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Militärdiktatur in ArgentinienNoch mal lebenslänglich für «blonden Todesengel»

Wegen Menschenrechtsverbrechen wurden in Argentinien 48 Ex-Militärs verurteilt. Der «blonde Todesengel» Alfredo Astiz erhielt noch einmal lebenslänglich.

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29 Ex-Militärs wurden am 29. November 2017 wegen der Verbrechen während der Militärdiktatur in Argentinien (1976–1983) zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt. Gegen 19 weitere wurden Haftstrafen von acht bis zu 25 Jahren verhängt.

29 Ex-Militärs wurden am 29. November 2017 wegen der Verbrechen während der Militärdiktatur in Argentinien (1976–1983) zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt. Gegen 19 weitere wurden Haftstrafen von acht bis zu 25 Jahren verhängt.

AFP/Javier Gonzalez Toledo
Zu lebenslanger Haft wurden unter anderen der als «blonder Todesengel» bekannte Ex-Junta-Offizier Alfredo Astiz sowie Ex-Marineoffizier Jorge Acosta verurteilt. Beide hatten bereits in früheren Prozessen lebenslange Freiheitsstrafen erhalten.

Zu lebenslanger Haft wurden unter anderen der als «blonder Todesengel» bekannte Ex-Junta-Offizier Alfredo Astiz sowie Ex-Marineoffizier Jorge Acosta verurteilt. Beide hatten bereits in früheren Prozessen lebenslange Freiheitsstrafen erhalten.

AP/Victor R. Caivano
Während der Militärdiktatur wurden etwa 30'000 Menschen getötet oder verschwanden spurlos.

Während der Militärdiktatur wurden etwa 30'000 Menschen getötet oder verschwanden spurlos.

epa/Carlota Ciudad

Im grössten Prozess der argentinischen Geschichte sind 48 ehemalige Militärs wegen Menschenrechtsverletzungen zu hohen Gefängnisstrafen verurteilt worden. 29 von ihnen erhielten lebenslange Haftstrafen. Weitere 19 Angeklagte müssen zwischen 8 und 25 Jahre absitzen, wie ein Gericht in Buenos Aires am Mittwoch verkündete.

Sie wurden für Verschleppung, Folterung und in den meisten Fällen auch Ermordung von 789 Menschen während der Militärdiktatur 1976–1983 schuldig befunden. Sechs der 54 Angeklagten wurden freigesprochen. Unter ihnen ist der ehemalige Schatzsekretär der Diktatur, Juan Alemann.

Nochmals lebenslang für Alfredo Astiz

Zehn der Schuldigen waren schon in früheren Prozessen wegen anderer Menschenrechtsverletzungen zu Haftstrafen verurteilt worden; unter ihnen der ehemalige Marineoffizier Alfredo Astiz, der als «blonder Todesengel» bekannt wurde. Astiz wurde jetzt für die Verschleppung der damals 17-jährigen Schwedin Dagmar Hagelin im Jahr 1977 zu lebenslanger Haft verurteilt.

Der fünfjährige Prozess befasste sich mit Menschenrechtsverletzungen in der berüchtigten Mechanikschule der Marine (Esma), dem grössten Konzentrationslager der Militärdiktatur, in dem über 4000 Menschen getötet wurden. Unter den Opfern der Verurteilten waren auch die beiden französischen Nonnen Alice Domon und Léonie Duquet.

Wie die Todesflüge ans Licht kamen

Im Laufe des jahrelangen Prozesses hatte eine Abteilung der Staatsanwaltschaft, die für die Menschenrechtsverletzungen während der Militärdiktatur zuständig war, Tausende Flugprotokolle aus der Diktaturzeit durchkämmt, in denen mindestens elf regelwidrige Einträge registriert waren. Bei diesen sogenannten «Todesflügen» wurden Hunderte Oppositionelle der Militärjunta lebend und betäubt aus Flugzeugen in den La-Plata-Fluss abgeworfen.

Bei der Untersuchung war den Ermittlern aufgefallen, dass viele Flüge nachts ausgeführt worden waren. Die Piloten flogen meistens bis zur 140 Kilometer entfernten Insel Punta Indio auf den Atlantik hinaus und kehrten ohne Zwischenlandung zurück. Der Menschenrechtskommission fiel vor allem der Eintrag vom 14. Dezember 1977 auf: In jener Nacht sind vermutlich die zwei französischen Nonnen verschwunden.

Leichen der Nonnen tauchten Tage später am Ufer auf

Die Ordensfrauen waren zwischen dem 8. und dem 10. Dezember festgenommen worden und wurden im Keller der Mechanikschule der Marine in Buenos Aires festgehalten, der zum Knast umfunktioniert worden war. Am 14. Dezember waren die beiden Frauen noch am Leben: Ein Bild, auf dem sie die Ausgabe der Zeitung «La Nación» in der Hand halten, bezeugt dies.

Laut Logbuch waren die Piloten in jener Nacht um 21.30 Uhr mit einem Skyvan-Flieger vom Inlandflughafen Buenos Aires abgeflogen und um 0.40 Uhr wieder gelandet. Die Leichen der Nonnen wurden am 20. Dezember 1977 am Ufer des Río de la Plata angespült. (kle/sda)

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