Ausgezeichnet: Nobelpreis für Wirtschaft geht an drei Forscher
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AusgezeichnetNobelpreis für Wirtschaft geht an drei Forscher

Peter Diamond, Dale Mortensen und Christopher Pissarides kriegen in diesem Jahr den Wirtschaftsnobelpreis.

Der Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften geht 2010 an drei Forscher für ihre Analyse von Märkten, auf denen sich Angebot und Nachfrage nicht von alleine regeln. Den Preis erhalten die Amerikaner Peter A. Diamond und Dale Mortensen sowie der britisch-zyprische Wirtschaftsprofessor Christopher Pissarides.

Die drei Forscher hätten das theoretische Fundament für sogenannte Suchmärkte formuliert, teilte das Preiskomitee am Montag in Stockholm mit. Diamond habe die speziellen Eigenarten solcher unvollkommener Märkte geliefert. Mortensen und Pissarides erweiterten die Theorie und wandten sie auf den Arbeitsmarkt an.

Die Modelle machten verständlich, wie Arbeitslosigkeit, offene Stellen und Löhne durch Regulierung und Wirtschaftspolitik beeinflusst würden, erklärte die Jury.

DMP-Modell

Das nach Diamond, Mortensen und Pissarides benannte «DMP-Modell» helfe beim Verständnis der Funktionsweise des Arbeitsmarkts. Unter anderem gehe es darum, warum es gleichzeitig eine hohe Zahl von Arbeitslosen bei starker Nachfrage nach Arbeitskraft geben könne oder warum es Sockelarbeitslosigkeit gebe.

Die Suchtheorie sei darüber hinaus auf viele andere Märkte mit Problemen beim Zusammentreffen von Angebot und Nachfrage übertragen worden, etwa den Geldmarkt oder den Immobilienmarkt. Die Ansätze finden auch in den Bereichen Geldpolitik, Finanzwirtschaft sowie Familienpolitik Anwendung.

«Sehr gute Wahl»

Reto Foellmi, Professor für Makroökonomie an der Universität Bern, zeigte sich auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA nicht überrascht von der Wahl des Nobelpreis-Komitees. Es sei eine sehr gute Wahl. Die Suchtheorie gehöre zum Kanon der Wirtschaftswissenschaften an den Universitäten.

Alle drei Ökonomen hätten einen wesentlichen Beitrag zur Suchtheorie geleistet, erklärte Foellmi. Diamond habe bereits 1982 die erste Grundidee der Suchtheorie entwickelt. Mortensen (1986) und Pissarides (1985) hätten diese weiter entwickelt und in ihre noch heute gültige Form gebracht.

Der US-Bürger Peter A. Diamond, geboren 1940 in New York City, ist als Ökonomieprofessor am Massachusetts Institute of Technology (MIT) tätig. Diamond ist ein Experte für Sozialversicherungssysteme, Renten und Steuern. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Dale T. Mortensen, ebenfalls US-Bürger und geboren 1939 in Enterprise in Oregon, arbeitet als Professor an der Northwestern Universität in Evanston in Illinois. Sein Schwerpunkt ist die Arbeitsökonomie. Mortensen ist verheiratet.

Ebenfalls in der Erforschung des Arbeitsmarktes aktiv ist Christopher A. Pissarides. Der Professor an der London School of Economics and Political Science in Grossbritannien wurde 1948 in Nikosia auf Zypern geboren. Pissarides ist verheiratet und hat zwei Kinder. Seine Hobbys sind Kochen, Gartenarbeit und Gehen.

Pissarides sagte in einem Telefonat mit der Schwedischen Akademie kurz nach der Bekanntgabe, er sei über die Zuerkennung des Preises «ziemlich überrascht und sehr froh». Er teilt sich die Dotierung von umgerechnet 1,1 Mio. Euro (zehn Mio. Kronen) mit seinen beiden US- Kollegen. «An das Geld habe ich überhaupt noch nicht gedacht», sagte Pissarides auf die Frage, was er mit dem Preisgeld machen will.

Erstmals zyprischer Preisträger

Mit Pissarides wurde erstmals ein zyprischer Ökonom ausgezeichnet. 2010 war bereits zum elften Mal in Folge mindestens einer der Preisträger aus den USA. Der Nobelpreis im Fach Wirtschaftswissenschaften wird seit 1969 verliehen. Er wurde von der schwedischen Reichsbank gestiftet, um der wachsenden Bedeutung wirtschaftlicher Fragen Rechnung zu tragen. Es ist erst das fünfte Mal, dass der Preis an drei Personen gemeinsam vergeben wird.

Ihm vergangenen Jahr wurde erstmals auch eine Frau, die Ökonomin Elinor Ostrom, mit dem Wirtschaftsnobelpreis ausgezeichnet. Der Preis für Wirtschaftswissenschaften wurde 1968 von der Schwedischen Reichsbank im Einvernehmen mit der Nobelstiftung gestiftet. Er wurde 1969 erstmals verliehen.

Die Preise für Physik, Medizin, Chemie, Literatur und Wirtschaft werden in Stockholm vergeben. Den Friedenspreisträger bestimmt ein gewählter Ausschuss des norwegischen Parlaments in Oslo. Zu Lebzeiten Nobels bestand noch eine Union zwischen Schweden und Norwegen. Die Verleihung der Nobelpreise erfolgt alljährlich am 10. Dezember, dem Todestag des Stifters. Die Nobelpreise sind derzeit mit jeweils zehn Millionen Kronen (1,5 Millionen Franken) dotiert. Die diesjährigen Preisträger erhalten ihre Auszeichnung aus der Hand des schwedischen Königs Carl Gustaf in Stockholm. (sda/dapd)

Die Preisträger der letzten zehn Jahre

Die Liste der Nobelpreis-Träger für Wirtschaftswissenschaften dominieren die Amerikaner. Nur eine Frau hat es bisher geschafft in den erlauchten Kreis vorzustossen. Preisträger der letzten zehn Jahre waren:

2010 - Peter Diamond (USA), Dale Mortensen (USA), Christopher Pissarides (Grossbritannien/Zypern), für die Entwicklung der Suchtheorie in Märkten.

2009 - Elinor Ostrom (USA), Oliver E. Williamson (USA). Sie habe gezeigt, «wie gemeinschaftliches Eigentum von Nutzerorganisationen erfolgreich verwaltet werden kann». Zu Williamson hiess es, er habe Modelle zur Konfliktlösung mit Hilfe von Unternehmensstrukturen entwickelt.

2008 - Paul Krugman (USA) für seine Forschungsergebnisse als Handelstheoretiker.

2007 - Leonid Hurwicz (USA), Eric S. Maskin (USA), Roger B. Myerson (USA) für ihre Arbeiten über die Grundlagen der «Mechanischen Designtheorie».

2006 - Edmund S. Phelps (USA) für seine Analyse zum Verhältnis kurz- und langfristiger Effekte in der Wirtschaftspolitik.

2005 - Robert J. Aumann (Israel und USA), Thomas C. Schelling (USA) für ihre Arbeiten zu Konflikt und Kooperation in der Spieltheorie.

2004 - Finn E. Kydland (Norwegen), Edward C. Prescott (USA) für ihre «Beiträge zur dynamischen Makroökonomie».

2003 - Robert F. Engle III (USA), Clive W.J. Granger (Grossbritannien) für ihre Arbeiten zur statistischen Erforschung ökonomischer Zeitreihen.

2002 - Daniel Kahneman (Israel und USA), Vernon L. Smith (USA) für ihre Arbeiten auf dem Gebiet der psychologischen und experimentellen Wirtschaftswissenschaft.

2001 - George A. Akerlof (USA), A. Michael Spence (USA), Joseph E. Stiglitz (USA). Die schwedische Akademie der Wissenschaften begründete ihre Entscheidung mit den Leistungen der Wissenschaftler bei der «Marktanalyse mit asymmetrischen Informationen».

2000 - James J. Heckman (USA), Daniel L. McFadden (USA). Heckman erhielt die Auszeichnung für die Entwicklung von Theorien und Methoden zur Analyse selektiver Stichproben. McFadden wurde für die Entwicklung von Theorien und Methoden selektiver Wahlentscheidungen ausgezeichnet.

Nobelpreis für Peter A. Diamond kommt Obama zupass

Rückenwind für US-Präsident Barack Obama: Mit dem Amerikaner Peter A. Diamond hat ein den Demokraten nahestehender Wissenschaftler den Wirtschafts-Nobelpreis gewonnen. Obama will Diamond in den Vorstand der US-Notenbank Fed wählen lassen. Ein erster Anlauf misslang.

Die erste Nomination des 70-jährigen Professors wurde Anfang August von einem einzelnen Parlamentarier im zuständigen Komitee des US-Senats blockiert. Die «New York Times» vermutete damals, dass der - eher zentristische - republikanische Senator Richard C. Shelby aus Alabama für das Bremsmanöver verantwortlich ist.

«Ich glaube nicht, dass es für das unsichere Wirtschaftsklima günstig wäre, wenn die Geldpolitik von Vorstandsmitgliedern der Notenbank gemacht würde, die 'on the job' lernen müssen», erklärte Shelby im August gemäss Agenturberichten. Diamond sei zwar ein «begabter Ökonom», aber kein Geldpolitiker, wird Shelby zitiert.

Obama hat Diamond erst Mitte September erneut für den Vorstand der US-Notenbank Fed nominiert. Experten waren schon vor dem Nobelpreis-Entscheid in Stockholm überzeugt, dass Diamond letztlich doch gewählt werde. Eine erste Abstimmung im zuständigen Senatskomitee ergab eine Stimmenverhältnis von 16 zu 7 für Diamond.

(sda)

Alfred Nobel erschienen Ökonomen nicht preiswürdig

Der Wirtschaftsnobelpreis ist ein Nachzügler unter den Auszeichnungen: Im Gegensatz zu allen anderen Nobelpreisen wurde der Preis für Wirtschaftswissenschaften nicht 1895 von dem Unternehmer Alfred Nobel, sondern erst 1968 von der Schwedischen Reichsbank gestiftet.

Die Auszeichnung «in Gedenken an Alfred Nobel» soll an Wissenschafter vergeben werden, die dazu beitragen, die wirtschaftspolitischen Aufgaben der Gegenwart zu bewältigen.

In seinem Testament stiftete der Dynamit-Erfinder Alfred Nobel 1896 aber nur die Preise für Physik, Chemie und Medizin sowie für Literatur und für das Engagement für den Frieden. Die Wirtschaftswissenschaften waren dem Chemiker und Industriellen Nobel Zeit seines Lebens suspekt - und schienen ihm nicht preiswürdig.

Ein Ausschuss der Königlich-Schwedischen Akademie der Wissenschaften sammelt jährlich mehrere hundert Nominierungen und schlägt dann einen oder mehrere Kandidaten vor. Den letzten Entscheid fällt die Vollversammlung der Akademie. Der Preis ist wie die anderen Nobelpreise mit zehn Millionen Kronen (rund 1,5 Mio. Fr.) dotiert und wird am 10. Dezember in Stockholm überreicht.

Erste Preisträger waren 1969 der Norweger Ragnar Frisch und der Niederländer Jan Tinbergen. Der Preis wurde bisher an 64 Wirtschaftswissenschafter vergeben - die meisten von ihnen sind Amerikaner. Als erste Frau war 2009 die US-Professorin Elinor Ostrom ausgezeichnet worden. (sda)

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