Huttwil: NLB-Aufstieg - helfen die Richter?

Aktualisiert

HuttwilNLB-Aufstieg - helfen die Richter?

Die Nationalliga GmbH hat den Aufstieg der Huttwil Falcons in die NLB abgelehnt. Nun werden die Richter entscheiden. Fest steht nur, dass es in Huttwil kein Erstliga-Hockey mehr gibt.

von
Klaus Zaugg
Das Logo der Huttwil Falcons - zu schön für die 1. Liga?

Das Logo der Huttwil Falcons - zu schön für die 1. Liga?

Die Huttwil Falcons sind sportlich einwandfrei in die NLB aufgestiegen, sie haben eine sehr gute Infrastruktur und ein gutes Konzept als Ausbildungsklub und Farmteam der SCL Tigers. Aber wegen eines selbst verschuldeten Formfehlers (Unterlagen zum administrativen Aufstiegsgesuch zu spät eingereicht) dürfen die Huttwiler nicht aufsteigen. Die Huttwiler haben alle Verbands- bzw. Ligainternen Rekursmöglichkeiten ausgeschöpft und sind gescheitert (20 Minuten Online berichtete).

Der Lokalrivale SC Langenthal hat mit der Unterstützung der SCL Tigers nun versucht, die Huttwiler auf dem politischen Weg doch noch in die NLB zu bringen und beantragt, die Frist für die Einreichung des Aufstiegsgesuchtes zu verlängern – was formell den Aufstieg bedeutet hätte. Doch die Vollversammlung der Nationalliga GmbH hat die Aufnahme der Falcons in die Nationalliga am Mittwoch abgelehnt. Es kam nicht einmal eine einfache Mehrheit für den Antrag der Langenthaler zu Stande. Der SC Bern hatte sich der Stimme enthalten, Langnau und Langenthal hatten «Ja» gestimmt.

Warum diese Ablehnung? Erstens ist der Egoismus der Klubs zu gross. Konkurrenz wird abgelehnt. Das ist an und für sich logisch: Jeder Klubmanager ist dafür bezahlt, die Interessen seines Unternehmens zu verteidigen. Ein prominenter NLA-Manager, dessen Name uns soeben entfallen ist, sagt es so: «Die Huttwiler haben ja in den letzten beiden Jahren jeweils fristgerecht das Aufstiegsgesuch eingereicht. Sie hätten also diese Saison das Gesuch bloss zu kopieren brauchen. Wenn wir die Falcons nun trotzdem in die NLB aufgenommen hätten, dann könnten wir unsere Reglemente wegschmeissen.»

Strategie mit Juristen abklären

Das ist womöglich eine kluge Schlussfolgerung. Denn Markus Bösiger, Besitzer des Stadions und Mitbesitzer der Falcons und der Mann, der alle Entscheidungen trifft, bekräftigt gegenüber 20 Minuten Online: «Jetzt kämpfen wir vor Gericht weiter. Das sind wir der Mannschaft schuldig.»

Es gibt zwei Möglichkeiten: Der Weg an das Sportgericht in Lausanne oder den Weg vor ein ziviles Gericht. Bösiger sagt, es gehe nun darum, mit Juristen die Strategie sorgfältig abzuklären.

Wie stehen die Chancen? Es ist mehr als ein Kampf gegen juristische Windmühlen. Das ganze Lizenzierungsverfahren der Liga (die administrativen Vorschriften für den Aufstieg in die Nationalliga) dürfte einem gezielten juristischen Angriff nicht standhalten. Das Problem ist, wie meistens in solchen Fällen, der Faktor Zeit: Gelingt es, ein Verfahren durchzuziehen bevor die Saison beginnt? Kann eine Mannschaft bereitgestellt werden, wenn es noch Wochen oder Monate dauert, bis klar ist, ob man spielen kann?

Kein Erstliga-Hockey mehr

Auf dieser Basis gründet die Macht der Sport-Bürokraten und deshalb wagen so wenig Sportunternehmen den Gang vor Gericht – auch dann nicht, wenn die Chancen juristisch gut sind. Aber grundsätzlich wäre es im Interesse des Sportes und des Eishockeys, wenn es den Huttwilern gelingen würde, die Macht unserer Hockeybürokraten erfolgreich herauszufordern. Der FC Sion hat es seinerzeit vorgemacht: Die von den Funktionären zwangsrelegierten Walliser mussten noch im Laufe der Saison wieder in die Meisterschaft der zweithöchsten Liga integriert werden.

Fest steht hingegen, dass es in Huttwil kein Erstliga-Hockey mehr geben wird. Markus Bösiger bestätigt gegenüber 20 Minuten Online noch einmal: «Wir spielen entweder in der NLB oder gar nicht mehr. Wir haben uns deshalb auch nicht mehr für die Meisterschaft der 1. Liga angemeldet.»

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