Wachablösung: Nino Schurter - oder der Beginn einer neuen Aera
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WachablösungNino Schurter - oder der Beginn einer neuen Aera

Nino Schurter (am 13. Mai 22 geworden) hat Schweizer Sportgeschichte geschrieben. Das grösste Kompliment bekam er von Olympiasieger Julien Absalon (28): «2012 in London wird Schurter der grosse Favorit sein.»

von
Klaus Zaugg
Peking

Er besiegte im Kampf um Bronze die zehn Jahre ältere Mountain Bike-Legende Christoph Sauser. Er ist der jüngste Olympische Medaillengewinner der Mountain Bike-Geschichte (seit 1996). Aber das ist nicht der Grund, warum Nino Schurter in die Schweizer Sportgeschichte eingeht.

Viel wichtiger: Er ist der erste Rätoromane, der an Sommerspielen eine Medaille holt. Mehr noch: Er ist der erste Athlet überhaupt an Olympischen Sommerspielen (seit 1896) der Rätoromanisch spricht. Nino Schurter ist in Zerneus aufgewachsen und bis zum 6. Schuljahr in «Runtsch» unterrichtet worden und gehört zu den rund 60 000 Menschen, die diese Sprache noch beherrschen. Und da die Rätoromanen ein Volk der Berge sind, ist es logisch, dass ihr Sportstar Mountain Bike («Velo der Berge») fährt.

Dank Nino Schurter ist jetzt auch die rätoromanische Schweiz auf der Weltkarte der Olympischen Sommerspiele verzeichnet. Seine Olympia-Qualifikation war übrigens mit ein Grund, warum das unser rätoromanisches Staats-Radio mit Roger Alig einen Reporter nach Peking entsandt hat.

Schurter ist in atemberaubendem Tempo in den Sporthimmel aufgefahren. «Es ist schon verrückt. Am 22. Juni durfte ich noch nicht an der WM starten, weil ich für die Elite noch zu jung bin - und nun bin ich der drittbeste Fahrer der Welt.» Der überaus sympathische Sunnyboy ist überglücklich mit der Bronze-Medaille. «Ich kann es ja noch gar nicht richtig begreifen. Wenn mir jemand vor dem Rennen Bronze angeboten hätte, ich wäre sofort darauf eingestiegen.» Für Peking war er wegen seines U 23-WM Titels nominiert worden.

Das Olympische Rennen von 2004 hatte er noch am Fernsehen verfolgt. «Ich hoffe damals, dass es mir vielleicht für Peking 2008 reichen…»

Schurter hat von allen unseren bisherigen Olympia-Medaillengewinner (Thomas Frischknecht Silber 1996 in Atlanta, Christoph Sauser Bronze 2000 in Sidney) das grösste Star-, Glamour und Vermarktungspotenzial.

Jedenfalls knurrte das Natel von Delegationsleiter Richard Steiner Augenblicke vor der Medaillen-Übergabe. Er reichte es sofort an Schurter weiter Am Apparat ein Berater von Bundesrat Samuel Schmid. Schurter: «Er wollte meine Natel-Nummer haben. Der Bundesrat wolle mich später anrufen.»

Die Betreuung durch Thomas Frischknecht sei für ihn sehr wertvoll. «Wir arbeiten schon seit fünf Jahren zusammen. Er hat mir darauf vorbereitet, was bei Olympischen Spielen so auf einem zukommen könnte. Das hat mir sehr viel geholfen.» Was ist denn das Besondere? «Das Bewusstsein, dass diese Chance nur alle vier Jahre einmal kommt, gibt dem Wettkampf eine ganz besondere Brisanz.»

In der letzten Runde hat er mit Christoph Sauser eine Legende besiegt. «Ja, es ist schon etwas besonderes, dass ich gerade gegen ihn um die Bronze-Medaille gefahren bin. Ich kam in der Steigung weg und ich ahnte, dass er damit besiegt war. Aber ich war spritziger, ich hätte die Medaille auch geholt, wenn die Entscheidung erst auf den letzten Metern gefallen wäre.» Vor den Olympischen Spielen habe er sich erst einmal in einem Rennen vor Sauser klassiert.

Dieses Duell um Bronze ist gleichsam ein historischer Akt. Für Sauser ist die Olympische Geschichte zu Ende gegangen. Für Schurter hat sie gerade begonnen. Mit goldigen Perspektiven.

Eine neue Aera in unseres Mountain Bike-.Sportes hat soeben begonnen.

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