Berührender Clip: Noch eine Werbung, die uns zum Heulen bringt
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Berührender ClipNoch eine Werbung, die uns zum Heulen bringt

Nach Edeka und Ifolor nun Whisky: Ein feinfühliger Werbespot zweier Filmstudenten erobert gerade das Internet.

von
hau

«Auf den Wegen unserer Jugend, durch das Land unserer Kindheit. Sei bei mir, führe mich», flüstert eine Stimme aus dem Off. Zwei Brüder schlendern durch die malerische Naturlandschaft des schottischen Hochlands. Geschwisterliebe, denkt man zuerst— doch zum Schluss kommt alles anders.

Der Whisky-Werbespot von Daniel Titz und Dorian Lebherz von der Filmakademie Baden-Württemberg entzückt momentan die Netz-Community: Über drei Millionen Mal wurde der Clip bereits angeschaut. Das kleine, gerade mal 90 Sekunden lange Meisterwerk «Dear Brother» zielt mitten ins Herz. Damit stellen sich die beiden Studenten in eine Reihe mit den schrecklich schönen Weihnachtswerbespots von Edeka oder Ifolor.

Die Whisky-Produzenten wussten nichts davon

Lorbeeren für die Arbeit von Titz und Lebherz gab es bereits von Adweek.com. Das Branchenmagazin kürte den Clip zum besten studentischen Werbefilm. «Unser Ziel war es, in 90 Sekunden die Leute mit einer Geschichte zu berühren», sagen die beiden Filmemacher im Interview mit dem Magazin. «Die Naturkulisse Schottlands und Johnnie Walkers Slogan ‹Keep Walking› diente uns als Inspiration.» Wer das Video zu Ende schaut, sieht: Mission erfüllt.

Edeka-Werbespot löst Kontroverse im Netz aus

Der Whisky-Hersteller Johnnie Walker gab den Clip übrigens nicht in Auftrag. Die zwei angehenden Filmemacher werkelten bloss im Rahmen einer studentischen Arbeit an «Dear Brother». Mittlerweile dürften sich aber auch die Schnaps-Produzenten über den Kurzfilm freuen.

Kitsch hat seine Legitimation

Rührender Kitsch kommt gerade in der Weihnachtszeit in TV-Werbungen gut an. Angefangen beim Edeka-Spot, der einen vereinsamten Opa an Weihnachten zeigt oder dem Ifolor-Knüller aus der Schweiz, der ganz ohne Worte auskommt, dafür mit traurig-schönen Klavierklängen untermalt wird.

Frank Bodin, CEO der Agentur Havas Worldwide, erachtet die Gefühlsmasche in der Werbung speziell an Weihnachten als legitim. «Werbung ist ein Spiegel der Gesellschaft und offensichtlich gibt es gerade jetzt ein grosses Bedürfnis an Emotionen», erklärt der Werber gegenüber 20 Minuten. «Wir leben in einer technologisch und stark von marktwirtschaftlichen Kriterien geprägten Welt.» Affektive Themen wie Geborgenheit, Wärme oder Nächstenliebe rücken daher besonders stark an Weihnachten in den Vordergrund.

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