Noch kein Urteil im Mordprozess Lindh
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Noch kein Urteil im Mordprozess Lindh

Der mutmassliche Mörder der schwedischen Aussenministerin Anna Lindh soll sich einer eingehenden psychiatrischen Untersuchung unterziehen. Das entschied das zuständige Stockholmer Gericht am Montag und folgte damit einem Antrag der Verteidigung.

Diese hatte zuvor in ihrem Schlussplädoyer gefordert, die Mordanklage fallen zu lassen. Dagegen beantragte die Staatsanwaltschaft, die von vorsätzlichem Mord ausgeht, lebenslange Haft.

Die Erstellung des psychiatrischen Gutachtens dürfte vier bis fünf Wochen dauern. Der 25-jährige Mijailo Mijailovic, ein Schwede jugoslawischer Abstammung, hatte ausgesagt, Stimmen in seinem Inneren hätten ihn zu der Tat gedrängt.

Sein Anwalt Peter Althin räumte ein, zwar habe Mijailovic gestanden, Lindh mit einem Messer angegriffen und schwer verletzt zu haben. «Aber er bestreitet, eine Tötungsabsicht gehabt zu haben.» Die Staatsanwaltschaft habe nicht nachweisen können, dass sein Mandant am 10. September mit dem Vorsatz, Lindh zu ermorden, in das Stockholmer Kaufhaus gegangen sei. «Das Zusammentreffen mit Anna Lindh war Zufall», sagte Althin weiter. Niemand habe wissen können, dass die schwedische Aussenministerin an diesem Tag das Kaufhaus aufsuche.

Dagegen erklärte Chefanklägerin Anita Blidberg, der Mord sei keineswegs eine Folge geistiger Verwirrung gewesen. Der Angriff habe gezielt der Aussenministerin gegolten. «Es gibt keine mildernden Umstände, die diesem Verbrechen seine Schwere nehmen», sagte die Staatsanwältin.

Am Montag kam ausserdem ein weiterer Zeuge zu Wort: ein Taxifahrer, der Mijailovic nach eigenen Angaben kurz nach der Tat gefahren hatte. Er beschrieb den mutmasslichen Mörder als «ein bisschen müde, ein bisschen langsam». Der Mann hatte sich erst am Donnerstag bei den Behörden gemeldet. Er habe den Angeklagten erst jetzt als seinen Fahrgast wiedererkannt, sagte der Taxifahrer laut einem Zeitungsbericht. (dapd)

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