Roth und Shapley: Nobelpreis für Wirtschaft an zwei Amerikaner
Aktualisiert

Roth und ShapleyNobelpreis für Wirtschaft an zwei Amerikaner

Alvin Roth und Lloyd Shapley erhalten den diesjährigen Wirtschaftsnobelpreis. Die US-Wissenschaftler beerben Christopher Sims und Thomas Sargent.

Alvin Roth (rechts) und Lloyd Shapley. (Harvard Universität)

Alvin Roth (rechts) und Lloyd Shapley. (Harvard Universität)

Der Nobelpreis für Wirtschaft geht dieses Jahr wie fast immer in die USA. Die Ökonomen Alvin Roth und Lloyd Shapley erhielten die Auszeichnung für ihre Forschung zur optimalen Verteilung zwischen Menschen und Märkten.

Während der 89-jährige Shapley in den 1960er Jahren für die theoretische Grundlage sorgte, wie Märkte effektiv funktionieren, setzte der 60-jährige Harvard-Professor Roth dies Jahre später in die Praxis um. Er half beim Aufbau von Institutionen, um Marktteilnehmer bestmöglich zusammenzubringen.

Ein Beispiel für ein solches System sind Patienten auf der Suche nach Spendernieren. «Der diesjährige Preis wird verliehen für ein herausragendes Beispiel für wirtschaftliche Steuerungsprozesse», erklärte die königlich-schwedische Akademie der Wissenschaften am Montag in Stockholm.

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Preisträger trinkt erstmal einen Kaffee

Die beiden Preisträger arbeiteten unabhängig voneinander. Harvard- Professor Roth hat derzeit eine Gastprofessur an der Stanford University in Kalifornien und wurde dort vom Anruf des Preiskomitees aus dem Schlaf gerissen.

«Ich bin sicher, dass meine Studenten in der Vorlesung heute morgen aufmerksamer sein werden», sagte er in einer Telefonschaltung nach Stockholm. Die Frage, wie er die Auszeichnung feiern werde, erwischte ihn unvorbereitet: «Ich habe noch nichts geplant; Kaffee», sagte der 60-Jährige.

Auf die Verleihung in Stockholm am 10. Dezember freue er sich aber sehr. «Das solle eine sehr gute Party sein», sagte Roth.

«Praktische Lösungen»

Shapley, der als einer der ältesten Wissenschaftler einen Nobelpreis erhält, untersuchte Märkte mittels der Spieltheorie. Der inzwischen emeritierte Professor der Universität von Kalifornien entwickelte in den 1950er und 1960er Jahren den so genannten Gale- Shapley-Algorithmus, wonach die Zuordnung zwischen Marktteilnehmern stabil ist.

Dies ist dann der Fall, wenn es keine zwei Marktteilnehmer gibt, die besser zusammenpassen als sie es mit ihren aktuellen Pendants bereits tun. Roth nutzte diese Erkenntnis, als er später half Auswahlsysteme zu optimieren. Dabei verbesserte er etwa die Verteilung von jungen Ärzten, die Jobs an Spitälern suchen, und den Bewerbungsprozess von Schülern an High Schools in New York.

Die Akademie würdigte die Leistung der Preisträger, die von abstrakter Theorie über empirische Arbeit bis hin zu «fortdauernden Bemühungen reicht, um praktische Lösungen für Probleme der echten Welt zu finden».

Gestiftet von der Reichsbank

Die Auszeichnung wird nur umgangssprachlich Wirtschaftsnobelpreis genannt. Sie existiert erst seit 1969 und ist offiziell der Preis für Wirtschaftswissenschaften im Gedenken an Alfred Nobel, gestiftet von Schwedens Reichsbank.

Die Notenbank will der wachsenden Bedeutung wirtschaftlicher Fragen Rechnung zu tragen und dotiert den Preis mit umgerechnet 1,11 Mio. Franken. Diese Summe entspricht der Dotierung der übrigen Nobelpreise.

Die traditionellen Nobelpreise für Medizin, Chemie, Physik, Literatur und Frieden werden bereits seit 1901 vergeben. Die diesjährigen Preisträger wurden vergangene Woche bekanntgegeben. Der Wirtschaftspreis ist international eher umstritten, unter anderem auch, weil er sehr oft in die USA geht.

2011 erhielten die US-Forscher Thomas Sargent und Christopher Sims den Wirtschaftspreis für Studien zu wirtschaftspolitischen Themen. Seit 1969 wurden 71 Wirtschaftspreisträger ausgezeichnet, von denen 56 an US-Instituten arbeiteten. 2009 erhielt die US- Ökonomin Elinor Ostrom als bisher einzige Frau einen Wirtschaftsnobelpreis. (sda)

Träger des Wirtschaftsnobelpreises in den letzten 10 Jahren

2011 - Christopher A. Sims (USA) und Thomas Sargent (USA). Ihr Gebiet: Modelle, mit denen sich das Wechselspiel von Inflation, Zinsen und Arbeitslosigkeit analysieren lässt.

2010 - Peter A. Diamond, Dale T. Mortensen (USA) und Christopher A. Pissarides (Grossbritannien). Sie wurden für ihre Untersuchung von Marktmechanismen ausgezeichnet.

2009 - Elinor Ostrom (USA) und Oliver E. Williamson (USA). Sie haben gezeigt, «wie gemeinschaftliches Eigentum von Nutzerorganisationen erfolgreich verwaltet werden kann». Zu Williamson hiess es, er habe Modelle zur Konfliktlösung mit Hilfe von Unternehmensstrukturen entwickelt.

2008 - Paul Krugman (USA) für seine Forschungsergebnisse als Handelstheoretiker.

2007 - Leonid Hurwicz (USA), Eric S. Maskin (USA) und Roger B. Myerson (USA) für ihre Arbeiten über die Grundlagen der «Mechanischen Designtheorie».

2006 - Edmund S. Phelps (USA) für seine Analyse zum Verhältnis kurz- und langfristiger Effekte in der Wirtschaftspolitik.

2005 - Robert J. Aumann (Israel/USA) und Thomas C. Schelling (USA) für ihre Arbeiten zu Konflikt und Kooperation in der Spieltheorie.

2004 - Finn E. Kydland (Norwegen) und Edward C. Prescott (USA) für ihre «Beiträge zur dynamischen Makroökonomie».

2003 - Robert F. Engle III (USA) und Clive W.J. Granger (Grossbritannien) für ihre Arbeiten zur statistischen Erforschung ökonomischer Zeitreihen.

2002 - Daniel Kahneman (Israel/USA) und Vernon L. Smith (USA) für ihre Arbeiten auf dem Gebiet der psychologischen und experimentellen Wirtschaftswissenschaft.

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