Aktualisiert 05.01.2011 14:25

Australien

Noch bleibt eine letzte Strasse

Die australische Küstenstadt Rockhampton atmet auf. Voraussichtlich wird das Hochwasser die letzte verbliebene Verbindung zur Aussenwelt nicht abschneiden.

Rockhampton ist noch einmal halbwegs davongekommen: Das Hochwasser dort stabilisierte sich am Mittwoch unterhalb der befürchteten Marke von 9,40 Metern. Damit blieb die einzige noch offene Zufahrtsstrasse frei.

Insgesamt aber wächst das Ausmass der Schäden durch die schlimmsten Überschwemmungen seit 50 Jahren rasant: Nach neuesten Schätzungen dürften sich die Schäden und Ernteausfälle auf neun Milliarden Australische Dollar summieren - 8,5 Milliarden Franken.

«Zweifellos ist dieses Desaster für Queensland beispiellos in seinem Umfang, und genauso wird der Wiederaufbau eine Anstrengung ohne Parallele werden», sagte die Regierungschefin von Queensland, Anna Bligh, im Fernsehen.

1200 Häuser standen in dem riesigen, dünn besiedelten Überschwemmungsgebiet komplett unter Wasser, 10 700 weitere hatten Hochwasserschäden, berichtete Bligh. 22 Ortschaften standen teils unter Wasser, 200'000 Menschen waren betroffen.

Hunderttausende Hektar Ackerland waren überflutet. Weizen-, Zucker-, Baumwoll- und Obsternten wurden vernichtet und drei Viertel der Kohlebergwerke in Queensland sind geschlossen. Die Regierung hat bereits einen Fonds aufgelegt und Niedrigzinskredite in Aussicht gestellt.

Wissenschaftler befürchten, die schmutzigen und mit Giftstoffen belasteten Wassermassen könnten - einmal ins Meer gelangt - den Korallen des berühmten Great Barrier Reefs schaden. Das weltweit grösste Korallenriff ist mehr als 2000 Kilometer lang und erstreckt sich über eine Fläche von 345 000 Quadratkilometern vor der Küste von Queensland.

Lage offenbar stabilisiert

In Rockhampton erreichte das Hochwasser am Fluss Fitzroy am Mittwoch die Marke von 9,20 Metern. Bei 20 Zentimetern mehr wären 400 weitere Häuser völlig überflutet worden und die einzige noch einigermassen befahrbare Strasse hätte ebenfalls unter Wasser gestanden.

Damit wäre die Versorgung der 75'000 Einwohner zum Albtraum geworden. «Es sieht so aus, als habe sich die Lage stabilisiert», sagte Bürgermeister Brad Carter. «Die Menschen sind erleichtert, sie wissen wohl, dass das Schlimmste überstanden ist.»

In der Stadt sind schon seit Tagen zahlreiche Strassen überflutet. Es hätte aber schlimmer kommen können: 9,40 Meter erreichten die Hochwasserpegel 1951, 1918 stand das Wasser sogar bei 10,10 Metern.

Sämtliche Flüsse über Ufer getreten

Die Überschwemmungen in Queensland sind dieses Mal so verheerend, weil nicht nur der Fitzroy, sondern sämtliche grösseren Flüsse über die Ufer getreten sind.

Die Ortschaft St. George mit 2500 Einwohnern, 665 Kilometer südwestlich von Rockhampton im Landesinneren, stand im vergangenen Jahr schon einmal unter Wasser, als der Fluss Balonne-Condamine über die Ufer trat.

Jetzt kündigten Meteorologen neue Unwetter an. Die jüngsten Wetter-Extreme hätten sich in einem insgesamt wärmeren Klima in Australien entwickelt, erklärten die Meteorologen am Mittwoch. Die Rekord-Regenfälle hielten voraussichtlich noch weitere drei Monate an. Die Einwohner machten erneut Sandsäcke fertig, um ihre Häuser zu schützen. (sda)

Flut lässt Stahlpreise steigen

Der größte deutsche Stahlhersteller ThyssenKrupp erwartet wegen der Flut in Australien höhere Stahlpreise. Die zuletzt wegen des Ausfalls von Kohleminen gestiegenen Preise für Kokskohle würden sich im zweiten Kalenderquartal in den Beschaffungskosten niederschlagen, sagte ein Sprecher des DAX-Konzerns am Mittwoch in Essen. ThyssenKrupp bezieht rund 40 Prozent seines Jahresbedarfs von 3,6 Millionen Tonnen Kohle aus Australien. Der von der Überschwemmung betroffene australische Bundesstaat Queensland ist der weltgrößte Exporteur der für die Stahlherstellung benötigten Kokskohle. (AP)

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.