Handy am Steuer: Nissan sperrt Smartphone ins fahrende «Gefängnis»
Aktualisiert

Handy am SteuerNissan sperrt Smartphone ins fahrende «Gefängnis»

Wer im Auto SMS schreibt, Whatsapp und E-Mails checkt oder Bilder auf Facebook postet, wird zur rasenden Gefahr. Nissan will das beenden.

von
Dieter Liechti
Weggesperrt: Nissan GB testet eine Box, in der das Smartphone während der Fahrt keine Signale empfängt.

Weggesperrt: Nissan GB testet eine Box, in der das Smartphone während der Fahrt keine Signale empfängt.

Nissan

Bei einer US-Studie aus dem Jahr 2014 haben 98 Prozent der 1000 befragten Autofahrer bestätigt, dass «text and drive» ausgesprochen gefährlich ist. Trotzdem gaben 74 Prozent zu, dass sie es auch schon gemacht haben. Noch erstaunlicher und gefährlicher: Für 30 Prozent der Befragten war es ganz einfach «eine Gewohnheit, weil ich immer Online bin». Dass sie durch das Benutzen des Smartphones nicht nur sich selber, sondern vor allem auch andere Verkehrsteilnehmer gefährden, sehen sie aber nicht so.

Für Dr. Greenfield, den Gründer des Centers für Internet- und Technologie-Sucht an der University of Connecticut School of Medicine, kein Zufall: «Wenn wir ein Mail, eine SMS oder ein Update über Social Media bekommen, schüttet unser Körper Dopamin aus – und macht uns 'glücklich'. Das führt dazu, dass wir immer öfter und vor allem überall zum Smartphone greifen.»

Digital Detox am Steuer

Das ist nicht nur gefährlich, sondern auch verboten. Darum haben die Tüftler bei Nissan Grossbritannien eine Box entwickelt, in der man das Telefon während der Fahrt quasi lahmlegen kann – das sogenannte Nissan Signal Shield Compartment. Der in der Armlehne eines Nissan Juke verbaute Prototyp ist nicht anderes, als ein kleiner faradyscher Käfig. Das heisst: Das dort abgelegte Smartphone kann absolut keine Signale empfangen – weder Netzsignale, Bluetooth, oder WiFi.

«Wir bauen heutzutage zumindest technisch extrem sichere Autos», erklärt Alex Smith, Direktor von Nissan Motor GB die Erfindung. «Dann sollten wir doch auch darauf achten, dass wir dem Fahrer die nötige Ruhe geben. Also Schluss mit Push-Nachrichten während der Fahrt.» Smith hält fest, dass das Nissan Signal Shield Compartment keine Bevormundung sein soll. «Aber es ist eine Möglichkeit jenen Menschen zu helfen, die das Problem nicht im Griff haben. Eine Art Digital Detox.»

Kommunikations-Süchtige

Obwohl das Smartphone weggesperrt wird, müssen die Autofahrer aber nicht auf ihre Musik verzichten. Das Mobilgerät kann in der speziellen Armlehne per USB mit dem Auto verbunden werden. Und wie wird das Handy wieder aktiviert? «Sobald man die Armlehne wieder öffnet, ist der faradaysche Käfig – im übrigen ebenfalls eine englische Erfindung des Physikers Michael Faraday –, unterbrochen, und das Smartphone nimmt seinen Dienst wieder auf.

Und wieso können Autofahrer ihr Smartphone wie im Flugzeug nicht einfach in den Flugmodus schalten? «Weil sich viele Autofahrer in Sachen Kommunikation wie Süchtige verhalten», erklärt Pete Williams vom englischen Automobilclub RAC: «Es ist für sie einfacher, das Smartphone in der speziellen Armlehne zu verstauen, als das Gerät ganz auszuschalten oder den Flightmodus zu aktivieren. Und wir sollten alles tun, um den Autofahrern zu helfen, smart zu bleiben – aber ohne Smartphone.»

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