Aktualisiert 21.08.2019 10:14

Ecotrip-Challenge

Nimmt ein Schüler den Flieger, verliert die Klasse

Mit einem Wettbewerb will der VCS Schüler zum Verzicht auf das Flugzeug ermuntern. Bei Gymischülern ist der Klima-Battle umstritten.

von
juu

Der Verkehrs-Club der Schweiz (VCS) ruft eine Ecotrip-Challenge für Schulklassen ins Leben. Während eines Jahres sollen die Gymischüler die Länge und den Treibhausgasausstoss ihrer Reisen lückenlos erfassen. Durch das Experiment sollen die Schüler lernen, wie viel CO2 durch die unterschiedlichen Reisearten entsteht. Mitte September gehts los.

Um einen Ansporn zu geben, winken am Ende des Jahres attraktive Preise: «Die Klasse, die am Ende das Ranking anführt, gewinnt pro Kopf einen Interrail Global Pass im Wert von 250 Franken», heisst es weiter. Auch für die Klassen mit der grössten relativen Verbesserung sowie für jene, die am weitesten mit dem Velo oder zu Fuss gereist sind. Bisher haben sich acht Schulklassen angemeldet. Aufgebaut ist das Projekt wie die «Experiment Nichtrauchen»-Kampagnen in den Oberstufen – dort wurden Schüler belohnt, wenn die ganze Klasse nicht rauchte.

«Das wäre ein Einschnitt in die Privatsphäre»

Ist Reisen also das neue Rauchen? Einige Kantischüler stehen dem Selbstversuch skeptisch gegenüber: «Grundsätzlich ist es ja eine tolle Idee, aber diese Challenge würde bestimmt für Streit in der Klasse sorgen», sagt Anna (20). Laut ihr könnte es zu Anfeindungen kommen, wenn jemand mit seiner Familie fliegt und deswegen die CO2-Bilanz der Klasse in die Höhe treibt. «Zudem wäre es ein Einschnitt in die Privatsphäre. Wir verreisen ja ausserhalb der Schulzeit», so die 20-Jährige.

Ähnlich sieht es die 14-jährige Ava. Die Gymnasiastin ist der Meinung, dass die Entscheidung, sich fürs Klima starkzumachen, aus dem Herzen kommen sollte. Gruppendruck wäre bei einer solchen Challenge unvermeidbar: «Es gibt sicher einige aus der Klasse, die dann sauer wären, wenn jemand trotzdem wegfliegt», sagt die Schülerin.

Der 16-jährige Nuri hingegen findet das Experiment super: «Dann haben die Klassen einen Ansporn und werden sogar belohnt, wenn sie etwas fürs Klima machen. So wird vielleicht endlich was getan.» Julia (17) und Yana (17) sehen das gleich. Die beiden geben gar an, für die Challenge auf einen Flugurlaub mit der Familie zu verzichten. Yana: «Ich achte auch privat sehr auf meine Klimabilanz. Und ich versuche meine Eltern dazu zu bringen, dass sie statt dem Flieger den Zug nehmen.»

«Challenge dient dem Umgang mit Ressourcen»

Auch Beat. A. Schwendimann, Leiter der Pädagogischen Arbeitsstelle des Dachverbands Lehrerinnen und Lehrer Schweiz (LCH), sieht in der Challenge kein Problem: «Umweltschutzfragen, und daher auch Klimaschutzfragen, gehören schon immer in den Biologieunterricht. Dieses Projekt dient, denke ich, vor allem der Sensibilisierung für den nachhaltigen Umgang mit Ressourcen.»

Ob sich die Challenge negativ aufs Klassenklima auswirkt, etwa wegen Gruppendruck oder Ausgrenzung, ist für den ehemaligen Biologielehrer schwer abzuschätzen. Für ihn stehen die Chancen im Vordergrund: «So könnten Jugendliche beispielsweise ihre Eltern für eine Zug- statt ener Flugreise begeistern», so Schwendimann.

Weitere Meinungen von Schülern finden sich oben im Video.

Anmeldungen für die Ecotrip-Challenge sind noch bis zum 15. September 2019 möglich. Die Siegerehrung findet im September 2020 statt.

Update 21.08.2019, 12.05 Uhr: Der VCS hält fest, dass die Aussage im Titel «Nimmt ein Schüler den Flieger, verliert die Klasse» nicht korrekt sei. Es gewinne jene Klasse, die durchschnittlich am wenigsten CO2 ausstosse. Keine Klasse werde disqualifiziert, weil ein Schüler fliege. Man könne davon ausgehen, dass jene Klasse gewinnt, die tendenziell weniger fliegt.

Überdies sieht der VCS keine Analogie zum «Experiment Nichtrauchen», da dort eine Klasse ausgeschlossen wird, wenn ein Schüler raucht. Fliegt ein Schüler, werde die Klasse nicht ausgeschlossen. Es zähle einzig die CO2-Bilanz.

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