St. Gallen: Nimmt Internat für 130’000 Franken deutschen Eltern Homeschooling ab?
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St. GallenNimmt Internat für 130’000 Franken deutschen Eltern Homeschooling ab?

Das Institut auf dem Rosenberg in St. Gallen hat seit dem ersten Lockdown mehr Anfragen aus dem Ausland. In vielen anderen Ländern ist aktuell in Schulen und Internaten Fernunterricht mehrheitlich Pflicht. In der Schweiz sieht es anders aus.

von
Michel Eggimann
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Das Institut auf dem Rosenberg kann derzeit trotz Corona Präsenzunterricht für die Schüler anbieten.

Das Institut auf dem Rosenberg kann derzeit trotz Corona Präsenzunterricht für die Schüler anbieten.

Institut auf dem Rosenberg
Deswegen haben diverse internationale Medien über das Internat in St. Gallen berichtet.

Deswegen haben diverse internationale Medien über das Internat in St. Gallen berichtet.

Institut auf dem Rosenberg
Denn in anderen Ländern – darunter beispielsweise Deutschland – müssen die Schüler derzeit ins Homeschooling. 

Denn in anderen Ländern – darunter beispielsweise Deutschland – müssen die Schüler derzeit ins Homeschooling.

Institut auf dem Rosenberg

Darum gehts

  • Schulen und Internate sind in der Schweiz derzeit nicht geschlossen.

  • Präsenzunterricht ist möglich, in Deutschland ist es die Ausnahme.

  • Das Institut auf dem Rosenberg in St. Gallen scheint davon zu profitieren.

  • Es spürt dieses Jahr eine grössere internationale Nachfrage.

  • Aufgrund der Corona-Lage gelten für die Schüler des Internats allerdings Einschränkungen.

Internationale Medien berichten dieser Tage über das Institut auf dem Rosenberg in St. Gallen. Darunter etwa das Wochenmagazin «Der Stern» aus Deutschland oder der britische «The Telegraph». In Deutschland und England gelten für Internate wie das Institut auf dem Rosenberg wegen des Coronavirus strikte Regeln. Präsenzunterricht ist nicht überall erlaubt und auf dem Schulgelände befinden sich deutlich weniger Schüler. Nicht so in der Schweiz. «Der Stern» schreibt, das Schweizer Internat nehme den Eltern quasi das Home-Schooling für 110’000 Euro ab.

Die Schule Schloss Salem ist mit fast 600 Schülern das grösste und eines der bekanntesten Internate in Deutschland. Im Präsenzunterricht ist dort aktuell nur die Oberstufe. Das Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg sagt: «Es existiert eine Regelung für diejenigen Schülerinnen und Schüler, die in diesem Jahr Abschlussarbeiten schreiben. Für diese kann Präsenzunterricht angeboten werden, wenn dies für die Prüfungsvorbereitung erforderlich ist.» Diese Regelung stehe auch Internaten offen. Sonst seien Internate und Schulen in Baden-Württemberg derzeit grundsätzlich geschlossen.

Mehr internationale Anfragen

In der Schweiz scheint man davon zu profitieren. Das Schweizer Internat spürt in diesem Jahr tatsächlich eine grössere Nachfrage als sonst. Seit Frühling bekomme man generell mehr internationale Anfragen als sonst, aus Deutschland sei die Nachfrage dieses Jahr um 15-20 Prozent gestiegen. Beim Institut heisst es: «Die Leute haben gesehen, welche Möglichkeiten wir Schülern bieten können und wie wir mit dem Lockdown umgehen.»

Institut auf dem Rosenberg

Das Institut auf dem Rosenberg in St. Gallen begleitet seine aus mehr als 50 Nationen stammenden Schüler seit über 130 Jahren in die Zukunft. Das Internat setzt auf individuelle Bildungsansätze, anspruchsvolles, akademisches Angebot und Talent-Angebote. Damit soll ein ideales Lern- und Lebensumfeld geschaffen werden. Ein Schuljahr kostet durchschnittlich rund 130’000 Franken und dauert von September bis Ende Juni. Wer individuelle Förderung will, kann das kostenpflichtig in Anspruch nehmen. Möglich ist beispielsweise Klavierunterricht oder das Erlernen einer Sprache wie Japanisch.

Im Internat in St. Gallen sind alle 230 Schüler, für die das Institut auf dem Rosenberg Platz bietet, auf dem Campus. Schulleiter Bernhard Gademann sagt: «Wir haben ein sehr ausführliches Schutzkonzept. Die Maskenpflicht wurde beim Internat schon im Sommer eingeführt.» Aufgrund der angespannten Situation in der Schweiz seien die Weihnachtsferien zudem verlängert worden. Der Unterricht habe erst diese Woche wieder begonnen. Die Schüler aus rund 50 verschiedenen Nationen seien wieder auf dem Campus und der Unterricht finde normal statt.

Kinder sollen auf Campus bleiben

Einschränkungen gibt es dennoch. Gademann erklärt: «Normalerweise können die Schüler aus der Nähe, wie etwa aus München, über das Wochenende nach Hause zu den Eltern. Das ist aktuell nicht möglich, da sind wir strikt. Wir haben die Schüler lieber auf dem Campus.» Auch Ausflüge in die Stadt gebe es jetzt weniger. Dafür wird mehr Unterhaltungsprogramm auf dem Campus organisiert. Der Schulleiter macht ein weiteres Beispiel, wie versucht wird, die Schüler auf dem Campus zu behalten. «Wir haben eine Vereinbarung mit einem Coiffeur. Bei Bedarf kommt er zu uns und schneidet hier vor Ort die Haare unserer Schüler.»

Zudem werden alle beim Institut auf dem Rosenberg regelmässig auf Corona getestet. Man habe schon im Spätsommer frühzeitig 15-Minuten-Schnelltests bestellt und auch bekommen, so Gademann. Die aktuelle Situation sei auch eine Chance, um aufzuzeigen, was man in Krisen erreichen könne. Noch im Frühling wurde die Schule auch härter vom Coronavirus getroffen. Damals war kein Unterricht vor Ort möglich und die Schüler waren zuhause bei ihren Eltern. Gademann erklärt: «Wir erstellten Stundenpläne, damit alle in den verschiedenen Zeitzonen live am Unterricht ihrer Hauptfächer teilnehmen konnten.» Bereits im Sommer habe sich die Situation aber entspannt und die Schüler aus aller Welt seien wieder in St. Gallen gewesen.

Auch die Behörden haben ein Auge auf das Internat. Beim St. Galler Bildungsdepartement heisst es, man stehe regelmässig in Kontakt mit der Leitung des Instituts auf dem Rosenberg. Alexander Kummer, Leiter Amt für Volksschule, sagt: «Für Internate gelten grundsätzlich dieselben Regelungen wie für die Schulen. Die Empfehlungen des BAG betreffend Hygiene und Distanz müssen umgesetzt werden.» Zudem müssen die Einrichtungen durch die Umsetzung eines spezifischen Schutzkonzepts gewährleisten, dass das Übertragungsrisiko möglichst minimiert wird.

Hast du oder jemand, den du kennst, Mühe mit der Coronazeit?

Hier findest du Hilfe:

BAG-Infoline Coronavirus, Tel. 058 463 00 00

BAG-Infoline Covid-19-Impfung, Tel. 058 377 88 92

Dureschnufe.ch, Plattform für psychische Gesundheit rund um Corona

Branchenhilfe.ch, Ratgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Tel. 147

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