Wie von Geisterhand: Nissan lanciert kontaktlose Lenkung
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Wie von GeisterhandNissan lanciert kontaktlose Lenkung

Der japanische Autohersteller Nissan hat ein Steer-by-Wire-System entwickelt, bei dem die Lenkbewegungen elektronisch an die Räder übertragen werden. Eine Lenksäule gibts nur noch als Backup.

von
jcg
Das Steer-by-Wire-System von Nissan. (Bild: PD)

Das Steer-by-Wire-System von Nissan. (Bild: PD)

In modernen Verkehrsflugzeugen läuft es seit Jahren so: Steuerbefehle werden nicht mehr via Stangen, Zahnräder und Hydraulikleitungen übertragen. Diese Aufgabe haben elektrische Impulse übernommen, die vom Cockpit über einen Draht (englisch «wire») das zu bedienende Element erreichen. Das Ganze nennt sich dann Fly-by-Wire und hat sich tausendfach bewährt. Jetzt will Nissan nach diesem Prinzip die Lenkung von Personenfahrzeugen revolutionieren.

Die Neuentwicklung wandelt die Bewegungen des Lenkrads in elektronische Signale um und sendet sie an eine Rechnereinheit, die dann die Ausrichtung der Räder entsprechend ändert. Und das Ganze ohne mechanische Verbindung von Lenkrad und Vorderrädern – zumindest solange das Steer-by-Wire-System einwandfrei funktioniert.

Sollte der laut Nissan höchst unwahrscheinliche Fall eintreten, dass die Elektronik streikt, würde eine Notsystem aktiviert. Die aktuelle Ausführung verfügt nämlich noch über eine Backup-Lenksäule, die im Pannenfall automatisch einkoppelt und eine mechanische Verbindung herstellen würde. Damit sei eine sichere Weiterfahrt garantiert, schreibt Nissan in einer Mitteilung.

Entkoppelung des Fahrers

Nissan verspricht sich vom Steer-By-Wire-System, das ab 2013 in ausgewählten Modellen der Nobelmarke Infinity angeboten werden soll, deutliche Verbesserungen bezüglich Komfort und Sicherheit. So sollen Lenkimpulse schneller bei den Rädern ankommen, Strassenunebenheiten dagegen nicht bis in die Hände des Fahrers übertragen werden. Dies soll der Sicherheit dienen, da dieser dadurch weniger schnell ermüdet.

Der Sicherheit förderlich sind auch allerlei Assistenzsysteme, die die elektronische Steuerung ergänzen. So gehören auch Sensoren und eine Kamera, die unter dem Rückspiegel installiert ist, zum System. Diese Instrumente erkennen die Verkehrssituation und den Verlauf der Strasse. Damit taugt die Nissan-Lenkung auch als erweiterter Spurassistent, der aktiv eingreifen kann. An ein Elektronisches Stabilitätsprogramm gekoppelt, kann es zudem bei Panikreaktionen des Lenkers eingreifen und extreme Lenkausschläge abmildern.

Doch so sehr diese Assistenzsysteme die Sicherheit im Strassenverkehr auch erhöhen mögen, manche Automobilisten werden sich nie dazu überreden lassen, sich hinter das Steuer eines Steer-by-Wire-Autos zu setzen. Und so wird der Erfolg der Nissan-Entwicklung weniger vom Funktionieren der Technologie als vielmehr von der Akzeptanz durch die Kunden abhängen.

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