Aktualisiert 10.03.2005 12:19

Nina Hagen: Bürgerschreck wird 50

Sie ist eine Ikone der Punkbewegung, glaubt an Ufos und hat eine Stimme, die opernreif ist: Nina Hagen feiert am 11. März ihren 50. Geburtstag.

Ob sie in einer Talkshow demonstriert, wie sich Frauen selbst befriedigen, einen Teenager mit Irokesenfrisur heiratet oder auf dem Indien-Trip ist: Nina Hagen ist in ihrer jahrzehntelangen Karriere immer für eine Schlagzeile gut gewesen. Zu DDR-Zeiten sang sie «Du hast den Farbfilm vergessen» und wird noch heute dafür geliebt. Im Westen ist die Sängerin für viele ein Jugendidol und polarisierte früher, wie es sonst nur Alice Schwarzer schaffte. Am 11. März wird Nina Hagen 50 Jahre alt.

Derzeit ist sie frisch verliebt und plant eine TV-Show im amerikanischen Fernsehen, erzählt sie im Gespräch mit der Presseagentur dpa. «Meine Karriere hat gerade erst begonnen.»

Nina (eigentlich Catharina) Hagen wird 1955 in Ost-Berlin geboren, ihre Eltern sind die DEFA- Schauspielerin Eva-Maria Hagen und der Drehbuchautor Hans-Oliva Hagen, die sich früh trennen. Ninas Ziehvater wird der Liedermacher Wolf Biermann, der ihr das Gitarre spielen beibringt. Nach dessen Ausbürgerung hält sie nichts mehr im Sozialismus. Schon früh hat sie ihre ersten Bühnenerfolge, provoziert die SED und emigriert 1976, nachdem sie sich öffentlich mit Biermann solidarisiert hatte.

Ihren ersten Hit landet Hagen 1972 mit dem legendären «Farbfilm»-Schlager, der später viele Kinozuschauer in dem Mauerfall-Film «Sonnenallee» anrühren wird. Musikgeschichte schreibt die Sängerin, als sie in Kreuzberg die Nina Hagen Band gründet und 1978 unter dem gleichen Namen ein radikales Album veröffentlicht. In rotzigem Berliner Ton singt sie über den «Bahnhof Zoo», den «TV Glotzer» und ist «Unbeschreiblich weiblich».

Das Cover-Bild der weissgeschminkten Nina Hagen - mit schwarzer Punkfrisur und lässiger Kippe im Mund - gehört für alle, die auch nur ein bisschen gegen das Spiessertum rebellieren, zum festen Inventar im WG-Zimmer. Musikalisch sind die deutschen Punkrocktöne etwas Neues: Die Resonanz war zu Recht «überwältigend», stellt das «Pop-Lexikon» fest. Und der britische «Melody Maker» fragt: «Kann Nina Hagen Deutschlands bedeutendster Beitrag zur Popkultur seit Brecht werden?»

Nach dem Album «Unbehagen» trennt sich die Sängerin von ihren Musikern, die in der Neuen Deutschen Welle als Band Spliff erfolgreich sind. Ende der 70er und in den 80er Jahren beginnt auch die Zeit, in der Nina Hagen mit ihrem schillernden Privatleben und öffentlichen Auftritten Furore macht. Mal ist es jener skandalöser Auftritt in der Wiener Talkshow «Club 2», mal hat sie Affären mit drogenabhängigen Rockmusikern, mal verschreckt sie das Publikum mit Grimassen und esoterischen Ausflügen.

1981 kommt ihre Tochter Cosma Shiva zur Welt, 1990 Sohn Otis. Heute ist die hübsche Cosma Shiva als Schauspielerin erfolgreich und das Hagen-Trio mit Großmutter Eva-Maria in Talkshows gern gesehen. Zum «Platzen stolz» ist sie auf ihre Tochter, auch das Verhältnis zur Mutter sei gut, sagt Nina Hagen.

Die Karriere der Berlinerin, einer der wenigen deutschen Stars, die international wahrgenommen werden, verläuft bunt und wechselhaft. Zur Zeit arbeitet Nina Hagen, die sich gerade nach kurzer Ehe von einem dänischen Musiker getrennt hat und in dem Kinohit «7 Zwerge» die böse Stiefmutter spielte, an zwei Alben. Im Sommer ist die Fortsetzung von «7 Zwerge» geplant.

Ihr neuer Freund heisst River, mehr will sie über ihr Privatleben nicht verraten. «Das gehört nur mir», sagt sie. Zur ihrem Geburtstag ist die «Queen of Punk» unterwegs, auf US-Tour in Seattle und Portland. Still wird es sicher nicht um Nina Hagen. (sda)

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