Aktualisiert 08.12.2008 22:50

Leixões Sport ClubNobodys blamieren Topteams

Die portugiesischen Fussballfans trauen ihren Augen nicht. An der Tabellenspitze steht der Abstiegskandidat Leixões. Selbst die Topteams Benfica, Sporting und Porto konnten die Überflieger nicht stoppen. 20 Minuten Online sprach mit einem, der wissen muss wieso der Underdog auf der Erfolgswelle reitet.

von
Reto Fehr

Der Leixões Sport Club ist keine grosse Nummer in Portugal. Der grösste Erfolg datiert von 1961 als der Verein aus dem Norden Portugals im Cupfinal Porto bezwangen. 2002 machten die Rotweissen dann als Drittligist von sich reden, als sie im Endspiel der Taça de Portugal Sporting unterlagen, aber trotzdem in den Uefa-Cup kamen – als erstes drittklassiges Team Portugals.

Sporting, Benfica und Porto blamiert

Immerhin: Seit zwei Saison ist der Klub aus der Stadt Matosinhos, nahe Porto, wieder in der höchsten Liga – nach 18-jähriger Abstinenz. Pünklich zum 100-Jahr-Jubiläum gelang der Coup. In der ersten Saison wurde Leixões «standesgemäss» Drittletzter und entging dem Abstieg. Da der Verein Schulden abbauen und vor allem auf die ausgezeichnete Jugendarbeit zurückgreifen muss, konnte auch diese Saison das Ziel nur eines sein: Der Nichtabstieg. Es begann schlecht für die Kicker aus dem Norden. Zum Auftakt gab es im heimischen «Estadio do Mar» ein 1:3 gegen Nacional. Doch seither hat die Equipe nicht mehr verloren. Benfica Lissabon kam unter anderem mit einem 1:1 davon, Sporting und Porto wurden gar auswärts (!) bezwungen. Am siebten Spieltag erklomm die Truppe erstmals in der Vereinsgeschichte die Leaderposition in der Liga Sagres. Nach Verlustpunkten steht die Mannschaft immer noch dort. Es braucht im Spiel gegen Guimaraes heute Abend (Montag, 18.30 Uhr) einen Sieg, um die Traditionsklubs weiter auf Distanz zu halten.

Darum hat Leixões Erfolg

Wie kam es dazu? «Das Geheimnis ist sicherlich unsere Gemeinschaft im Team. Jeder Spieler versteht sich mit dem anderen einfach sehr gut. Es gibt fast nie Probleme untereinander», erklärt Hans-Peter Berger, der österreichische Keeper von Leixões gegenüber 20 Minuten Online. Er kam im Juni auf die iberische Halbinsel. Sein Berater stellte den Kontakt her, Berger wurde beobachtet, für gut empfunden und flog im Juni nach Portugal um einen Vertrag bis 2010 zu unterzeichnen. In der Meisterschaft musste Berger bisher Konkurrent Beto den Vortritt lassen, doch mit Cupspielen kam der 27-Jährige doch schon zu neun Einsätzen.

Weit bekannte «Meerwölfe»

Speziell am Klub aus dem rauen Norden sind die Fans. Die sogenannten «Meerwölfe» gelten als sehr reiselustig. Schon in der zweiten Liga begleiteten bis zu 1000 Anhänger die Mannschaft an Auswärtsspiele. «Beim Spiel gegen Sporting reisten 5000 Fans mit. Sie sind heissblütig und einfach toll. Für einen Klub wie Leixões absolut unglaublich», lobt Berger die eigenen Aficionados. Das ist wirklich erstaunlich, für eine Hafenstadt, die nur rund 30000 Einwohner zählt. Bei besagtem Duell musste die Polizei anschliessend die Sporting-Stars, Trainer und Direktoren von aufgebrachten Lissaboner Fans schützen.

«Kein Ball soll zurück gespielt werden»

Der sonst schon beliebte Klub aus Portugal ist im Moment in aller Munde. «Journalisten aus ganz Europa sind momentan fast täglich beim Training. Viele TV-Stationen berichten täglich rund um den Klub», freut sich Berger. Das Saisonziel «Nichtabstieg» will Leixões «nach oben schrauben». «Wir wollen auch in den Cupfinal kommen», so Berger selbstbewusst.

Grossen Anteil am Erfolg hat auch Trainer José Mota. Er hatte schon vorher bei Paços de Ferreira sein Geschick bewiesen. «Wir spielen aus einer sehr kompakten Abwehr sehr schnell nach vorne. Oberstes Gebot ist, dass die Null steht. Wenn möglich sollte es nicht mehr als zwei Ballkontakte pro Spieler geben und kein Ball soll zurück gespielt werden», erklärt der österreichische Keeper.

Leixoes Sport Clube

Der Verein wurde 1907 gegründet. Jahrelang spielte Volleyball die grosse Rolle. Heute sind rund die Hälfte Fussballer. Daneben gibt es weiterhin Volleyball, Schwimmen, Karate, Billard und Boxen. Im Wappen des Klubs ist neben einem (alten) Fussball auch ein Cricket- und ein Tennisschläger abgebildet.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.