Anschlag mit 84 Toten: Nizza gilt als Zentrum der Radikalisierung
Aktualisiert

Anschlag mit 84 TotenNizza gilt als Zentrum der Radikalisierung

Noch ist unklar, ob der blutige Anschlag von Nizza islamistisch motiviert war. Sicher ist: Die Stadt ist bekannt als Rekrutierungszentrum für Jihadisten.

von
bee
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Die Promenade des Anglais ist gut anderthalb Tage nach dem Attentat wieder komplett für Fussgänger geöffnet. (16. Juli)

Die Promenade des Anglais ist gut anderthalb Tage nach dem Attentat wieder komplett für Fussgänger geöffnet. (16. Juli)

Keystone/Ian Langsdon
Nizza trauert: An der Promenade des Anglais versammelten sich Menschen, um den Opfern und Hinterbliebenen des Attentats zu gedenken.

Nizza trauert: An der Promenade des Anglais versammelten sich Menschen, um den Opfern und Hinterbliebenen des Attentats zu gedenken.

AFP/Boris Horvat
Die Polizei sichert Spuren neben zurückgelassenen Kinderwagen.

Die Polizei sichert Spuren neben zurückgelassenen Kinderwagen.

Alberto Estevez

Nach dem Attentat von Nizza mit mindestens 84 Toten rückt die dortige Islamistenszene in den Blickpunkt. Denn auch wenn noch keine konkreten Anhaltspunkte für eine islamistisch motivierte Tat bekannt sind – die südfranzösische Stadt ist wiederholt mit der jihadistischen Bewegung in Verbindung gebracht worden.

Vor allem ein Name fällt immer wieder zur Jihadisten-Szene in Nizza: Oumar Diaby, besser bekannt als Omar Omsen. Der Franko-Senegalese soll viele Franzosen für den Jihad in Syrien rekrutiert haben. Er ist der Autor zahlreicher Propagandavideos und war als selbsternannter Imam und radikaler Hassprediger in Nizza aktiv. Seit 2013 hält er sich in Syrien auf.

Viele Jihad-Kämpfer kommen aus Nizza

Nach eigenen Angaben agierte Omar Omsen im Auftrag der Al-Nusra-Front, des Ablegers von al-Qaida in Syrien. Im August 2015 wurde er für tot erklärt. Im Juni dieses Jahres tauchte er dann überraschend in einem Film des französischen Senders France 2 auf. Darin ist zu sehen, wie er eine Gruppe von rund 30 jungen Franzosen kommandiert. Die meisten von ihnen stammen aus Nizza und dem Umland.

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In dem Film rechtfertigt Omsen auch die islamistischen Anschläge in Frankreich im Jahr 2015. Sie seien «eine Vergeltung für die französischen Angriffe auf Frauen und Kinder» in Syrien.

Schlechte Zusammenarbeit der französischen Geheimdiensten

«Wir wissen, dass Nizza ein Zentrum der Radikalisierung ist», sagt der französische Parlamentsabgeordnete Sébastien Pietrasanta. Er ist Berichterstatter der Untersuchungskommission zu den Attentaten von 2015. In dem am Mittwoch offiziell vorgestellten Bericht wird den französischen Geheimdiensten unter anderem eine schlechte Zusammenarbeit attestiert.

Nizza war auch eine derjenigen französischen Städte, in denen 2015 die höchste Terrorwarnstufe ausgerufen worden war. Grund war eine Messerattacke, die sich dort kurz nach den Anschlägen auf die Satirezeitung «Charlie Hebdo» und auf einen jüdischen Supermarkt im Januar 2015 in Paris ereignet hatte. Am 3. Februar des Jahres griff ein Mann in Nizza drei Soldaten an, die vor einem jüdischen Gemeindezentrum Wache standen. Zu seinem Motiv sagte er später, er hasse Frankreich und die Juden.

(bee/afp)

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