Gewinnwarnung: Nobel Biocare-Aktie stürzt über 25 Prozent ab
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GewinnwarnungNobel Biocare-Aktie stürzt über 25 Prozent ab

Nach einer erneuten Gewinnwarnung hat die Aktie des Zahnimplantate-Herstellers Nobel Biocare über einen Viertel an Wert verloren. Dennoch steht der Verwaltungsrat hinter Konzernchef Domenico Scala. Schuld an den verfehlten Zielen sei die Finanzkrise.

«Die Gewinnwarnung hat nichts mit operativen Fehlern des Unternehmens zu tun, sondern mit exogenen Einflüssen», sagte Nobel- Biocare-Sprecher Nicolas Weidmann auf Anfrage. Es sei ganz klar die Krise auf den Finanzmärkten, die auf die Umsätze beim Zahnimplantate-Hersteller gedrückt hätten.

Nobel Biocare hatte vom Vorabend überraschend bekannt geben, dass der Umsatz in den ersten neun Monaten um 5,9 Prozent auf 456,6 Mio. Euro (735 Mio. Fr.) gesunken sei. Ohne Währungsverluste hätte das Minus 1 Prozent betragen.

Damit liege der Konzern derzeit um rund 4 Prozentpunkte unter den eigenen Zielen, gestand Sprecher Weidmann ein. Nobel Biocare hatte für 2008 ein organisches Umsatzwachstum im tiefen einstelligen Prozentbereich und eine Betriebsgewinnmarge auf dem Niveau des Vorjahres (32,5 Prozent) in Aussicht gestellt.

Um wieviel die Gesamtjahresziele verfehlt würden, wollte Weidmann nicht sagen: «Ich will gar nicht spekulieren.»

Verkaufslawine

Anleger goutierten dies überhaupt nicht und traten eine Verkaufslawine los. An der Schweizer Börse verlor die Aktie gut 26 Prozent auf 21,38 Franken. Zeitweise war der Kurs gar um 40 Prozent abgesackt. Seit dem im April 2007 erreichten Höchststand von 90 Franken hat der Titel drei Viertel an Wert verloren.

Der Zeitpunkt für eine solche Neuigkeit sei im vom Panik geprägten Börsenumfeld nicht gerade günstig, kommentierte die Bank Wegelin. «Die Bedingungen auf dem Markt für Dentalimplantate scheinen sich zu verschärfen», urteilte die Bank Vontobel.

Markant waren die Umsatzeinbussen von Nobel Biocare im Auge des Finanzorkans, den USA. Dort brach dem Weltmarktführer das Geschäft ab Mitte September weg, als die Finanzkrise eskalierte. In Nordamerika tauchte der Umsatz im dritten Quartal um 6,5 Prozent.

Insgesamt schrumpfte der Konzernumsatz von Juli bis Ende September währungsbereinigt um 2,8 Prozent auf 132,8 Mio. Euro (214 Mio. Franken).

Geld sparen

Die Patienten würden angesichts der Finanzkrise mehr aufs Portemonnaie schauen, sagte Weidmann. Dies bekommt Nobel Biocare stark zu spüren, weil der Konzern gerade auch im Segment der grösseren, umfassenden Zahnbehandlungen tätig ist, die leicht mehrere 10 000 Dollar kosten.

Diese müssten die Patienten in den meisten Fällen aus der eigenen Tasche bezahlen, weil solche Behandlungen nicht von den Versicherungen gedeckt seien, sagte Weidmann. In Zeiten wirtschaftlicher Talfahrt würden die Leute solche Ausgaben naturgemäss eher auf die lange Bank schieben.

«Dies ist bedauerlich, weil wir bis dahin relativ gut unterwegs waren», sagte Weidmann. Operative Fehler seien nicht schuld am Umsatzrückgang.

VR hinter Scala

Deshalb stellte sich der Verwaltungsrat auch nach den vierten enttäuschenden Zahlen in Folge hinter Konzernchef Scala, der anfänglich auch für Fehler seiner Vorgängerin geradestehen musste. «Scala hat unser Vertrauen», gab Verwaltungspräsident Rolf Soiron in einer schriftlichen Stellungnahme bekannt: «Er professionalisiert das Unternehmen Schritt für Schritt.»

Anleger hatten laut der Nachrichtenagentur Reuters in der Vergangenheit Zweifel geäusssert, ob der Verwaltungsrat bei einer weiteren Enttäuschung Scala weiter stützen würde.

(sda)

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