Mutige Kämpferinnen: Nobelpreis für Frieden geht an drei Frauen
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Mutige KämpferinnenNobelpreis für Frieden geht an drei Frauen

Ehre für den afrikanischen Kontinent und die Frauen: Es ist eine Premiere - erstmals in 110 Jahren wurden drei Frauen mit dem Friedensnobelpreis geehrt.

Drei entschlossene Vorkämpferinnen für Demokratie und Frauenrechte werden in diesem Jahr mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Die drei Frauen erhalten den renommierten Preis für ihren Einsatz gegen Krieg, Gewaltherrschaft und Unterdrückung der Frauen, wie das Nobelpreis- Komitee in Oslo bekanntgab.

Der Friedensnobelpreis wurde Liberias Präsidentin Ellen Johnson Sirleaf, der liberianischen Menschenrechtlerin Leymah Roberta Gbowee sowie der Journalistin Tawakkul Karman aus dem Jemen verliehen. Die Ehrung Karmans gilt auch als Unterstützung für den «arabischen Frühling».

Die 72-jährige Johnson Sirleaf und die 39-jährige Gbowee wurden als treibende Kräfte beim Ende des 13-jährigen Bürgerkriegs in Liberia geehrt. Die 32-jährige Karman ist Vorsitzende der Vereinigung «Journalistinnen ohne Ketten» im Jemen. Sie gehört zu den wichtigsten Gesichtern bei den friedlichen Protesten gegen Präsident Ali Abdullah Saleh.

«Nobelpreis für Afrikas Frauen»

Alle drei Preisträgerinnen freuten sich riesig. Johnson Sirleaf schrieb in einer Botschaft an die Nation, die sie mit «Mama Ellen» unterzeichnete: «Die Welt hat Liberia wiederentdeckt. Dies ist ein entscheidender Moment in der Geschichte Liberias.»

Gbowee sprach von einem «Nobelpreis für Afrikas Frauen». Karman widmete den Preis den Aktivisten des arabischen Frühlings. «Diese Ehrung wird den Kampf für Gerechtigkeit und Reformen vorantreiben», sagte sie dem Nachrichtensender Al-Arabija.

Keine Demokratie ohne Frauen

In der Begründung des fünfköpfigen Nobelkomitees hiess es, die Frauen würden ausgezeichnet für «ihren gewaltfreien Kampf für die Sicherheit von Frauen und für die Rechte von Frauen auf volle Beteiligung an der Schaffung von Frieden».

Der Komiteevorsitzende Thorbjørn Jagland sagte: «Wir haben ein wichtiges Signal gesendet, dass es ohne Einbeziehung der Frauen keine Demokratie und keine friedliche Entwicklung geben kann.»

In der islamischen Welt sei dies eines der wichtigsten Probleme. Zu Karmans Rolle sagte er: «Sie ist schon aufgestanden und hat Mut gezeigt, als der 'Arabische Frühling' noch in weiter Ferne lag.»

«Sieg für die neue Demokratie»

International stiess die Preisvergabe auf viel Zustimmung. Als «wunderbare Nachricht» würdigte UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon die Preisvergabe.

Auch die Europäische Union begrüsste den Entscheid. «Dies ist ein Sieg für die neue Demokratie in Afrika und der arabischen Welt», erklärten EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso und Ratspräsident Herman von Rompuy.

Die Organisation FriedensFrauen Weltweit, die aus dem in der Schweiz lancierten Projekt «1000 Frauen für den Friedensnobelpreis» hervorging, teilte mit, es sei erfreulich, dass das Nobelkomitee «endlich den Scheinwerfer auf den zu wenig anerkannten Beitrag von Frauen bei der Beendigung von Kriegen, beim politischen Wandel und bei der Initiierung von Friedensprozessen richtet».

Jemens Staatsmedien schweigen

Auch die Menschenrechtsorganisation Amnesty International lobte die Preisvergabe als einen «wichtigen Schritt für die Anerkennung des Kampfes von Frauen für Gleichberechtigung». Die ägyptische Protestbewegung zeigte sich zufrieden, dass die Jemenitin Karman ausgezeichnet wurde.

Für Jemens Präsidenten Saleh ist die Preisvergabe an Karman hingegen ein Schlag ins Gesicht - denn die Journalistin zählt zu seinen erbittertsten Gegnern. Die staatlichen Medien ignorierten daher die erstmalige Vergabe des Friedensnobelpreises an eine arabische Frau.

Ebenfalls kritisch äusserte sich der liberianische Oppositionsführer: Winston Tubman nannte die Auszeichnung für Johnson Sirleaf «inakzeptabel und unverdient».

Verliehen wird der Friedensnobelpreis am 10. Dezember, dem Todestag von Stifter Alfred Nobel (1833-1896). Die drei Geehrten teilen sich das Preisgeld von zehn Millionen schwedischen Kronen (rund 1,3 Millionen Franken).

(sda)

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