Aktualisiert 23.10.2003 15:31

Nivea bleibt deutsch

Im Übernahme-Poker um die Zukunft des Nivea-Herstellers Beiersdorf haben sich die deutschen Interessenten gegen den US-Giganten Procter & Gamble durchgesetzt.

Die Allianz wird 40 Prozent ihres Anteils an dem Traditionsunternehmen an ein Konsortium unter Führung des Kaffeekonzerns Tchibo verkaufen, teilten die Unternehmen am Donnerstag in Hamburg und München mit. Procter & Gamble hatte kürzlich Wella übernommen und nun auch Beiersdorf ins Visier genommen.

Die Allianz hält bislang eine Beteiligung in Höhe von 43,6 Prozent an der Beiersdorf AG. Bei der Tchibo Holding AG steigt der Beiersdorf-Anteil von jetzt 30,3 auf künftig 49,9 Prozent. Der Gesamtpreis für die von der Allianz abzugebenden Anteile beträgt den Angaben zufolge rund 4,4 Milliarden Euro. Das entspricht einem durchschnittlichen Preis von 130 Euro je Aktie. Der Durchschnittskurs der Beiersdorf-Aktie lag in den vergangenen 12 Monaten bei 107,75 Euro. Die Transaktion wird stufenweise umgesetzt und muss noch von den Kartellbehörden genehmigt werden.

Am Nachmittag sackte der Beiersdorf-Kurs um 8,8 Prozent auf rund 98 Euro ab. Hintergrund sind offenbar die geplatzten Hoffnungen auf eine Übernahmeschlacht.

Die Vereinbarung sieht vor, dass 19,6 Prozent des Aktienkapitals an der Beiersdorf AG von der Tchibo Holding AG, 10 Prozent von der städtischen HGV Hamburger Gesellschaft für Vermögens- und Beteiligungsverwaltung, und drei Prozent von der Troma Alters- und Hinterbliebenenstiftung der Beiersdorf AG übernommen werden. Weitere 7,4 Prozent sollen im Rahmen eines Aktienrückkaufprogramms der Beiersdorf AG angeboten werden.

«Wir haben eine Lösung gefunden, die für alle Beteiligten grosse Vorteile bietet», erklärte der Tchibo-Vorstandsvorsitzende Dieter Ammer. «Die Beiersdorf AG kann jetzt langfristig mit einer klaren Aktionärsstruktur ihre starke Position am Markt ausbauen. Für das Unternehmen und die Mitarbeiter geht die Phase der Unsicherheit zu Ende», sagte Ammer. Den Kaufpreis von 130 Euro je Aktie bezeichnete er als «absolut in Ordnung». Der Tchibo-Chef betonte zugleich, dass an der Infrastruktur des Traditionsunternehmens, das auch Markenprodukte wie Tesa und Hansaplast produziert, «nichts geändert» werden solle.

Bürgermeister von Beust erleichtert

Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust erklärte, man sei froh, Beiersdorf als eigenständiges und börsennotiertes Unternehmen in der Hansestadt zu halten. «Unser Ziel ist es weiter, mit Beiersdorf den ersten DAX-Wert in Hamburg zu schaffen», sagte er. Durch die 1,1 Milliarden Euro teure 10-prozentige Übernahme der HGV gebe es für 2003 und 2004 keine Belastung des Hamburger Haushalts.

Hamburg hat für die Bezahlung seines Anteils vier Monate Zeit. Nach Angaben des Bürgermeisters werden derzeit weitere Partner für das Engagement gesucht. Der Kaufpreis solle über einen Kredit finanziert werden, hiess es. Wenn man die Dividende mit den Kreditzinsen verrechne, müsse die Stadt ein jährliches Minus zwischen 20 und 25 Millionen Euro tragen, sagte von Beust.

Die Handelskammer Hamburg begrüsste die Aktivitäten der Stadt. Der Senat habe «seine Sache gut gemacht», hiess es.

Die Beiersdorf AG ist ein wichtiger Arbeitgeber und der grösste Gewerbesteuerzahler in der die Hansestadt. Sie erzielte 2002 einen Jahresumsatz von 4,7 Milliarden Euro und einen Reingewinn von 290 Millionen Euro. Von den weltweit 18.000 Mitarbeitern werden am Stammsitz Hamburg rund 3.200 beschäftigt.

Bei dem Traditionsunternehmen zeigte man sich erleichtert. «Die Beiersdorf Aktiengesellschaft begrüsst den Abschluss der Vereinbarung zwischen der Allianz Aktiengesellschaft und dem Käuferkonsortium. Damit werden Unsicherheiten beseitigt und die unternehmerische Eigenständigkeit der Beiersdorf Aktiengesellschaft gewahrt», teilte der Konzern mit. Auch die Belegschaft zeigte sich erfreut: «Wir sind sehr erleichtert», sagte ein Sprecher des Betriebsrats. (dapd)

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