Aktualisiert 26.07.2011 09:29

Tragödie in Oslo

Noch immer Vermisste an beiden Tatorten

Das Chaos in Norwegen hat sich auch am vierten Tag nach dem verheerenden Doppelschlag nicht gelegt. Noch immer werden mehrere Menschen vermisst - darunter auch Justizmitarbeiter.

Nach den Anschlägen von Oslo und Utøya vom Freitag gelten noch mehrere Mitarbeiter des norwegischen Justizministeriums als vermisst.

Justizminister Knut Storberget sagte am Dienstag, viele Angestellte seines Hauses seien zudem schwer von der Katastrophe getroffen worden, derzeit stünden ihnen ausserdem keine Büros zur Verfügung.

Die Polizei erklärte, es gebe noch Vermisste an beiden Tatorten.

Breivik könnte 30 Jahre hinter Gitter kommen

Zuvor wurde bekannt, dass Norwegens Justiz den Attentäter Anders Behring Breivik möglicherweise wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor Gericht stellen will. Dies berichtete die norwegische Zeitung «Aftenposten» am Dienstag.

Dafür könnte ein Paragraf des Strafgesetzbuches zur Anwendung kommen, der unter anderem die Verfolgung von Menschen wegen ihrer politischen Überzeugung umfasst. Der Strafrahmen wäre hier mit bis 30 Jahren Haft höher als bei den maximal 21 Jahren für den bisher von der Justiz angewandten Terror-Paragrafen.

Zurechnungsfährigkeit wird überprüft

Der Massenmörder hatte am Montag einen Termin beim Haftrichter. Mittlerweile wurde bekannt, dass er damit gerechnet hat, auf dem Weg zum Gericht erschossen zu werden. «Er hat mehrfach gesagt, dass er erwarte, getötet zu werden», sagte sein Anwalt Geir Lippestad dem norwegischen Fernsehsender NRK.

Sein Mandant lebe in einer völlig anderen Realität. «Er hat eine völlig andere Konzeption der Wirklichkeit als wir anderen Norweger», sagte Lippestad. «Zum Beispiel glaubt er, dass in Norwegen (im Gefängnis) Folter existiert.»

Breivik blieb ruhig

Bei der Sitzung am Montag ordnete der Richter an, dass der 32-Jährige acht Wochen in Untersuchungshaft bleiben müsse. «Er war nicht überrascht, er nahm die Dinge ruhig hin», sagte Lippestad. Der 32-Jährige soll in der Haft von zwei Rechtspsychiatern auf seine Zurechnungsfähigkeit untersucht werden.

Behring Breivik gestand, die beiden Anschläge im Osloer Regierungsviertel und bei einem Jugendlager der regierenden Arbeiterpartei auf der Insel Utøya begangen zu haben, bei denen am Freitag mindestens 76 Menschen getötet worden waren. Der rechtsradikale Behring hatte die Taten damit begründet, dass er die sozialdemokratische Partei Norwegens möglichst hart treffen wollte.

Norwegen ist ein Blumenmeer

Mit Blumen haben zehntausende Menschen in Oslo am Montagabend an die Opfer der beiden Anschläge von Freitag gedacht. Etwa 150 000 Menschen nahmen in der norwegischen Hauptstadt an einer «Rosen-Wache» für die Getöteten teil.

Kronprinz Haakon sprach von einer «mit Liebe» gefüllten Strasse. «Wir haben die Kraft, Hass mit Zusammengehörigkeit zu begegnen», sagte der Kronprinz. «Wir haben gewählt, wofür wir stehen.» (sda/dapd)

Massenmörder erwähnte auch Schweizer Firmen

Der mutmassliche Attentäter von Oslo hat in seinem «Manifest» auch mögliche Anschlagsziele in der Schweiz aufgeführt. Genannt sind beispielsweise die Raffinerien von Cressier und Colombey sowie die Atomkraftwerke von Beznau, Gösgen, Leibstadt und Mühleberg. Die «Kämpfer des Widerstands» sollten in den genannten Ländern handeln, «weil sie nicht auf einen Wechsel durch demokratische Mittel hoffen können», heisst es in dem Schreiben. Das treffe auch auf die Schweiz zu. Anders Behring Breivik schreibt weiter von rund einer halben Million «multikultureller Verräter» in der Schweiz. Sie hätten die Einwanderung der Muslime erleichtert.

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