Aktualisiert 13.06.2014 06:32

AufstellungNoch ein Fragezeichen in der Schweizer Nati

Wochenlang sprach Ottmar Hitzfeld vom Konkurrenzkampf in der Nati. So lange, bis sogar die Spieler daran glaubten.

von
S. Compagno & E. Tedesco, Porto Seguro

«Alles ist offen», sagt Philippe Senderos. «Keiner darf sich sicher sein. Jeder muss 100 Prozent geben», meint Captain Gökhan Inler. Das klingt gut und nett, ist aber falsch. 10 von 11 Positionen in der Schweizer Fussball-Nationalmannschaft sind seit Monaten besetzt: Goalie Diego Benaglio, die Aussenverteidiger Stephan Lichtsteiner und Ricardo Rodriguez, Abwehrchef Steve von Bergen, das defensive Mittelfeld mit Inler und Valon Behrami, das offensive Mittelfeld mit Xherdan Shaqiri, Granit Xhaka und Valentin Stocker sowie Josip Drmic als einzige Sturmspitze.

Die Frage, ob er Xhaka oder Admir Mehmedi hinter den Spitzen spielen lassen werde, beantwortete Hitzfeld an der Medienkonferenz am Mittwoch: Xhaka und Mehmedi seien zwei grundlegend verschiedene Spielertypen, erklärte Hitzfeld: Xhaka sei ein Mittelfeldspieler, ein Ballverteiler mit hoher Spielintelligenz. «Mehmedi ist mehr der Stürmertyp.» Es ist davon auszugehen, dass Mehmedi gegen Ecuador auf der Bank beginnt.

Seit Sonntag trainiert die Nati hinter verschlossenen Türen, abgesehen von der «Journalisten-Viertelstunde», die den Fotografen dazu dient, aktuelles Bildmaterial zu schiessen. «Wir haben uns mit der Taktik beschäftigt», erklärt Lichtsteiner. «Es ist wichtig, dass der Gegner davon nichts mitbekommt.» Dazu kam ein Testspiel zwischen einer A- und einer B-Elf als Generalprobe für die erwartete Hitzeschlacht am Sonntag gegen Ecuador. Die A-Mannschaft sei nahe an der Formation gewesen, die am Sonntag um 13.00 Uhr (18.00 Uhr MESZ) in Brasilia einläuft, sagte Medienchef Marco von Ah. Und dort besetzte Johan Djourou die einzige Position, um die so etwas wie ein Konkurrenzkampf entbrannt ist, nämlich jene neben Abwehrchef Von Bergen in der Innenverteidigung. Xhaka jedenfalls spielte hinter Drmic im zentralen Mittelfeld. Hitzfeld hat sich entschieden und er hat sich so entschieden, wie er es stets tut: Xhaka steht bei ihm seit Jahren hoch im Kurs, wohl auch, weil er eine Nummer 10 mit einem ausgeprägten defensiven Pflichtgefühl ist.

Djourou oder Schär?

Bleibt die Frage Djourou oder Schär: Schär ist sicher kreativer, dafür sprechen seine drei Tore in sechs Länderspielen und seine Stärken in der Angriffsauslösung. Aber Djourou hat sieben WM-Qualifikationsspiele bestritten. In diesen sieben Spielen liess die Schweiz gerademal ein einziges Gegentor zu. Beim 4:4 gegen Island, als in der letzten halben Stunde alle Dämme brachen, fehlte der lange Romand mit ivorischen Wurzeln.

Die Schweizer schotten sich derzeit komplett ab. Das war vor vier Jahren in Südafrika noch ganz anders. Dort hatte Ottmar Hitzfeld drei Tage vor dem ersten Gruppenspiel gegen Spanien urplötzlich und für alle sichtbar Pirmin Schwegler im Training in seine Stammelf geworfen, dazu sein damaliges 4-4-1-1 in ein 4-2-3-1 umgemodelt und damit (fast) die ganze Schweizer Medienlandschaft genarrt. Aber damals war auch die Situation eine andere: Captain Alex Frei und Valon Behrami waren angeschlagen ans Kap der guten Hoffnung gereist und fielen fürs Startspiel aus. Heute sind von 23 Spielern 23 fit.

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