Späte Genugtuung: Nobelpreisträger von seinem Lehrer belächelt

Aktualisiert

Späte GenugtuungNobelpreisträger von seinem Lehrer belächelt

John B. Gurdon, frischgebackener Nobelpreisträger für Medizin, musste in seiner Jugend gegen erbitterte Widerstände kämpfen. Ein Lehrer nannte seine Forscherambitionen «lächerlich».

von
jcg
Wer zuletzt lacht... John B. Gurdon an einer Pressekonferenz am Montag.

Wer zuletzt lacht... John B. Gurdon an einer Pressekonferenz am Montag.

Ganz früher galt: Der Lehrer hat immer recht. Daran glaubt schon länger niemand mehr, was den Lehrerberuf nicht leichter gemacht hat. Und dass Lehrpersonen trotz bester Absichten manchmal ganz gewaltig daneben liegen, beweist der Fall des neuen Nobelpreisträgers für Medizin, John B. Gurdon. Wäre es nach einem seiner Lehrer gegangen, hätte der Mediziner seine wissenschaftliche Karriere an den Nagel gehängt, bevor sie überhaupt richtig begann.

In einer vernichtenden Beurteilung schrieb er einst, der Wunschtraum des Briten, ein Wissenschaftler zu werden, sei «ziemlich lächerlich». Im Dezember wird Gurdon mit dem Nobelpreis ausgezeichnet.

«Seine Arbeit war nicht einmal zufriedenstellend», schrieb der Lehrer der Eliteschule Eton im Jahr 1949. «Wenn er nicht einmal in der Lage ist, einfachste biologische Fakten zu lernen, hat er nicht die geringste Aussicht darauf, die Arbeit eines Spezialisten zu leisten.»

Das Vorhaben einer wissenschaftlichen Karriere bezeichnete er als «reine Zeitverschwendung» - für ihn und für diejenigen, die ihn zu unterrichten hätten.

In Schwierigkeiten

Der Lehrer sagte, der junge Gurdon wäre mehrmals in Schwierigkeiten geraten und habe nicht zugehört. Die Wissenschaftsgemeinde könnte argumentieren, dass sei auch gut so gewesen. Für die Entdeckung, dass reife Zellen in unreife Stammzellen umprogrammiert werden können, erhält der Brite gemeinsam mit dem Japaner Shinya Yamanaka die wohl höchste Auszeichnung, die sich ein Forscher nur wünschen kann.

Gurdon hatte zunächst Altphilologie in Oxford studiert und war dann zur Zoologie gewechselt. 1962 gelang ihm der Nachweis, dass die spezialisierte Entwicklung von Zellen umkehrbar ist.

In einem einfachen Experiment ersetzte er unreife Zellkerne in der Eizelle eines Frosches durch die DNA einer reifen Darmzelle. Die präparierte Eizelle entwickelte sich dann zu einer ganz normalen Kaulquappe. Auf Basis der Forschungen von Gurdon und Yamanaka versuchen Wissenschaftler heute, Ersatzgewebe zur Behandlung von Parkinson- oder Zuckerkranken zu entwickeln. (jcg/sda)

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