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HinschiedNobelpreisträger Samuelson ist tot

Der Wirtschafts-nobelpreisträger Paul A. Samuelson ist im Alter von 94 Jahren verstorben. Samuelson galt als Vordenker der modernen Volkswirtschaftslehre.

Der Wirtschaftsnobelpreisträger Paul A. Samuelson, der als einer der führenden Ökonomen des 20. Jahrhunderts gilt und zwei US-Präsidenten beraten hat, starb in seinem Haus in Belmont im US-Staat Massachusetts, wie seine frühere Universität Massachusetts Institute of Technology (MIT) mitteilte.

«Samuelson hat alles verändert, was er anfasste: Die theoretischen Grundlagen seines Feldes, die Art, wie Volkswirtschaftslehre in der ganzen Welt gelehrt wurde genauso wie die Ethik und den Status seines Instituts», erklärte MIT-Präsidentin Susan Hockfield.

Samuelson gilt als Vordenker der modernen Volkswirtschaftslehre, der die Prinzipien der mathematischen Analyse einführte. Ein von ihm verfasstes Standardwerk der Makro- und Mikroökonomie wurde in 40 Sprachen übersetzt und bislang vier Millionen Mal verkauft. Seine Rolle als Vermittler der Volkswirtschaftslehre ist wohl sein grösstes Vermächtnis: Er prägte die Lehre für Millionen von Studenten.

Seit den 1940er Jahren wird sein Buch «Volkswirtschaftslehre» verkauft. «Ich wusste, dass es ein gutes Buch war, aber ich hätte nicht gedacht, dass es so eine nachhaltige Wirkung haben würde», sagte Samuelson 1988 in einem Interview mit der AP. Er habe die Volkswirtschaftslehre damit nur verständlicher und erfreulicher machen wollen. Bei den späteren Ausgaben des Standardwerks kam der Yale-Ökonom William D. Nordhaus als Coautor hinzu.

«Anerkennung für harte Arbeit»

Für seine wegweisende Forschung wurde Samuelson 1970 mit dem Wirtschaftsnobelpreis ausgezeichnet. Herausgehoben wurde dabei sein Verdienst, dass er «mehr als jeder andere zeitgenössische Ökonom dazu beigetragen hat, die wissenschaftliche Analyse der Volkswirtschaftslehre auf ein neues Niveau zu heben», hiess es in der Begründung des Nobelkomitees.

In seiner Dankesrede sagte Samuelson, es sei schön, «eine Anerkennung für harte Arbeit zu finden». Samuelson war im Jahr 1970 erst der zweite Preisträger und der erste ausgezeichnete Amerikaner des 1968 von der schwedischen Zentralbank gestifteten Nobelpreises. Die übrigen Nobelpreise werden bereits seit 1901 vergeben.

Der Ökonom diente unter anderem den damaligen US-Präsidenten John F. Kennedy und Lyndon B. Johnson als Berater. Bei Kennedy war er führend mitverantwortlich für das Anstossen der Steuerreform, die als Grundlage der wirtschaftlichen Erholung der 1960er Jahre gilt. Zuletzt meldete sich Samuelson im Zuge der Finanzkrise bis kurz vor seinem Tod immer wieder mit pointierten Analysen zu Wort. Sein Neffe Lawrence Summers, ein früherer US-Finanzminister, ist heute der leitende Wirtschaftsberater von US-Präsident Barack Obama.

Samuelson galt als liberaler Ökonom und Neokeynesianer, begründend auf der Lehre des britischen Wirtschaftswissenschaftlers John Maynard Keynes, der dem Staat eine starke Rolle bei der Gestaltung der Wirtschaftszyklen zusprach.

Samuelson wurde 1915 in Gary im US-Staat Indiana geboren. 1935 schloss er die Universität von Chicago ab, es folgten ein Master-Studiengang und eine Doktorarbeit der Volkswirtschaftslehre in Harvard. Ab 1940 lehrte er an der Nachbaruniversität MIT. 1938 heiratete er die Volkswirtin Marion Crawford Samuelson, mit der er sechs Kinder bekam. Sie erlag 1978 im Alter von 62 Jahren einem Krebsleiden. Samuelson hinterlässt seine zweite Frau Risha Eckaus, die sechs Kinder und 15 Enkelkinder.

(dapd)

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