abschluss an einer weiterführenden Schule.

Letourneau, die im Knast im Kirchenchor sang und Sprechbücher für Blinde aufnahm, will nach Aussage der Anwältin Anne Bremner ein normales Leben führen - so weit das möglich ist. Als Triebtäterin muss sie sich registrieren lassen, ausserdem muss sie in Behandlung; die Behörden werden ferner ihre neuen Nachbarn informieren, die wahrscheinlich durch die Kamerawagen sowieso vorab Bescheid wissen. Bremner, die mittlerweile mit ihrer Mandantin befreundet ist, sagt, sie wolle einfach Mutter und ein verantwortungsbewusstes Mitglied der Gesellschaft sein. Ausserdem wolle sich Letourneau für eine Bürgerrechtsgruppe engagieren, die sich um Mütter in Haft kümmert.

Auf die Frage, ob sie sich wieder mit Fualaau treffen wollte, gab sich Letourneau vor einigen Tagen im Fernsehsender KOMO-TV einsilbig: «Ich erlaube mir nicht, daran zu denken, mit ihm zusammen zu sein. Wir hatten eine schöne Beziehung und ich schätze sie für das, was sie war.»

(dapd)

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