Aktualisiert 21.12.2007 07:51

Noch ein Spears-Desaster

Als Britney in diesem Jahr von einer Katastrophe in die nächste schlingerte, sah das die Welt noch als Eskapaden einer aus den Fugen geratenen Pop-Prinzessin, gestressten Mutter und Ehefrau an. Jetzt, da die Schwangerschaft ihrer 16-jährigen Schwester Jamie Lynn weltweit Schlagzeilen macht, wird die Frage nach der Rolle der Mutter immer lauter gestellt.

Mutter Lynne Spears wollte zum nächsten US-Muttertag am 11. Mai eigentlich ihre Memoiren als «Pop Culture Mom» (Popkultur-Mama) veröffentlichen. Nach der Schwangerschaftsnachricht von der minderjährigen Britney-Schwester stoppte ihr Verlag umgehend die Veröffentlichung. Als Vorbild mag sie dem Verlag nicht mehr erscheinen, und ätzende Kommentare in Online-Medien dürften ihn in seiner Entscheidung bestärkt haben. «Ist Lynne eine noch schlechtere Mutter als Britney?» fragte etwa «Star»-Magazin-Chefredakteurin Bonnie Fuller. Fuller warf Mutter Spears vor, mit ihren Töchtern offenbar nie über Empfängnisverhütung gesprochen zu haben.

Als sich Britney Spears den Schädel rasierte, eine Entziehungskur begann und gleich wieder abbrach, unten ohne fotografiert wurde und im Rosenkrieg um ihre beiden Söhne sonst noch aus dem Rahmen fiel, leuchtete Jamie Lynn als adretter und skandalfreier TV-Star. Nun hat sie nicht nur die in vielen Kommentaren unverhüllte Häme über ihre «unerwartete» Schwangerschaft zu ertragen, sondern auch noch mit dem Verdacht zu kämpfen, sie könnte die Geschichte an das Magazin «OK!» verkauft haben. «OK!» zahlt bekanntermassen regelmässig für Enthüllungsgeschichten. Zum Fall Jamie Lynn Spears wollte sich das Magazin diesbezüglich nicht äussern.

Die Prominenten-Beobachterin der Illustrierten «US Weekly», Janice Min, spricht von einer vertrackten Lage: Nachdem die zweite Tochter einen dicken Skandal produziert habe, beginne man eben nun, das Problem bereits bei der Mutter zu sehen. Sicherlich sei Lynne nicht das erste Elternteil, dem eine unzureichende Wertevermittlung bei der Erziehung vorgeworfen werde: Es gibt ja auch noch die gelegentlich mit Britney feiernden Lindsay Lohan und Paris Hilton.

Min sieht das Problem in Hollywood- und Popstarkarrieren, in dem die Kinder sehr früh das Einkommen ihrer Eltern um ein Vielfaches übertreffen. Das ganze Familiengefüge gerate damit aus den Fugen. In manchen Fällen seien die Verlockungen von Reichtum und Ruhm einfach nur ansteckend und die Eltern würden in einen Strudel gezogen, wo man einfach nur noch alles mitnehmen will, was plötzlich möglich ist.

«Es geht um Selbstachtung»

Der Fall Spears ist für Min aber extrem: Da schreibe eine Frau ein Buch darüber, wie man Töchter grosszieht, während diese von einer persönlichen Katastrophe zur nächsten stolperten. Die Experten von Elternzeitschriften sehen in der Spears-Tragödie aber nicht nur einen Einzelfall. Probleme dieser Art könnten eine Folge des Wunsches vieler Eltern sein, bester Freund oder beste Freundin ihrer Kinder zu sein, anstatt die Elternrolle auszuüben. «Ich denke, das ist das Problem Nummer eins in der heutigen Erziehung», sagt die Chefredakteurin des Magazins «Parenting», Janet Chan. «Ein Freund kann Ihrem Kind beibringen, wie man Pups-Geräusche macht. Eltern legen Regeln fest, sind Vorbilder.»

Viel zu oft hätten Eltern ein schlechtes Gewissen, weil sie zuviel arbeiteten und zuwenig Zeit für ihre Kinder hätten. Sie irrten dann in der Annahme, das ausgleichen zu können, indem sie sich zum besten Freund ihrer Kinder zu machen versuchen. Bei all dem Gerede über die Sexualaufklärung im Hause Spears weist Chan auf ein nach ihrer Ansicht gravierenderes Problem hin: Der Vermittlung eines Selbstwertgefühls. «Warum hat sie mit ihren Töchtern nicht über Selbstbewusstsein gesprochen und ihnen beigebracht, sich selbst anzunehmen und auch Nein sagen zu können? Hier geht es nicht um Kondome. Es geht um Selbstachtung. Und das beginnt in der Kindheit.»

(dapd)

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