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Mainzer Rekord«Noch keiner war oben ohne im Fitnesscenter»

Sieben Siege in sieben Spielen: Mainz egalisiert in der Bundesliga den Ligastart-Rekord. Das Rezept dafür ist ziemlich einfach.

von
Reto Fehr
Mainz

«Sie müssen keine Probleme machen, wo keine sind. Ich habe keinen mit einem Lamborghini gesehen, keiner hat gesagt, dass er deutscher Meister wird und noch keiner war oben ohne im Fitnesscenter», erklärte Mainz-Trainer Thomas Tuchel schon vor dem Duell mit Hoffenheim auf die Frage, ob seine Spieler denn im Hinblick auf den anstehenden Rekord nicht die Bodenhaftung verloren hätten. Schon vor 14 Tagen liess der 37-Jährige wissen: «Die werden keine Zeit haben, sich beeinflussen zu lassen. Sie kriegen neue Aufgaben gestellt.» Dass dies tatsächlich nicht passiert ist, bewiesen seine Himmelsstürmer beim 4:2 gegen Hoffenheim und der Egalisierung der Start-Bestleistung von Bayern München (1995) und Kaiserslautern (2001).

Und auch nach dem Spiel im Sturm der Journalistenfragen im Stadionbauch blieben stellvertretend für das Team die vier Torschützen Sami Allagui, Adam Szalai, Lewis Holtby und André Schürrle am Boden. «Daran habe ich gar nicht gedacht», erklärte etwa Allagui, der das Skore früh eröffnete, auf die Frage nach dem Rekord. Auch Shootingstar Schürrle habe nie einen Gedanken an diese geschichtsträchtliche Bestleistung verschwendet. Die Antworten klangen fast wie abgesprochen, aber aus ihren Worten hörte man auch den Glauben an das Gesagte heraus.

Szalais Einsicht, Holtbys Lächeln

Dass keiner abgehoben hat, bewies Szalai beim 1:0. Der Ungar lief in der zweiten Minute alleine auf Torhüter Starke los. Die meisten anderen Stürmer hätten in so einer Situation wohl selbst ihr Glück gesucht. Und Szalai, der schon Torschützenkönig von Reals B-Team war? «So eine Chance musst du unbedingt eiskalt nutzen. Als ich sah, dass Allagui mitläuft und besser steht als ich, konnte ich nicht mehr anders.» Diese Einstellung würde vielen anderen Angreifern hin und wieder gut tun.

Matchwinner Holtby mit zwei Assists, einem Tor und dem herausgeholten Elfmeter erhielt schon in der Pause Lob. Bundestrainer Jogi Löw, welcher unter anderem wegen dem 20-Jährigen auf der Tribüne im Bruchweg-Stadion sass, erkannte schon nach 45 Minuten: «Nur schon wegen dem Pass Holtbys zum 1:0 hat sich das Eintrittsgeld gelohnt.» Der Spieler selbst lässt sich von solchen Aussagen nicht aus der Bahn werfen. «Mich interessiert nur, was auf diesem rund 100 Meter langen Rasen geschieht. Der Startrekord und alles andere ist nicht entscheidend. Wichtig ist, dass ich mit einem Lächeln spiele, ich will einfach Spass haben.» So einfach ist – oder besser wäre – Fussball.

Tuchel: «Der Rekord? Das ist das Thema der Medien»

Es scheint, als hätte es Tuchel tatsächlich geschafft, die Helden der bisherigen Bundesliga-Saison auf dem Boden zu halten. «Der Tabellenplatz spielt null Rolle. Unsere Ansprüche sind die höchsten. Und bleiben es», erkannte er schon nach dem vierten Sieg vor zwei Wochen. Und jetzt nach dem siebten Vollerfolg hielt er sich an der anschliessenden Pressekonferenz so zurück, dass ein Journalist fand, er sähe gar nicht glücklich aus. «Sie sollten mich einmal erleben, wenn ich unglücklich bin», entgegnete er schlagfertig und stellte wie schon seine Spieler zuvor klar: «Dass der Rekord im Mittelpunkt steht, das geht nicht. Sie können mir glauben, ich habe während 92 Minuten nie daran gedacht.» Warum nicht? «Das ist das Thema der Medien.» Tuchel wird auch in den nächsten Wochen keinen seiner Spieler im Lamborghini oder oben ohne beim Krafttraining erwischen.

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