Aktualisiert

Noch kein Licht im Tunnel nach Engelberg

Der Bau des Bahntunnels nach Engelberg wird immer teurer und langwieriger. Statt den einst veranschlagten 68 Millionen Franken dürfte er 160 Millionen kosten. Die Eröffnung wurde erneut verschoben, und zwar auf frühestens 2009.

Im 2001 starteten die Arbeiten am vier Kilometer langen Tunnel, der die heutige Steilrampe zwischen Grafenort und Engelberg OW ersetzen und die Kapazitäten der Zentralbahn (zb) erhöhen soll. Die Züge sollten ab Dezember 2006 durch das Bauwerk fahren.

Drei Wassereinbrüche

Der Vortrieb kam gut voran. Bis heute sind 3700 Meter im Rohbau fertig. Zu schaffen machen 350 Meter in der Tunnelmitte, die durch verkarsteten Quintnerkalk führen. Drei Mal brach dort das Wasser ein und liess die Kosten in die Höhe schnellen.

Nach einem ersten Wassereinbruch im Jahr 2002 und einem zweiten 2003 wurde der Tunnel in der Störzone mit einer 80 Zentimeter dicken Schicht armierten Spritzbetons verstärkt. Der Tunnel sollte damit den Druck einer 200 Meter hohen Wassersäule aushalten.

Doch bei den Unwettern im Sommer 2005 füllten sich die Hohlräume im Berg erneut, und es kam zu einem weiteren Wassereinbruch. Bis zu 1000 Liter Wasser drangen pro Sekunde in den Tunnel ein. Es entstanden grosse Schäden.

Die Kosten waren zwischenzeitlich auf 105 Millionen und später auf 126 Millionen Franken gestiegen, der Eröffnungstermin auf 2007 verschoben worden. Klar war, dass nach dem dritten Zwischenfall diese Eckwerte kaum mehr einzuhalten sind.

Marschhalt

Der zb-Verwaltungsrat schaltete deshalb externe Experten ein und beschloss nun einen Marschhalt. Es brauche spezielle Lösungen, sagte Verwaltungsratspräsident Ferdinand Keiser am Mittwoch in Stansstad.

Tatsächlich ist der Wasserdruck grösser als bei der Planung angenommen. Es gebe aber auch Anzeichen für Qualitätsmängel im Beton, sagte zb-Geschäftsführer Josef Langenegger.

Während des Time Outs sollen rechtliche Fragen, etwa zu Haftung und Versicherung, sowie bautechnische Fragen, geklärt werden. Die zusätzlichen Arbeiten müssen neu ausgeschrieben werden. Die Projektleitung wird neu organisiert.

Eine Möglichkeit ist, die Tunnelröhre mit 90 Zentimeter dickem Ortsbeton zu festigen. Dann würde das Gewölbe einer Wassersäule von 350 Metern standhalten. Auch eine Art Sicherheitsventil wird geprüft.

Nur Winterarbeit

Ein zusätzliches Problem ist, dass nur im Winter, wenn es wenig Wasser hat, saniert werden kann. Keiser hofft, dass das weitere Vorgehen bis zum Herbst ausführungsreif ist.

In diesem Winter wurde als Sofortmassnahme ein 40 Meter tiefer Entlastungsstollen gebaut. Dieser soll verhindern, dass bei der anstehenden Schneeschmelze erneut Wasser in den Tunnel eindringt. (sda)

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.