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Dunkle EnergieNobelpreis geht an Supernova-Forscher

Adam G. Riess, Brian P. Schmidt und Saul Perlmutter erhalten den diesjährigen Nobelpreis für Physik. Sie konnten beweisen, dass sich das Universum schneller ausdehnt als bisher angenommen.

Adam G. Riess, Saul Perlmutter und Brian P. Schmidt (von links nach rechts)

Adam G. Riess, Saul Perlmutter und Brian P. Schmidt (von links nach rechts)

Das Universum dehnt sich immer rascher aus. Für diese Entdeckung erhalten drei US-Astronomen den Physik- Nobelpreis 2011. Die eine Hälfte des Preisgeldes geht dabei an Saul Perlmutter. Die andere Hälfte teilen sich Brian P. Schmidt und Adam G. Riess.

Das berichtete die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften am Dienstag in Stockholm. Sie vergibt die bedeutendste Physik-Auszeichnung in Höhe von zehn Millionen schwedischen Kronen (1,3 Mio. Franken).

Die drei Forscher stellten in getrennten Forschungen an einer bestimmten Kategorie von riesigen Sternenexplosionen, den Ia Supernovae, fest, dass deren Licht schwächer war als erwartet.

Daraus liess sich ableiten, dass sich das Universum nicht nur ausdehnt, was schon länger bekannt war, sondern dass sich dieser Vorgang sogar noch beschleunigt.

Es wird vermutet, dass die Ausdehnung des Universums durch die sogenannte Dunkle Energie vorangetrieben wird. Was genau diese Dunkle Energie ist, ist unklar. Sie macht aber ungefähr drei Viertel der Masse des Universums aus.

«Ich bin von dem Preis völlig überrascht», sagte der frisch gekürte Nobelpreisträger Schmidt. «Aber wir waren auch über unser Forschungsergebnis selbst völlig perplex.»

Supernovae sind von grossem Interesse für die astro­nomische Forschung, weil bei solchen Sternenexplosionen so viel Licht freigesetzt werden kann, wie sonst nur eine ganze Galaxie ausstrahlt. Die Forscher arbeiteten in den 90er-Jahren daran, anhand dieser Super­novae eine Karte des Universums zu erstellen. Dass sich das Universum schneller ausdehnt als gedacht, war also eigentlich nur ein Nebenprodukt ihrer Forschungen. Die Auswirkungen sind aber weitreichend. Die Preisträger hätten «ein Universum enthüllt, dass der Forschung in grossem Ausmass noch unbekannt ist», erklärte das Nobelkomitee. «Alles ist wieder möglich.»

Keine Eselei

Albert Einstein hatte in seiner Allgemeinen Relativitätstheorie schon 1915 vorhergesagt, dass sich das Universum entweder ausdehnt oder zusammenzieht. Er stellte die sogenannte Kosmische Konstante auf, die er später als grösste Eselei bezeichnet haben soll.

Nach den Ergebnissen der diesjährigen Nobelpreisträger könne man jedoch sagen, dass Einsteins Konstante brillant war, schreibt die Nobelstiftung.

Perlmutter kam 1959 in Champaign-Urbana im US-Bundesstaat Illinois auf die Welt. Der Astrophysiker arbeitet am Lawrence Berkeley National Laboratorium in Kalifornien.

Der vielfach ausgezeichnete 44-jährige Schmidt wurde in Missoula im US-Bundesstaat Montana geboren und arbeitet heute an der Australischen National-Universität in Weston Creek. Schmidt hat auch die australische Staatsbürgerschaft. Riess kam 1969 in der US- Hauptstadt Washington zur Welt. Er forscht an der Johns Hopkins Universität in Baltimore.

Die feierliche Überreichung der Auszeichnungen findet traditionsgemäss am 10. Dezember statt, dem Todestag des Preisstifters Alfred Nobel. (sda)

Die Ausdehnung des Universums dauert voraussichtlich ewig

Am Anfang war der Urknall - datiert auf eine Zeit vor rund 14 Milliarden Jahren. Seither dehnt sich das Universum aus - und wird das nach der derzeit gültigen Theorie auch bis in alle Ewigkeit weiter tun.

Benachbarte Galaxien entfernen sich dabei immer schneller voneinander. Auch unser Sonnensystem driftet von benachbarten Sternenhaufen weg. Das All wird immer grösser, immer kälter und hat immer mehr Raum zwischen der Materie.

Triebfeder der immer schnelleren Ausdehnung ist die Dunkle Energie - wobei niemand weiss, um was es sich dabei handelt. Sie macht aber den grössten Teil - etwa 70 Prozent - des heutigen Universums aus und wirkt der Gravitationskraft entgegen, die alle Materie des Alls zueinander hinziehen würde.

In Berechnungen wird ihr Einfluss als sogenannte Kosmologische Konstante einbezogen. Als das Universum 400'000 Jahre alt war, war es 1000 Mal kleiner und 1000 Mal heisser als heute, nehmen Astronomen an.

Breitet sich das All immer weiter aus, werden irgendwann alle Sterne ausgebrannt sein. Die Galaxien verlöschen nach und nach, neue Sterne entstehen nicht. Der Kosmos wird ein dunkler, unvorstellbar dünn mit Materie versehener Raum. (sda)

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